Straßenkämpfe in Weimar

Historischer Hintergrund: Straßenkämpfe in der Weimarer Republik

In der Zeit der Weimarer Republik (1918-1933) kam es immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen politischen Lagern. Putschversuche der Rechten bedrohten die noch junge parlamentarische Demokratie – beispielhaft sind hier der Kapp-Putsch 1920 sowie der Hitler-Putsch 1923. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums propagierten kommunistische Kräfte einen revolutionären Umsturz nach dem Vorbild der Sowjetunion. Der Hamburger Aufstand (1923) ist hierfür ein geeignetes Beispiel. Neben vielen anderen Einflüssen war es die Armut, welche viele Menschen in die Arme totalitärer Bewegungen trieb. Insbesondere im Jahr 1929 vergrößerte die Weltwirtschaftskrise („Große Depression“) die andauernde Not vieler Menschen.

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Emblem des Rotfrontfrontkämpferbundes (Bildquelle: Wikipedia Commons)

Der von der Kommunistischen Partei Deutschlands dominierte Rotfrontkämpferbund (RFB, gegründet 1924) lieferte sich Saalschlachten und Straßenkämpfe mit der faschistischen Sturmabteilung (SA) oder dem „Stahlhelm“. Da auch die gemäßigten politischen Kräfte Ziel der Attacken von Rechts- und Linksaußen wurden, gründete sich das sogenannte Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, eine Organisation, die sich mit der Weimarer Republik identifizierte. Das Reichsbanner wurde in erster Linie von der Sozialdemokratischen Partei (SPD) geprägt. Es bestand zu einem großen Teil ebenfalls aus ehemaligen Weltkriegssoldaten, allerdings mehrheitlich solchen, die sich der Weimarer Demokratie verbunden fühlten. Die SPD-nahe Gruppierung schirmte primär SPD-Veranstaltungen ab und schützte diese, während insbesondere die Verbände der Nazis (SS und SA) auf gezielte Angriffe auf die politischen Gegner setzten. SS (= Schutzstaffel) und SA (= Sturmabteilung) waren Tummelplätze für Veteranen aus dem I. Weltkrieg, die nie aufgehört hatten, von einem von Deutschland beherrschten Europa zu träumen. Auch Kriminelle und Sadisten fanden hier ihren Platz. Die Mitglieder von SA und SS verband vor allem die Befürwortung von brutaler Gewalt als Mittel der Politik. Die SA wurde 1922, die SS 1926 gegründet. Letztere verschmolz später mit der Gestapo, der so genannten Geheimen Staatspolizei des Nazi-Regimes. Die SS war federführend bei der systematischen Ermordung von 6,3 Millionen Juden in den Jahren 1941-1945, dem Holocaust.

Emblem der Eisernen Front

Aus dem Jahr 1932 datiert die Gründung der Eisernen Front, einer Organisation, die sich verstärkt gegen die Feinde der Weimarer Republik stellte. Die drei Pfeile auf dem Banner (siehe oben) wurden unterschiedlich interpretiert. Für die einen verdeutlichten sie den Kampf gegen jene drei politischen Strömungen, die „Weimar“ entschieden ablehnten: Monarchie, Nazi-Bewegung und kommunistische Opposition. Für die anderen symbolisierten sie die drei Säulen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft: Reichsbanner, Gewerkschaft und sozialdemokratische Partei (SPD). Auch andere gesellschaftliche Großorganisationen entsendeten Menschen in die Eiserne Front, um ihrem Aufruf gerecht zu werden: „Heute rufen wir – morgen schlagen wir!“ (Karl Höltermann). Die Eiserne Front wurde ihrerseits 1933 von den Nazis nach deren Machtübernahme aufgelöst. In Form der Faschisten hatten die rechten Feinde der Republik gesiegt – „Weimar“ war Geschichte und wurde durch die 12 Jahre andauernde Nazi-Diktatur ersetzt.

Das oben abgebildete Banner stammt aus dem Essener Haus der Geschichte und wurde freundlicherweise für diese Website zur Verfügung gestellt.

9 Gedanken zu „Straßenkämpfe in Weimar

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