Schlagwort-Archiv: Pogromnacht

Steeler Synagoge

Isinger Tor, 45276 Essen | 51.449260, 7.077230‎ | +51° 26′ 57.34″, +7° 4′ 38.03″

(we have also compiled facts about the synagogue in English)

Am Rande der Steeler Innenstadt gab es vom 14. September 1883 bis zum 10. November 1938 eine Synagoge. Diese wurde regelmäßig von den in Steele wohnhaften Juden und Jüdinnen besucht. Sie war im Jahr 1883 von den damals 183 in Steele lebenden Menschen jüdischen Glaubens geweiht worden.

Foto 1938 Rauchende Ruine der Synagoge Steeler Str. Essen

Aus der Sammlung von Horst Zimmer stammt dieses Bild der brennenden Steeler Synagoge. Schaulustige Bürgerinnen und Bürger beobachten die Szenerie.

Steeler Synagoge ISteeler Synagoge II

Heute kennzeichnen Pflastersteine die ehemaligen Umrisse der Synagoge. Zudem deutet ein in die Hauswand eingelassenes Relief auf die Geschichte dieses Ortes hin.

Die rassistische Politik der Nazis machte auch vor den jüdischen Familien, die in der Nachbarschaft der Synagoge lebten, nicht halt. Im Jahre 1942 deportierten die Faschisten vier Mitglieder der Familie Isaack nach Izbica (Siegfried, Ruth, Margarete und Bruno Isaack). Die Stolpersteine am südlichen Ende der Steeler Innenstadt legen hiervon Zeugnis ab. In der Reichspogromnacht (9.-10. November 1938) verwüsteten die Faschisten das Gebäude und drangsalierten dessen regelmäßige Besucher, die im Ortsteil ansässigen Juden. In jener Nacht steckten Nazis in ganz Deutschland jüdische Geschäfte sowie religiöse Stätten in Brand. Gleichzeitig terrorisierten sie Menschen jüdischen Glaubens; viele wurden in den Freitod getrieben. Mit der Reichspogromnacht war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs, insbesondere ab 1941, verübten die Nazis einen historisch beispiellosen Massenmord an Jüdinnen und Juden, dem 6,3 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Bereits in den Jahren 1933 (Machtergreifung der Nazis) bis zu ebenjener „Kristallnacht“ waren Jüdinnen und Juden von den Faschisten immer weiter zu Menschen zweiter Klasse degradiert worden. Die Nürnberger Rassegesetze (1935), durchweg rassistische Justizurteile sowie eine täglich dröhnende Propaganda bildeten den gesellschaftlichen Hintergrund, vor dem sich schließlich der Genozid ereignete.

Stolpersteine Isaak

Mit den Stolpersteinen versucht der Künstler Gunter Demnig, den Opfern des Hitler-Faschismus ihre Namen zurückzugeben. Das Projekt möchte die Schicksale der vom Holocaust Betroffenden in den Vordergrund rücken. Hier erfährt du mehr über die Situation der Jüdinnen und Juden im “Dritten Reich”. Der ehemalige Mitarbeiter des Essener Jugendamts, Horst Zimmer, stellte uns noch mehr Material (Bilder und Zeitungsartikel) zur Verfügung, welches sich mit der Zerstörung der Steeler Synagoge beschäftigt. Dass Antisemitismus kein Relikt der Vergangenheit ist, beweist übrigens diese Reportage. Dieser Zeitungsartikel von 1988 lässt Zeitzeuginnen zu Wort kommen, welche die November-Pogrome 1938 hautnah miterlebten. Auch dieser Artikel von 1994 beschäftigt sich mit dem von den Nazis beschönigend „Reichskristallnacht“ getauften Schreckensereignis.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Lest euch die auf dieser Seite gegebenen Informationen gut durch. Fragt Passantinnen und Passanten, ob sie wissen, was an diesem Ort einmal war. Gebt ihnen gegebenenfalls Tipps. Ihr könnt die Menschen beispielsweise darauf hinweisen, dass es sich um ein Gebäude handelt, welches durch eine Gewalteinwirkung zerstört wurde. Eine andere Möglichkeit ist es, den Vorbeigehenden zu sagen, wann sich hier etwas ereignete. Bei ahnungslosen Passanten müsst ihr auf Rückfragen gefasst sein, die ihr mit Hilfe dieser Seite beantworten könnt.

2) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert das Relief, welches in die Hauswand eingelassen ist. Ihr könnt es in eurem Blogeintrag verwenden oder dieser Website zur Verfügung stellen.

3) (+++ / sehr anspruchsvoll) Stellt euch vor, die Synagoge stünde noch und es wäre das Jahr 1932. Ihr seid mit einer jüdischen Großfamilie befreundet, die soeben das Gebäude verlassen hat, um nach Hause zu gehen. Die Machtergreifung der Nazis steht nur noch ein Jahr zuvor, es herrschen unsichere Zustände in Deutschland. Überlegt euch, wie ein Gespräch aussehen könnte, welches ihr als Freund / Freundin der Familie mit jener führt. Vielleicht schlagt ihr der Familie vor in ein anderes Land auszuwandern? Oder bietet ihr Unterstützung an? Haltet eure Ideen schriftlich fest. Folgt der Falken-Mitarbeiterin, denn sie weiß, wo eure Familie in Steele lebt – nur einen kurzen Fußweg von der Synagoge entfernt. Wenn ihr dort angekommen seid, endet das Rollenspiel und ihr kehrt ins Jahr 2013 zurück.

4) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Vor euch auf dem Straßenpflaster entdeckt ihr die Stolpersteine der Familie Isaack, die 1942 von den Nazis in den Tod verschleppt wurde. Haltet eine Schweigeminute ab und stellt euch vor, wie es ist, plötzlich aus der vertrauten Umgebung gerissen und in eine weit entfernte Region gebracht zu werden.

Jüdische Volksschule

Sachsenstraße 33, 45128 Essen | 51.448740, 7.002952‎ | +51° 26′ 55.46″, +7° 0′ 10.63″

Seit 1927 war die jüdische Volksschule im Haus Sachsenstraße 33 untergebracht. Nach mehreren Umzügen wurde sie in das Barackenlager Holbeckshof verlegt. Hier fand auch während der Verfolgung durch die Nazis ein halbwegs geregelter Unterricht statt. 1933 entzogen die Nazis der Schule den öffentlich-rechtlichen Charakter, sie unterstand nun der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

Jüdische Volksschule

Ein Dokument aus dem Stadtspiel Horst Zimmers, welches sich mit der jüdischen Volksschule befasst (Bildquelle: Horst Zimmer).

Nach der Reichspogromnacht zwischen dem 9. und 10. November 1938 musste die Schule kurzzeitig geschlossen werden. In jener Nacht wurden deutschlandweit jüdische Einrichtungen angezündet und zerstört. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden von den Anhänger*innen Hitlers getötet oder in den Freitod getrieben.

Historischer Hintergrund

Am 15. November 1938 verboten die Nazis allen Jüdinnen und Juden, eine öffentliche Schule zu besuchen. Ein Erlass am 20. Juni 1942 erzwang die Schließung aller jüdischen Volksschulen. Gleichzeitig behaupteten die Nazis – gemäß ihrer rassistischen Ideologie – Juden seien als „Rasse“ minderwertig, also auch weniger intelligent – verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt. Wie bei allen rassistischen Aussagen war auch dies eine Unwahrheit, mittels derer die Nazis die weitere Ausgrenzung jüdischer Menschen aus dem öffentlichen Leben vorantreiben und rechtfertigen wollten.

Inschrift Ersatz

Dieses Relief, welches in Steele am Isinger Tor in eine Hauswand eingelassen ist, erinnert an die Steeler Synagoge, die die Nazis in der Pogromnacht 1938 schändeten und schließlich zerstörten. Die Inschrift nimmt Bezug zur jüdischen Volksschule.

Die Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen gipfelte schließlich im Holocaust, dem beispiellosen Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. 6,3 Millionen Menschen jüdischen Glaubens starben zwischen 1939-1945 in den Konzentrations-, genauer: den Vernichtungslagern der Nazis. Die Nazis hatten ihrem rassistischen Wahn menschenverachtende Taten folgen lassen.

Ab 1939 richteten die Nazis verschiedene „Judenhäuser“ ein, um den jüdischen Teil der Bevölkerung besser überwachen zu können. Eines dieser Häuser befand sich in Frohnhausen, an der Onckenstraße.

Hier erfährt ihr mehr über das System der Konzentrationslager sowie über das Thema Antisemitismus und Holocaust.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Schaut euch vor dem Gebäude um. Entdeckt ihr eine Tafel oder einen anderen Hinweis auf die Vergangenheit dieses Ortes? Stellt euch vor, ihr gestaltet einen Guide für Touristen und die ehemalige jüdische Volksschule kommt in ihm vor. Macht Fotos von dem Ort und entwerft einen Text dazu, so dass sich Besucher und Besucherinnen Essens ein Bild von der Sachsenstraße 33 machen können.

Ehemaliges jüdisches Jugendheim

Dreieck Ruhrallee, Saarbrückerstraße und Sedanstraße, 45138 Essen | 51.448992, 7.024101‎ | +51° 26′ 56.37″, +7° 1′ 26.76″

Hier errichtete die Synagogengemeinde Essen im Jahre 1931 ein jüdisches Jugendheim. Der Berliner Architekt Erich Mendelssohn entwarf das Gebäude. Es wurde neben der Jugendarbeit auch für Religionsschulung, Erwachsenenbildung und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jüdisches Jugendheim I

Im Juni 1933 besetzte die Hitler-Jugend das Gebäude und vertrieb die jüdische Jugend. Das Gebäude musste zwar nach 15 Monaten wieder zurückgegeben werden, allerdings behielt die Hitler-Jugend die gesamte Inneneinrichtung des Hauses. Die Schwerpunkte im Jugendheim waren nun die Aufarbeitung der Verfolgung und die Vorbereitung eines neuen Lebens in Palästina. Die Hitler-Jugend (HJ) war eine Großorganisation, mit deren Hilfe die Nazis die Gleichschaltung der Jugend erreichen wollten. In der HJ herrschten strenge Hierarchien. Alles, wofür die Nazis standen, wurde hier im kleineren Rahmen eingeübt: eine Vergötterung von Wettbewerb und Kampf, Gehorsam und Führerprinzip, gedankenlose Fahnentreue und Opferbereitschaft.

Dokument Kleiderordnung zum Geburtstag Hilters 1936

Ein Dokument aus der Sammlung von Horst Zimmer, der uns mit zahlreichen Materialien bei der Realisierung dieses Projektes unterstützte. Es handelt sich um eine Anordnung an Kinder, die in der HJ organisiert waren, zu Hitlers Geburtstag eine Uniform zu tragen.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Reichspogromnacht) wurde das jüdische Jugendheim von den Nazis endgültig gestürmt und zerstört. In jener Nacht brannten in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen, vor allem Synagogen. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden ermordet oder in den Freitod getrieben.

Die rassistische Ideologie der Nazis betrachtete Juden und Jüdinnen als minderwertig. Von Beginn des Zweiten Weltkriegs an konnten Hitler und seine Anhängerschaft ihre rassistischen Wahnvorstellungen in die Tat umsetzen: zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nazis europaweit etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Ab 1939 entstanden mehrere sogenannte „Judenhäuser“ in Essen, beispielsweise in Frohnhausen an der Onckenstraße. Die „Judenhäuser“ hatten für die Nazis den Zweck, die Essener Jüdinnen und Juden besser überwachen zu können.

Tafel Hbf II

Eine Gedenktafel auf dem Willy-Brandt-Platz erinnert an die Deportation der Essener Jüdinnen und Juden.

Auf der hier verlinkten Seite erfahrt ihr mehr über den Holocaust und den Antisemitismus. Hier haben wir Informationen über die von den Nazis betriebenen Konzentrationslager zusammengestellt.

Klara Adolph

Hauptbahnhof Essen | 51.452376, 7.013136‎ | +51° 27′ 8.55″, +7° 0′ 47.29″

In den letzten Monaten des von den Nazis begonnenen II. Weltkrieges (1939-1945) wurden zahlreiche Widerstandskämpferinnen und -kämpfer in den Kellern des Dortmunder Hüttenvereins eingesperrt. Sie wurden aus verschiedenen Städten des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen deportiert. Nicht nur politische, auch „rassische“ Begründungen führten die Nazis für die Verhaftungen an. So befanden sich auch so genannte „Halbjuden“ unter den Inhaftierten. Als „Halbjuden“ galten Menschen, deren Großeltern jüdischen Glaubens gewesen waren.

Die Essenerin Klara Adolph wurde am 27. November 1944 von der Gestapo aufgegriffen. Nach einer Haftzeit im Hüttenverein und in einem Gefängnis an der Benninghofer Straße wurde sie schließlich im Dortmunder Rombergpark und in DO-Bittermark von Nazi-Schergen ermordet. Im September 1944 war sie den Faschisten (noch) nicht ins Netz gegangen, da sie nicht als Jüdin registriert gewesen war. Adolph wurde denunziert: eine Person aus ihrem Bekanntenkreis verriet sie an die Geheimpolizei der Nazis. Ihre Ermordung fand im Rahmen einer Massenexekution statt – wahrscheinlich am 6. April 1945, nur eine Woche, bevor US-Truppen die Stadt befreien konnten.

Zwischen dem 7. März und dem 9. April 1945 wurden ungefähr 300 Personen, in erster Linie Zwangsarbeiter*innen aus dem besetzten Ausland, von den Nazis getötet. Die Hinrichtungen sind kaum aufgeklärt geschweige denn juristisch aufgearbeitet worden. Die letzten Mitarbeitenden der Gestapo verließen am 12. April 1945 Dortmund und versteckten sich in anderen Städten.

Die Gedenktafel am Essener Hauptbahnhof vermittelt einen Eindruck von der Situation der Jüdinnen und Juden im “Dritten Reich”. Sie listet die Anzahl der Deportationen auf. Deutlich ist der Hinweis darauf, dass sich die Verschleppungen vor den Augen der Öffentlichkeit ereigneten.

Tafel am Hbf

Dass der Terror gegen den jüdischen Teil der deutschen Bevölkerung bis in die 1920er-Jahre zurückreichte, belegt dieser Artikel, der sich auch mit der „Zwangsarisierung“ von jüdischen Geschäften befasst. Wer sich stärker für das (ehemalige) jüdische Leben in Essen interessiert, kann auf dieses Skript zurückgreifen. Das Schicksal der Essener Synagoge ist das eindringlichste Beispiel für den Terror, den die Nazis verübten. in der Reichspogromnacht (9.-10. November 1938) wurde die Synagoge, die sich am Isinger Tor in Steele befand, komplett zerstört. Deutschlandweit zündeten die Nazis in jenen Tagen jüdische Glaubenseinrichtungen an. Mehrere 100 Jüdinnen und Juden wurden von den Hitler-Faschisten ermordet oder zum Freitod gedrängt. Zeitungsartikel und weitere Dokumente, die sich mit den November-Pogromen von 1938 befassen, haben wir zusätzlich für euch aufbereitet.

Steeler Synagoge II

Essen-Holsterhausen in der dunklen Zeit: Mitglieder der SA (Sturmabteilung) – der organisierten Schlägertruppe der Nazis – durchsuchen jüdische Bürgerinnen und Bürger (Bildquelle: Horst Zimmer).

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Im Hauptbahnhof Essen befindet sich ein Blumenladen. Lest euch die Bedeutungen verschiedener Blumen durch. Entscheidet euch für eine Blume, die sich eurer Meinung nach gut eignet, um dem Schicksal der Essener Jüdinnen und Juden zu gedenken. Fragt nach dieser Blume und kauft sie, falls sie im Blumenladen erhältlich ist.

2) (++ / anspruchsvoll) Legt die Blume vor der Tafel nieder oder befestigt sie an ihr. Beobachtet die Reaktionen der Passantinnen und Passanten. Erklärt den Sinn der Blumen-Niederlegung, wenn ihr darauf angesprochen werdet. Macht Fotos von der Gedenktafel und der Blume.

3) (++ / anspruchsvoll) Zurück im Falkenhaus verfasst ihr einen Blog-Eintrag, der euren Ausflug zum Hauptbahnhof beschreibt. Vergesst nicht, die von euch geschossenen Bilder einzubauen. Die Falken-Mitarbeitenden stehen euch helfend zur Seite.