Icon Ort Gaststätte „Zum Kamp“

Nottebaumskamp 24, 45276 Essen | 51.451359, 7.079161‎ | +51° 27′ 4.89″, +7° 4′ 44.98″

(the facts given here are also available in English)

Gaststätte Kamp

Die Gaststätte „Zum Kamp“ in Essen-Steele gibt es nun schon seit 108 Jahren. 1902 hatte Wilhelm Spieß das Lokal nach dem Tod seines Vaters übernommen. Spieß war in der Essener Arbeiterbewegung aktiv; in räumlicher Nähe zur Gaststätte gründete er mehrere Organisationen für Arbeiterinnen und Arbeiter. Zudem war er seit 1903 selbst SPD-Mitglied.

Nachdem die Nazis 1933 die Macht übernommen hatten, wurde es ungemütlich für den Schankwirt und dessen Gäste. Polizeiliche Hausdurchsuchungen, Einschränkung des Nutzungsrechts und weitere Schikanen waren an der Tagesordnung.

Warum hatten die Nazis ausgerechnet Spieß‘ Gaststätte auf dem Kieker?

Die Antwort: bereits seit Gründung der Kneipe hatte diese als Treffpunkt für Gewerkschaftsmitglieder und Sozialist*innen gedient. So lautet der Titel eines Schildes aus der Gründerzeit: „Verkehrslokal der freien Gewerkschaften u. sozialistischen Parteien.“ Zudem hat die erste gewerkschaftliche Bücherei ihren Ursprung in Spieß‘ Restaurant. Gemäß dem Ideal des lesenden Arbeiters hatte der Schankwirt gemeinsam mit anderen die Bibliothek ins Leben gerufen. Mit 70 Bänden ging es 1911 los. Bereits sieben Jahre später zählte die Bücherei 2000 Bände. Die Zahl der Leserinnen und Leser stieg zwischenzeitlich auf über 10000 an; die Bibliothek wurde aus Platzgründen ausgelagert. 1930 wurde sie mit der Stadtteilbücherei zusammen gelegt und zog in die Wisthoff-Villa.

Auch unmittelbar nach der Niederlage Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg spielte die Gaststätte am Nottebaumskamp eine entscheidende Rolle. Hier wurde am 25. August 1945 der Essener Zweig der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) neu gegründet. Die Nazis hatten die Partei im Zuge der Gleichschaltung am 22. Juni 1933 verboten. Am Beispiel des Restaurants „Zum Kamp“ lässt sich gut nachvollziehen, welche Schwierigkeiten Menschen erwarteten, wenn sie in der Arbeiterbewegung aktiv waren. Zu Zeiten des Hitler-Regimes verschwanden zahlreiche Sozialdemokratinnen und -demokraten in Arbeitslagern oder im Zuchthaus. Viele mussten ihr Engagement für eine gerechtere Gesellschaft mit dem Leben bezahlen. Neben der Sozialdemokratie verfolgten die Nazis auch weitere politische Gegner, beispielsweise die Mitglieder der Gewerkschaften oder der Kommunistischen Partei (KPD).

Gleichzeitig zeigt der Erfolg der gewerkschaftlichen Bücherei, dass es der Sozialdemokratie gelungen war, den Wissensdurst der Arbeiterinnen und Arbeiter zu wecken. Eine Erfolgsgeschichte, die sich im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts fortsetzen sollte.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Lest euch diese Seite durch. Ihr seid nun kleine Experten und Expertinnen, was die Geschichte der Gaststätte „Zum Kamp“ angeht. Formuliert zwischen fünf und zehn Quizfragen. Betretet das Lokal und stellt diese Fragen den anwesenden Mitarbeitenden. Wenn die von euch befragten Personen nicht weiter wissen, erläutert ihr ihnen die Antwort mit Hilfe der hier aufgeführten Informationen. Wenn ihr Zeit und Lust habt, könnt ihr euch sogar eine Punkteskala ausdenken und den von euch Geprüften eine Art Urkunde ausstellen, wie viel sie über das „Zum Kamp“ wussten.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Stellt euch vor, es ist der 25. August 1945. Gemeinsam mit euren Genossinnen und Genossen habt ihr euch im „Kamp“ eingefunden, um die Essener SPD neu zu gründen. Zwölf Jahre Nazi-Spuk sind passé und euer Blick geht nach vorn. Formuliert einen kompakten, aber kompromisslosen Text, der die Ziele der neu gegründeten Partei umreißt. „Obwohl wir in die Zukunft sehen, sollten die sozialdemokratischen Opfer der braunen Diktatur nicht verschwiegen werden“ findet ein Genosse. Schreibt einen zweiten, stichhaltigen Aufruf, der Bezug nimmt auf die gestürzte Hitler-Herrschaft und den Widerstand der Sozialdemokratie gegen ebenjene Herrschaft. Ihr könnt das Internet für Recherchen nutzen.

3) (++ / anspruchsvoll) „‚Lesender Arbeiter‘, was soll das denn?“ wurde Schankwirt Spieß, der 1911 eine Bibliothek für Arbeiter gründete, möglicherweise des Öfteren gefragt. Was würdet ihr antworten?

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