Icon Ort Zeche Pauline

Pastoratsberg, 45239 Essen | 51.380406, 7.000515‎ | +51° 22′ 49.46″, +7° 0′ 1.85″

Auf dem Gelände trafen sich in den Jahren 1933, 1934 und 1945 Essener Sozialdemokrat*innen, um den 1. Mai zu feiern (der 1. Mai ist der traditionelle Feiertag der Arbeiterbewegung). Am 1. Mai 1935 suchte die Gestapo den Ort auf, um Franz Voutta, einen der Organisatoren der Maifeier, festzunehmen. Voutta wurde anschließend im Gefängnis misshandelt und erlag am 17. Juli 1936 seinen Verletzungen.

Franz Voutta

Der Essener Sozialdemokrat Franz Voutta. Er wurde von den Nazis lebensgefährlich verletzt (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt).

Historischer Hintergrund

Die Gestapo (GEheime STAatsPOlizei) war die Geheimpolizei des Nazi-Regimes. Ihre zentrale Aufgabe war es, politische Gegner ausfindig zu machen und zu verhaften. Darüber hinaus schüchterte sie die Menschen ein und versuchte somit, potenziellen Widerstand im Keim zu ersticken.
Der 1. Mai – eines der wichtigsten Daten der Arbeiterbewegung – wurde 1933 von den Nazis zum „Tag der nationalen Arbeit“ umgedeutet. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften von den Faschisten zerschlagen, ihre Gebäude wurden gestürmt. Direkt nach ihrer Machtergreifung begannen die Hitler-Anhänger, sämtliche Parteien neben der NSDAP zu verbieten und ihre Mitglieder zu verfolgen. Politisch linke Kräfte wurden von den Nazis besonders vehement bekämpft. Einer der Gründe: eine verbreitete Wahnvorstellung bei Rechtsextremen in der Weimarer Republik besagte, dass eine „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“ drohe. Linke Organisationen und Personen wurden mit dem russischen Bolschewismus (eine Bezeichnung für den russischen Kommunismus) gleichgesetzt. Judentum und politischer Linke warf man vor, sie strebten gemeinsam die Weltherrschaft an, mit dem Ziel, alles Nationale und „Völkische“ zurückzudrängen. Hinzu kam die so genannte Dolchstoßlegende, die insbesondere der Sozialdemokratie viele Feinde im rechten Lager bescherte: ehemalige Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs warfen den demokratischen Parteien vor, sie hätten mittels eines „Dolchstoßes“ am Runden Tisch die „im Felde unbesiegten“ deutschen Truppen verraten. Fakt ist, dass die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg die Friedensverträge von Versailles bewusst nicht selbst unterzeichnete, sondern dies von den 1918 frisch gewählten Politikern übernehmen ließ. Auf diese Weise versuchte sie, die sprichwörtliche weiße Weste der deutschen Armee rein zu halten und den demokratischen Kräften eine schwere Hypothek mit auf den Weg zu geben.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Lest euch die Informationen auf dieser Seite durch. Franz Voutta musste seinen Widerstand gegen den Faschismus mit dem Leben bezahlen; ähnlich erging es später den Partisanengruppen, die im von Hitler besetzten Europa gegen die Nazis kämpften. Von italienischen Partisanen stammt der Song Bella Ciao, ein echter Klassiker unter den politischen Liedern. Hört euch die Interpretation von Hannes Wader an. In dem Lied entschließt sich ein junger Mensch, den Faschismus nicht mehr fraglos geschehen zu lassen. Verfasst einen inneren Monolog – ein Zwiegespräch mit sich selbst – der dem Entschluss des künftigen Partisanen vorangeht. Was sind seine Beweggründe, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, um die Nazis aus Italien zu vertreiben? Unter welchen Ängsten leidet er? Wie schätzt er die Reaktion seines Umfelds auf seine Entscheidung ein?

2) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Fotografiert das Gelände, auf dem früher die Zeche Pauline war. Überlegt, wo sich eine Gedenktafel für Franz Voutta anbringen ließe. Welcher Platz wäre am ehesten geeignet? Was müsste auf der Tafel stehen? Formuliert einen kurzen, aber aussagekräftigen Text.

3) (+++ / sehr anspruchsvoll)) Maifeier 1935, die Verhaftung Vouttas steht unmittelbar bevor. Vorher jedoch halten er und seine Genossen Reden gegen Hitlers Regime. Verfasst eine dieser Reden. Diskutiert zuvor, welchen Schwerpunkt die Rede haben soll.

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