Antisemitismus und Holocaust

Historischer Hintergrund: Antisemitismus und Holocaust

Von 1938 an wurde die Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens immer massiver. Die Verfolgung gipfelte schließlich im Holocaust, der beispiellosen Ermordung von knapp sechs Millionen europäischer Juden und Jüdinnen durch die Nazis. Das (Fremd-)Wort, mit dem Judenhass häufig umschrieben wird, heißt Antisemitismus. Der Begriff „Holocaust“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet – wörtlich übersetzt – „vollständig verbrannt“. Dieser Begriff umschreibt die systematische Verfolgung und Ermordung zahlreicher jüdischer Menschen durch die Nazis.

„Die Juden“ waren bereits in den 1920er-Jahren das zentrale Feindbild der Nazis. Diese bauten dabei auf antisemitische Einstellungen, die tief in der Bevölkerung verankert waren. „Den“ Juden war bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts unterstellt worden, dass sie international vernetzt waren und letztlich die Weltherrschaft anstrebten – das zentrale Stichwort in diesem Zusammenhang war die „zionistische Weltverschwörung“, der „die“ Juden bezichtigt wurden. Zudem wurden sie für den Tod von Jesus Christus verantwortlich gemacht (ein abstruser Vorwurf u. a. deshalb, weil Jesus selbst Jude war). Daneben gab es diverse weitere Vorurteile und Anschuldigungen gegenüber der jüdischen Religion und den Gläubigen. Die Gründe, warum ausgerechnet das Judentum zum Sündenbock so vieler Menschen wurde, sind komplex. Wahrscheinlich ist, dass die Staatenlosigkeit der Juden diesen negativ ausgelegt wurde (Israel mit seiner mehrheitlich jüdischen Gesellschaft gibt es erst seit 1948). Für die rechte Propaganda war es also leicht, Juden als „Verräter des Volkes“ darzustellen. Jüdische Gemeinden gab es fast weltweit, häufig waren sie durch persönliche Kontakte miteinander vernetzt. In einer noch nicht so stark globalisierten Welt erregte dies das Misstrauen breiter Bevölkerungsschichten.

In konservativen und rechtsextremen Kreisen wurden „die“ Juden zudem immer wieder im Zusammenhang mit erstarkenden sozialistischen und kommunistischen Ideen gesehen. Auch die Betonung hoher Bildung in vielen jüdischen Gemeinden (z. B. in Form des Thora-Studiums) machte vor allem schlichte Gemüter skeptisch. In Teilen der politischen Rechten kursierte die Furcht vor einer „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“. Für diese Verschwörungstheorie gibt es mehrere Ursachen: zum einen stammten bekannte Köpfe der sozialistischen Arbeiterbewegung aus jüdischen Elternhäusern, etwa Rosa Luxemburg oder Karl Marx. Zum anderen mussten nach der kommunistischen Oktoberrevolution in Russland im Jahre 1917 viele politisch rechts denkende Menschen von dort flüchten. Auch in Deutschland gab es damals viele Exilsuchende aus der sich gerade formierenden Sowjetunion. Diese Menschen waren beseelt von einem Hass auf alles, was sie für „kommunistisch“ hielten. Gleichzeitig dachten sie häufig „völkisch“, sahen also Jüdinnen und Juden als Rasse, die das eigene Volk (in diesem Fall das russische) bedrohen konnte. Auch da einige Funktionäre der Kommunistischen Partei jüdischer Herkunft waren, flossen hier zwei Feindbilder – das des „Kommunisten“ und das des „Juden“ in eins. Die juden- und kommunistenfeindlichen Exilsuchenden aus der jungen Sowjetunion fanden in ihren Ankunftsländern ähnliche Vorurteile und Hassgefühle vor. Denn auch in Ländern wie Deutschland hatte der Judenhass eine gefährliche Tradition, die mehrere Jahrhunderte zurückreichte.

Hinzu kam: gerade im Zeitalter des Imperialismus (1884-1914) arbeiteten Juden häufig als Finanziers in den Ländern, die von westlichen Staaten vereinnahmt worden waren. Das Vorurteil des „geldgierigen Juden“ hat hier seine Wurzel. Tatsächlich lag das Engagement u. a. darin begründet, dass Juden in vielen Ländern mehrere Berufswege versagt blieben und sie aufgrund ihrer häufig internationalen Ausrichtung über viele Kontakte und Adressen verfügten.

Dies sind lediglich einige Gründe für den weit verbreiteten Antisemitismus, der jüdischen Menschen seit Jahrhunderten zusetzt. Sicherlich brach sich im Judenhass des 19. und 20. Jahrhunderts die Verunsicherung Bahn, die viele Menschen ob der rasanten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Veränderungen ergriffen hatte. Dankbar nahmen viele die einfachen Erklärungen der Antisemiten auf, um sich ein tiefer schürfendes Nachdenken über die Verhältnisse zu ersparen.

Die Propaganda der Nazis setzte auch bei dieser Unsicherheit an. Zudem arbeitete sie oft mit sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. So behauptete sie etwa, dass es sich bei den Juden um eine „Rasse“ mit Intelligenzdefiziten handelte. Die Gesetzgebung und die politische Praxis der Nazis waren zeitgleich auf den Ausschluss der Juden aus der deutschen Gesellschaft ausgerichtet. Etwa durch das Verbot, öffentliche Schulen zu besuchen, wurden Juden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, sie hatten praktisch keinerlei Perspektiven. Dadurch konnte es für Außenstehende so aussehen, als seien „die“ Juden tatsächlich weniger intelligent als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Mit allen denkbaren Mitteln versuchten die Nazis, Menschen jüdischen Glaubens herabzuwürdigen. Der Propagandaminister der Nazis – Joseph Goebbels – ließ eigens Filme drehen, in denen Jüdinnen und Juden zu gefährlichen „Untermenschen“ erklärt wurden. Auf Plakaten wurden „die“ Juden mit verzerrten, unheimlichen Gesichtern, als Feind des „kleinen Mannes“, dargestellt. Mit all diesen Mitteln verfolgten die Nazis einen Zweck: in der Bevölkerung die Hassgefühle gegenüber „den“ Juden verstärken um somit – gemäß der rassistischen Nazi-Ideologie – Menschen jüdischen Glaubens früher oder später töten zu können.

In der Reichspogromnacht (9.-10. November 1938) gipfelte vorerst der Judenhass, den die Nazis entfacht bzw. weiter genährt hatten. In dieser Nacht wurden vor allem in den größeren Städten Synagogen und jüdische Geschäfte zertrümmert. Es wurden mehrere hundert Jüdinnen und Juden ermordet oder in den Freitod getrieben.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs setzten die Nazis die rassistischen Theorien in die Tat um. In einem historisch beispiellosen Massenmord töteten sie knapp sechs Millionen Jüdinnen und Juden, meistens in so genannten Vernichtungslagern.

Noch heute ist eine grundsätzliche Feindseligkeit gegenüber Jüdinnen und Juden weit verbreitet, obwohl es kaum noch Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland gibt. Dies belegen sozialwissenschaftliche Untersuchungen regelmäßig (beispielsweise die Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ von Wilhelm Heitmeyer).

Die heutige Nazi-Szene ist mit Blick auf den Massenmord an den europäischen Juden gespalten: ein Teil der Szene bejaht und verteidigt den Holocaust, andere streiten seine Existenz ab, behaupten also: „So etwas hat es nie gegeben.“ Die Leugnung des Holocaust wird in Deutschland juristisch geahndet und ist sogar ein eigener Straftatbestand. Menschen, die den Holocaust abstreiten, versuchen meistens, das Nazi-Regime zu verharmlosen und zu verklären.

Steeler Synagoge II

Nach der Reichspogromnacht (1938) durchsuchen SA-Schergen jüdische Bürgerinnen und Bürger auf dem Holsterhauser Markt (Bildquelle: Horst Zimmer).

8 Gedanken zu „Antisemitismus und Holocaust

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