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Burgplatz

Burgplatz, 45127 Essen | 51.455451, 7.013887‎ | +51°27’19.62″, +7°0’49.99″

(a description of the part the Burgplatz played between 1933 and 1945 is also available in English)

Im Zeitraum 1933-1945 hieß der Burgplatz Adolf-Hitler-Platz. Auch andere Orte in Essen teilten das Schicksal des Burgplatzes, waren zur Zeit des Faschismus nach Nazi-„Größen“ benannt. So hieß etwa die Rüttenscheider Straße „Hermann-Göring-Straße“, die Wilhelm-Straße wurde „Straße der SA“ getauft und der Rüttenscheider Platz trug den Namen des SA-Schlägers Horst Wessel. In verschiedenen Städten wurden selbst Schulhäuser nach bekannten Nazis benannt.

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933 (Quelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv).

Historischer Hintergrund

Die Umbenennung von öffentlichen Plätzen und Straßen ist typisch für Unrechtsregime. Meistens finden die Namen von bekannten Mitgliedern der jeweiligen Bewegung Verwendung. Besonders beliebt sind Personen, denen ein Märtyrer-Status beigemessen wird. Im Nazi-Jargon wurden Menschen, die sich in der Weimarer Zeit (1918-1933) besonders für den Faschismus verdient gemacht hatten, als „Blutzeugen der Bewegung“ bezeichnet, sofern sie im Zuge ihres Engagements starben. Im Rahmen der heftigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden paramilitärischen Verbünden fanden zahlreiche Menschen in den späten 1920er-Jahren den Tod. Die brutalste Gewalt ging von der faschistischen SA („Sturmabteilung“) aus. Die SA war ein zentrales Element der Nazi-Bewegung, die schließlich 1933 die Macht übernahm. Ihre Hauptaufgabe war die Einschüchterung politischer Gegner*innen. In vielen Städten machten SA-Gruppen gezielt Jagd auf sozialdemokratisch, sozialistisch und kommunistisch eingestellte Menschen. Die SA verübte zahlreiche politisch motivierte Morde.

Die Umbenennung der Straßen und öffentlichen Räume erfolgte, um eine dauerhafte Präsenz der faschistischen Ideologie im Alltag zu gewährleisten. Die Menschen sollten – auch wenn sie gänzlich unpolitischen Geschäften nachgingen – immer wieder mit den vermeintlichen „Größen“ der Nazi-Bewegung konfrontiert werden. Gleichzeitig sollten die Straßennamen die Identifikation aktiver Nazis steigern und die Bewegung nach innen stärken. Zudem – so das Kalkül der für die Namensgebung Verantwortlichen – sollten antifaschistisch engagierte Menschen demotiviert werden.

Heutige Situation

Auch heute gibt es noch Straßen in Essen, die nach Personen benannt sind, die in der Weimarer Republik oder der frühen Hitler-Zeit eine unrühmliche Rolle spielten. Beispielsweise gibt es eine Hindenburgstraße. Paul von Hindenburg war Feldmarschall der Deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, da er – wie viele Konservative seinerzeit – die Nazis und deren Ziele unterschätzte. Die Nazis täuschten bewusst eine Nähe zur Kaiserzeit – und diese wurde von Hindenburg verkörpert – vor, um auch für Konservative wählbar zu sein. Die Konservativen wiederum schätzten die Entschlossenheit (bzw. Brutalität), mit der die Nazis gegen die politische Linke vorgingen.

Auch in der Weimarer Zeit (1918-1933) waren sich die politischen Lager bereits gegenüber gestanden.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulkassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Es ist das Jahr 1945; Essen ist soeben von den Alliierten befreit worden – die Nazi-Herrschaft ist Vergangenheit. Was aber tun mit den Straßen und Plätzen, die noch zum Teil die Namen von Faschisten tragen? Euch ist klar, dass nun neue Namen her müssen. Warum keine Benennung, die klar macht: der Nazi-Spuk ist vorbei! Denkt euch Bezeichnungen für den Burgplatz aus, die einen Bezug zum Widerstandskampf gegen das Nazi-Regime oder zur noch jungen demokratischen Tradition Deutschlands aufweisen. Diese Website könnt ihr als Quelle nutzen. In der Link-Liste rechts auf dieser Seite findet ihr weitere Geocaching-Spielorte. Falls ihr Namen entdeckt, ruft die Seite auf und diskutiert, inwieweit die betreffende Person als Namenspatron geeignet ist. Natürlich könnt ihr auch eigene Recherchen im Internet anstellen. Wichtig: begründet die Namenswahl. Haltet eure Ideen in Stichpunkten schriftlich fest.

2) (++ / anspruchsvoll) Vielleicht kennt ihr Straßenschilder, unter denen kurze Erklärungen angebracht sind, die erläutern, um wen es sich beim Namenspatron der Straße handelt. Überlegt euch ein oder zwei kurze Sätze, die darauf hinweisen, wer der Namenspatron war und worin sein Verdienst bestand. Wenn ihr euch unsicher seid, kann dieses Muster zur Orientierung dienen: NAME (*18?? – +19??), war ein/-e Essener Bürger/-in, der/die während der Hitler-Zeit im Widerstand aktiv war. Er/sie verteilte Flugschriften / leitete Informationen ins Ausland / half jüdischen Mitmenschen bei der Flucht. (versucht eine Ergänzung)

Stolperstein zum Gedenken an Josef Bauernfeind

Ecke Altendorfer Straße / Hopfenstraße, 45355 Essen

51.462644, 6.958140‎ | +51° 27′ 45.52″, +6° 57′ 29.30″

Josef Bauernfeind wurde am 11. Juli 1876 geboren. Sein Stolperstein wurde am 13. April 2006 verlegt. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis verstärkten diese den Terror gegen ihre politischen Gegner*innen. Josef Bauernfeind wurde am 9. August 1933 von SA-Leuten ermordet, angeblich, weil er Flugblätter verteilt hatte. Die Nazis jedoch duldeten keine Form der freien Meinungsäußerung; so stuften sie auch das Verteilen von Flugblättern als illegal ein und verfolgten es mit aller Härte. Bauernfeind wurde in einer Ziegelei an der Frintroper Straße ermordet, die die Nazis als Folterkeller nutzten.

Stolperstein Josef Bauernfeind

Der Stolperstein, der in Gedenken an Josef Bauernfeind an der Altendorfer Straße verlegt wurde.

„SA“ steht für „Sturmabteilung“. Die SA war eine Kampftruppe, mit der die Nazis bereits seit 1922 ihre politischen Gegner und Gegnerinnen verfolgten. Die hier genannten Informationen stammen aus „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“, einem Buch von Hans-Josef Steinberg.

SA-Kaserne (Kopie)

Diese Aufnahme stammt aus Horst Zimmers antifaschistischem Stadtspiel und entstand 1980. Sie zeigt den Eingangsbereich der ehemaligen SA-Kaserne an der Frintroper Straße, in der Bauernfeind getötet wurde.

Historischer Hintergrund

Die Notverordnungen vom 28. Februar 1933 erleichterten es den Nazis, Jagd auf ihre politischen Gegner zu machen: Personen, denen man nachsagte, die öffentliche Sicherheit zu gefährden. Wer hierzu zählte, bestimmten die neuen Machthaber. Auf diese Weise wurden Menschen, die sich gegen die Nazis positionierten, systematisch verfolgt, verhaftet und getötet. Der SA als einem Verbund rechtsextremer Straßenschläger kam hierbei eine Schlüsselrolle zu. Da auch die Justiz ab 1933 zunehmend von Nazis bestimmt wurde, hatten SA-Leute nicht zu befürchten, strafrechtlich belangt zu werden.

Hier erfahrt ihr mehr über die politisch motivierten Straßenkämpfe zu Zeiten der Weimarer Republik (1918-1933).

 

Aufgabe für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Betrachtet die politischen Plakate aus der Weimarer Zeit. Gibt es Merkmale, die auf alle Plakate zutreffen? Zählt die Merkmale auf und überlegt, in welcher Absicht die Plakate hergestellt wurden.