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Eisenbahntunnel Grunertstraße

Nöggerathstraße / Grunertstraße, 45144 Essen | 51.454582, 6.959792‎ | +51° 27′ 16.50″, +6° 57′ 35.25″

(a description of the part the tunnel played during World War II is also available in English)

Im Essener Stadtteil Frohnhausen befindet sich ein Tunnel, der zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs als Lager für Kriegsgefangene genutzt wurde. Der Tunnel verlief unter der heutigen Zugstrecke Duisburg-Dortmund. Heute dient er als Unterführung. Auf Höhe des ehemaligen Freibads West (wurde 2002 geschlossen) findet sich eine Gedenktafel:

Tunnel Grunertstraße 1

„Während des Zweiten Weltkriegs war dieser Tunnel die Unterkunft für 170 Kriegsgefangene.“

Die Tafel wurde mittlerweile von unbekannten Tätern demoliert. Ein Schicksal, welches sie mit zahlreichen Orten des Gedenkens und der Erinnerung teilt. Überall in Deutschland schänden Menschen aus dem rechten politischen Spektrum Stätten, die an faschistische Untaten und deren Opfer erinnern sollen.

In Essen-Altendorf, nördlich des Tunnels, gab es ein Lager, in dem 644 französische Kriegsgefangene eingesperrt waren. Am 27. April 1944 wurde dieses Lager durch einen Luftangriff zerstört. Es überlebten 315 Menschen, von denen wiederum 170 im Tunnel untergebracht wurden. Die (Über-)Lebensbedingungen waren haarsträubend: Dunkelheit, Kälte, feuchte Wände bestimmten den Alltag der Gefangenen. Die Kriegsgefangenen, welche nicht den Weg in den Tunnel antreten mussten, schufteten als Zwangsarbeiter in Kruppschen Betrieben. In den Kriegsjahren versuchten die Nazis, Kriegsgefangene so weit wie möglich auszubeuten. Wie das Beispiel des Tunnels zeigt, waren die Gefangenen dabei in menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht.

Am Südende des Tunnels, wo heute das Gelände der Bezirkssportanlage an der Raumertstraße ist, gab es ein zusätzliches Kriegsgefangenenlager. Hier waren 1500 Menschen aus der Sowjetunion untergebracht. Auch sie wurden als Arbeitskräfte in Kruppschen Betrieben ausgebeutet. Einige von ihnen malochten auf dem Overrathshof, ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tunnel. Um die sowjetischen von den französischen Soldaten abzugrenzen, gab es im Tunnel zeitweise eine Mauer.

Tunnel Grunertstraße 2 Tunnel Grunertstraße 3

Die Zwangsarbeitenden aus Essen-Frohnhausen standen mit ihrem menschengemachten „Schicksal“ nicht allein. Während des Zweiten Weltkriegs zwangen die Nazis mehrere Millionen Menschen, in Deutschland Zwangsarbeit zu verrichten. Die meisten Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen kamen aus Russland und der Ukraine. Die Nazis machten auch vor der Verschleppung von Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Häufig entrissen sie die Kinder ihren Familien. Zwangsarbeiter wurden in der Rüstungsproduktion, der Landwirtschaft, aber auch in öffentlichen Einrichtungen eingesetzt. Die Schwerindustrie – in Essen beispielsweise die Krupp-Betriebe – griffen ebenfalls verstärkt auf Zwangsarbeiter zurück. Meistens wurden sie demütigend behandelt, bekamen nicht ausreichend zu Essen und zu Trinken. Oft wurden sie für ihre Arbeit nicht bezahlt.

Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Historischer Hintergrund

In Osteuropa führten die Nazis in den von ihnen besetzten Gebieten Razzien durch. Sie drangen also in Privatwohnungen ein und verschleppten willkürlich Personen, von denen sie annahmen, sie wären den harten Arbeitsbedingungen in Deutschland gewachsen. Um die zahlreichen verschleppten Menschen unterzubringen, richteten die Nazis Zwangsarbeiterlager ein. In menschenunwürdigen Verhältnissen wurden die Menschen hier zusammen getrieben, um tagein, tagaus für das faschistische Regime Hitlers zu schuften. Für Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen galt kein Arbeitsschutz. Bei Bombenalarm durften sie keine Schutzräume aufsuchen. Wer rebellierte, lief Gefahr, in ein so genanntes Arbeitserziehungslager geschickt zu werden. Hier herrschten Zustände, die den Verhältnissen in den Konzentrationslagern stark ähnelten. Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen wurden regelmäßig von ihren Bewachern misshandelt. Bekamen zwangsarbeitende Frauen Kinder, wurden sie in „Ausländerkinder-Pflegestätten“ gebracht. Dort ließen die Nazis die Kinder verhungern.

Die rassistische Ideologie der Nazis floss auch in die Organisation der Zwangsarbeiterlager ein. Häftlinge aus Westeuropa wurden gegenüber „slawischen“ Menschen bevorzugt behandelt. Deshalb auch die räumliche Trennung der französischen und sowjetischen Menschen im Tunnel Grunertstraße.

Zeitungsartikel NRZ 1995 -  Zwangsarbeit in Essen

Ein Zeitungsartikel aus der Neuen Ruhrzeitung (NRZ), in dem es um Zwangsarbeit in Essen geht.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Lest euch diese Seite intensiv durch und betrachtet die Gedenktafel. Die Tafel ist verschmiert, die Schrift kaum noch zu erkennen. Verfasst einen Brief an die Stadt Essen, in dem ihr fordert, die Tafel reinigen zu lassen. Begründet euren Antrag mit möglichst vielen Argumenten. Was macht den Tunnel als Gedenkstätte so wichtig, dass er gepflegt werden muss.

2) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Fotografiert den Ort. Versucht, mittels Kamerahaltung und Perspektive etwas zu vermitteln.

3) (++ / anspruchsvoll) Stellt euch vor, die Gedenktafel würde ersetzt. Fällt euch ein passenderer Text ein? Formuliert diesen Text.

Zwangsarbeiterlager an der Hamburger Straße

Hamburger Straße 4, 45145 Essen | 51.448016, 6.958033‎ | +51° 26′ 52.86″, +6° 57′ 28.92″

(we have also compiled facts concerning the Hamburger Straße in English)

Die Krupp-Dynastie beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, welche von den Nazis aus den besetzten Gebieten nach Deutschland deportiert worden waren. Im September 1943 gab es insgesamt 13.000 (!) Kriegsgefangene, die in größtenteils menschenunwürdigen Bedingungen hausten und tagtäglich für die Friedrich Krupp Gußstahlfabrik schufteten. Sie waren in provisorischen Lagern untergebracht, umgeben von Stacheldraht. Lager dieser Art gab es über das gesamte Essener Stadtgebiet verstreut. Die Arbeiterinnen und Arbeiter litten unter Mangelernährung. Trotz der nicht ausreichenden Versorgung, mussten sie in den Kruppschen Betrieben Schwerstarbeit leisten.

hamburger straße

In diesem Zeitungsartikel über Dr. Ernst Schmidt sind sowjetische Kriegsgefangene zu sehen, die in der Essener Raumertstraße untergebracht waren. In einem weiteren Artikel Schmidts aus dem Jahre 1995 geht es um Bäume in Essen-Frintrop, in die italienische Zwangsarbeitende 1945 Botschaften geritzt hatten. Ohne Rücksicht und trotz vehementer Proteste wurden diese Bäume vom örtlichen Forstamt gefällt. Der Artikel stammt aus der Sammlung Horst Zimmers.

Eines der Lager für Zwangsarbeitende wurde auf den städtischen Sportplätzen an der Hamburger Straße aufgebaut. Dieses Lager war ab Januar 1943 in Betrieb. In neun Wohnbaracken lebten mehr als 600 Frauen und deren Kinder. Das Lager an der Hamburger Straße wurde bei einem Bombenangriff im April 1944 zerstört. Danach wurde es nicht wieder aufgebaut. Heute steht dort die Elisabethschule (siehe unten).

Elisabethschule I

Elisabethschule Graffiti

Graffiti-Artwork auf dem Schulhof der Elisabethschule

Historischer Hintergrund

Während des Zweiten Weltkriegs zwangen die Nazis mehrere Millionen Menschen, in Deutschland Zwangsarbeit zu verrichten. Die meisten Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen kamen aus Russland und der Ukraine. Die Nazis machten auch vor der Verschleppung von Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Häufig entrissen sie die Kinder ihren Familien. Zwangsarbeiter wurden in der Rüstungsproduktion, der Landwirtschaft, aber auch in öffentlichen Einrichtungen eingesetzt. Die Schwerindustrie – in Essen beispielsweise die Krupp-Betriebe – griff ebenfalls verstärkt auf Zwangsarbeiter zurück. Meistens wurden sie demütigend behandelt, bekamen nicht ausreichend zu Essen und zu Trinken. Oft wurden sie für ihre Arbeit nicht bezahlt.

In Osteuropa führten die Nazis in den von ihnen besetzten Gebieten Razzien durch. Sie drangen also in Privatwohnungen ein und verschleppten willkürlich Personen, von denen sie annahmen, sie wären den harten Arbeitsbedingungen in Deutschland gewachsen. Um die zahlreichen verschleppten Menschen unterzubringen, richteten die Nazis Zwangsarbeiterlager ein. In menschenunwürdigen Verhältnissen wurden die Menschen hier zusammen getrieben, um tagein, tagaus für das faschistische Regime Hitlers zu schuften. Für Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen galt kein Arbeitsschutz. Bei Bombenalarm durften sie keine Schutzräume aufsuchen. Wer rebellierte, lief Gefahr, in ein so genanntes Arbeitserziehungslager geschickt zu werden. Hier herrschten Zustände, die den Verhältnissen in den Konzentrationslagern stark ähnelten. Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen wurden regelmäßig von ihren Bewachern misshandelt. Bekamen zwangsarbeitende Frauen Kinder, wurden sie in „Ausländerkinder-Pflegestätten gebracht. Dort ließen die Nazis die Kinder verhungern.

Die rassistische Ideologie der Nazis floss auch in die Organisation der Zwangsarbeiterlager ein. Häftlinge aus Westeuropa wurden gegenüber „slawischen“ Menschen bevorzugt behandelt.

Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Tafel Hamburger Str. II

Die Gedenktafel in der Hamburger Straße

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Auf dem Schulhof der Elisabethschule befinden sich bunte Graffiti. Gleichzeitig war genau diese Schule ein Lager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa. Wie könnte ein Graffiti aussehen, welches den Zwangsarbeitenden gedenkt und an ihr Schicksal erinnert? Welche Motive kommen in Frage? Könnte es einen Schriftzug geben, der in das Graffiti eingebettet ist oder reicht die „Sprache der Bilder“ aus? Diskutiert diese Fragen in der Gruppe und fertigt anschließend eine Skizze eures Graffitis an. Guckt euch das Schulgelände genau an: ist noch irgendwo Platz für ein Wandbild?

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Stellt euch vor, das von euch entworfene Graffiti wurde von einem Kunst schaffenden Menschen in die Tat umgesetzt. Ihr seid in der Rolle eines Journalisten und verfasst einen kurzen Artikel über das Graffiti, welches sich nun ebenfalls im Hof der Elisabethschule befindet. So könnt ihr beginnen: „Auf dem Schulhof der Elisabethschule befindet sich seit Anfang des Monats ein Graffiti. Dieses zeigt…“ Gegen Ende des Artikels erläutert ihr Sinn und Zweck des Bilds: „Dem Künstler war folgende Botschaft wichtig:…“

3) (+++ / sehr anspruchsvoll) Ihr befindet euch in der Reflexionsrunde im Ground Zero. Sprecht über die Graffiti-Idee und überlegt, ob ein Gespräch mit der Schule darüber Sinn macht. Vielleicht ist die Schule bereit, ein weiteres Bild zuzulassen und in Auftrag zu geben. Überlegt euch eine Argumentation, die eure Idee stützt.