Schlagwort-Archiv: Luftkrieg

Gedenkstein an der Dechenschule

Ecke Siemensstraße / Dechenstraße, 45143 Essen | 51.460625, 6.975650‎ | +51° 27′ 38.25″, +6° 58′ 32.34″

Am 23. Oktober 1944 gab es einen Bombenangriff auf Essen, bei dem 60 Kriegsgefangene, politische Häftlinge und Zwangsarbeiter*innen starben. Die Kriegsgefangenen waren zuvor von den Nazis nach Deutschland verschleppt worden, um als Arbeitskräfte in der Industrie zu malochen. Sie sollten – so das Kalkül der Nazis – die deutschen Männer ersetzen, die als Wehrmachtsoldaten an den Fronten des Zweiten Weltkrieges kämpften bzw. bereits gestorben waren. Die Menschen, die in der damaligen Dechenstraße untergebracht waren, arbeiteten gezwungenermaßen für Kruppsche Betriebe. Trotz der harten Arbeit war ihre Versorgung miserabel. Viele namhafte Unternehmen, die es teils auch heute noch gibt, beuteten die Kriegsgefangenen aus und nutzten deren Rechtlosigkeit und Armut für ihre wirtschaftlichen Zwecke.

Die Dechenschule, in der die Kriegsgefangenen untergebracht waren, wurde durch den Angriff im Oktober 1944 zerstört. Viele der in ihr untergebrachten Zwangsarbeiter*innen und politischen Häftlinge fanden den Tod. Für die Häftlinge galten strenge Regeln, wie dieses Dokument aus der Sammlung Horst Zimmers verdeutlicht.

Den Gedenkstein an der ehemaligen Dechenschule gibt es seit 1962. Er hält nicht nur die Erinnerung an die Verfolgten des Nazi-Regimes am Leben, sondern gemahnt darüber hinaus an das Schicksal aller Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen, die in Essen ums Leben kamen. Der Stein ist zudem ein sichtbares Zeichen für die Völkerverständigung. Er erinnert auch an die Willkür, mit der die Nazis Menschen entwurzelten und in die Fremde verschleppten.

Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Come an Dechenschule

Abbé Alphonse Come vor den Trümmern der Dechenschule (Bildquelle: Haus der Essener Geschichte / Archiv Ernst Schmidt).

In der Dechenschule wurde auch der belgische Geistliche Abbé Alphonse Come gefangen gehalten. Er war vom 15. August 1944 bis zum 11. April 1945 inhaftiert. Come war im Rahmen einer Vergeltungsaktion von den Nazis im besetzten Belgien aufgegriffen und verhaftet worden. Über seine Zeit in Essen verfasste Come ein „Tagebuch der Gefangenschaft“. In diesem zeichnete er die miserablen Umstände nach, an denen die von den Hitler-Faschisten verschleppten Menschen litten. Auch der oben beschriebene Bombenangriff sowie dessen Folgen für die Gefangenen wurde von Come detailliert erläutert. Der Abbé hierzu:

„Ich schreibe jetzt unter dem Druck einer tiefen Erschütterung… Von den Kameraden sind 62 tot, fünf vermisst, 45 verwundet…aus einer Gesamtheit von 350 Mann!“

Später erwähnt Come, wie die Gefangenen zu Fuß und ohne Trinkwasser und Nahrung ein neues Lager aufsuchen mussten, in welchem sie von der Gestapo inhaftiert wurden:

„Wir gehen zu Fuß nach Neerfeld. Was für ein Schauspiel – Essen in Trümmer und Asche! […] Im Lager Neerfeld Verzweiflung: 72 Stunden ohne zu trinken, ohne zu essen. Auf dem Wege haben wir einige rohe Rüben genommen. Wie wunderbar sind rohe Rüben!“

Wer mehr über das Schicksal des Belgiers wissen möchte, kann dessen gesamte (Leidens-)Geschichte im Werk „Lichter in der Finsternis“ nachlesen, einem Buch von Dr. Ernst Schmidt. Aus diesem Buch stammen auch die hier aufgeführten Informationen. Aus der Sammlung von Horst Zimmer stammt dieses Dokument; ein Schreiben Comes an den Bürgerverein Altendorf, in dem der Geistliche über seine Zeit als Zwangsarbeiter aufklärt: klickt hier, um das Dokument zu öffnen.

Historischer Hintergrund: Luftkrieg

Den Bombenkrieg – oder auch: Luftkrieg – hatten die Nazis selbst begonnen, um den II. Weltkrieg (1939-1945) für sich zu entscheiden. Ziel des NS-Regimes war es, durch hohe Verluste in der Bevölkerung die Kriegsgegner Deutschlands zum Aufgeben und zum Rückzug aus dem II. Weltkrieg zu zwingen. Gleichzeitig sollten möglichst wenige deutsche Bodentruppen eingesetzt und im Häuserkampf aufgerieben werden. Bereits beim Überfall auf Polen (1939) hatten die Deutschen ihre Luftwaffe eingesetzt. Kurz darauf versuchte das Hitler-Regime, England mit groß angelegten Luftangriffen zu besiegen. Auch wenn die deutsche Luftwaffe an diesem Ziel scheiterte, richtete sie gewaltige Schäden in zahlreichen englischen Städten an. Alleine bei den Großangriffen auf London im September 1940 und im Mai 1941 starben mehr als 40.000 Menschen. Die Royal Air Force (RAF) – Luftwaffe der Engländer – flog ebenfalls Angriffe auf deutsche Städte. So auch auf Essen im Oktober 1944. Die von den Nazis in Gang gesetzte Zerstörung kehrte also nach Deutschland zurück.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Lest euch die Infos auf dieser Seite durch. Befragt Menschen, die vorbeigehen, ob ihnen der Gedenkstein schon einmal aufgefallen ist und was sie mit ihm verbinden. Notiert euch die Antworten oder nehmt sie auf, um sie später in eurem Blogeintrag verwenden zu können. Notfalls müsst ihr den Leuten erklären, was sich in der Dechenstraße einst abspielte.

2) (++ / anspruchsvoll) Noch heute gibt es Menschen, welche die Taten der Nazis in Schutz nehmen, verteidigen oder sogar unterstützen. Vor allem neofaschistische Gruppen und Parteien betonen einseitig die deutschen Opfer des Bombenkrieges. Warum tun sie das? Was können wir solchen Menschen antworten?

3) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Warum betont Abbé Come in dem hier wiedergegebenen Zitat die Köstlichkeit von rohen Rüben? Was sagt dies aus über Zeiten, in denen Krieg und Gewalt herrschen?

4) (++ / anspruchsvoll) Hört euch das Lied „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader an. Welches Bild vom Krieg wird hier gezeichnet? Und wofür ist es „an der Zeit?“

Mahnmal am EVAG-Betriebshof

Ecke Gerlingstraße / Eiserne Hand 45 / Beuststraße 45, 45139 Essen

51.461120, 7.021161‎ | +51° 27′ 40.03″, +7° 1′ 16.18″

Das Mahnmal ist Teil einer Kriegsgräberstätte der ehemaligen Zeche Graf Beust. 1944 starben hier bei einem Luftangriff auf Essen 99 sowjetische Kriegsgefangene, die als Bergbau-Zwangsarbeiter in einem Luftschutzstollen arbeiten mussten. Die Gebeine der Kriegsgefangenen befinden sich noch heute im Luftschutzstollen. Dieser ist ca. 6-9 Meter tief und knapp 100 Meter lang.

Zeitungsartikel 1984

Ein Artikel von Dr. Ernst Schmidt aus der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Er beschreibt, wie häufig politische Häftlinge des Nazi-Regimes Opfer des Bombenkrieges wurden.

Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Aus diesem Grund wird der 1. September heute noch als Antikriegstag begangen – mensch gedenkt den Verbrechen, die an jenem Datum ihren Lauf nahmen. Die Außenpolitik des Nazi-Regimes war expansiv: es wurde versucht, so viel „Lebensraum“ wie möglich für das „deutsche Volk“ zu gewinnen. Die Nazis strebten nach Weltherrschaft (was sie nicht daran hinderte, „den Juden“ genau dies vorzuwerfen) Dieser neue Raum sollte vor allem in Osteuropa entstehen. Nach der Ideologie der Nazis handelte es sich bei den „Slawen“ um eine minderwertige Rasse. Die Wehrmacht eroberte Polen in wenigen Wochen: Hitler hatte Deutschland in den Jahren 1933-39 systematisch auf Kriegseinsätze vorbereitet – z. B. durch militärischen Drill der Jugend, politische Unterstützung der Schwerindustrie oder rassistische Propaganda. Anschließend unterjochten die Deutschen die polnische Bevölkerung und verbannten deren jüdischen Teil in Ghettos (das berühmteste Ghetto war in Warschau). Viele Jüdinnen und Juden wurden auch ohne Inhaftierung direkt ermordet oder im Laufe der Besatzungszeit in Vernichtungslager wie Auschwitz und Sobibor deportiert.

Die Nazis beuteten die eroberten Länder aus, wo es nur ging. Die Bevölkerung musste Zwangsarbeit leisten, landwirtschaftliche Erträge mussten an die Eroberer abgegeben werden. Viele Menschen wurden nach Deutschland verschleppt, um dort an bestimmten Einsatzorten zu schuften. Im Nazi-Regime gab es zur Zeit des Zweiten Weltkriegs mehrere Millionen Zwangsarbeiter, von denen ein großer Teil aus den besetzten Gebieten stammte.

Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Zeitungsartikel 1995 - Zwangsarbeiterin in Essen

Ein Zeitungsartikel, der die Geschichte einer russischen Zwangsarbeiterin beleuchtet (Bildquelle: Horst Zimmer).

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Lest euch den Zeitungsartikel „Erinnerungen schmerzen noch“ durch. Erstellt eine mind map, in der die aus eurer Sicht typischen Probleme, unter denen die Zwangsarbeitenden zu leiden hatten, vorkommen. Denkt insbesondere darüber nach, welches Wort in der Mitte der mind map stehen soll, was also ihr Ausgangspunkt ist.

2) (++ / anspruchsvoll) Versucht, die einzelnen Stichpunkte auf der mind map sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Wenn ihr eine Linie zwischen zwei Begriffen zieht, könnt ihr mit Pfeilen an den Enden der Linien verdeutlichen, welche Problematiken einander bedingen (z. B. Hunger → Depression).

3) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die mind map und veröffentlicht sie mit Hilfe der Falken-Mitarbeitenden auf dem Blog dieser Website.