Icon Ort Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Julienstr. 39/41 45130 Essen. Heute das Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Rüttenscheid

51.436206, 7.009360‎ | +51° 26′ 10.34″, +7° 0′ 33.70″

(we have also compiled facts concerning the story of this building in English)

Zu Zeiten des Hitler-Regimes (1933-1945) befand sich in diesem Gebäude ein verstecktes Quartier der Bekennenden Kirche (BK). Diese war von evangelischen Gläubigen gegründet worden, die sich gegen die zunehmende Gleichschaltung der evangelischen Kirche durch die Nazis zur Wehr setzten. Im Keller des Arndt-Hauses war sogar eine illegale Druckerei eingerichtet worden, in der Flugblätter und Informationsbroschüren produziert wurden, die Hitler und das Nazi-Regime kritisierten. In diesem Haus arbeiteten der Pfarrer Heinrich Held und weitere Mitglieder der Bekennenden Kirche.

Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Historische Aufnahme des Ernst-Moritz-Arndt-Haus (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt).

Held war 1930 zum Pfarrer in Essen-Rüttenscheid gewählt worden. Im Namen aller Essener Pfarrer protestierte er bereits unmittelbar nach der Machtergreifung durch Hitler dagegen, dass staatliche Kommissare rechtwidrig in der evangelischen Kirche eingesetzt wurden. Aufgrund seiner kritischen Haltung zum Nazi-Regime wurde er mit einem Redeverbot belegt.

Gemeinsam mit Gustav Heinemann und den Pfarrern Friedrich Graeber und Johannes Böttcher rettete er knapp 60 Essener Juden und Jüdinnen das Leben. Diese hatten sich in den Kellern ausgebombter Häuser noch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs versteckt. Held sorgte für ihre Verpflegung auch dann noch, als die Stadt Essen von den Nazis für „judenfrei“ erklärt worden war. Heinemann, Held, Graeber und Böttcher setzten somit dem Holocaust – der planmäßigen Tötung mehrerer Millionen jüdischer Menschen durch die Nazis – ihr menschliches und mutiges Engagement entgegen.

Dokument 1942 - Gestapomedlung wegen Verdacht der Betätigung für die konfessionelle Jugend

Dieses Dokument aus der Sammlung von Horst Zimmer beweist, wie unerbittlich aktiv christliche Menschen von den Faschisten verfolgt wurden.

Historischer Hintergrund

Das Verhältnis zwischen dem Nazi-Regime und den christlichen Kirchen ist stark umstritten. Im Jahr der Machtergreifung der Nazi-Bewegung (1933) zeigte sich Hitler liberal gegenüber dem Vatikan, was jedoch strategisch motiviert gewesen sein könnte. Durch seine demonstrative Akzeptanz der katholischen Kirche konnte sich Hitler von der kommunistischen Bewegung abgrenzen und sich dem bürgerlich-konservativen Spektrum anbiedern. Die Nazi-Zeit war geprägt vom so genannten Kirchenkampf: der Versuch der Nazis, die beiden an Mitgliedern reichen Kirchen gleichzuschalten und zu „entjuden“. Der Begriff „Kirchenkampf“ meint auch den Widerstand aktiver christlicher Menschen gegen die Vereinnahmung durch die Nazis. Zu Zeiten der Machtübernahme 1933 formierte sich zudem die Deutsche Kirche, die sich die Nazi-Ideologie offen auf die Fahnen schrieb. Wie oben bereits angedeutet, bildete sich gegen die Deutsche Kirche Widerspruch von Seiten der Bekennenden Christen.

Insgesamt lässt sich gesichert sagen: die evangelische und katholische Kirche als Großorganisationen setzten der rassistischen Ideologie der Nazis zu wenig entgegen. Dennoch gab es – gerade in den Reihen der Bekennenden Kirche – diverse Menschen, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens gegen die Nazis wandten und deren Ideologie wie auch Politik bekämpften.
Für die fanatischen Faschist*innen galt mehrheitlich, dass sie den Kirchen gegenüber grundsätzlich feindlich eingestellt waren, weil sie in ihnen Konkurrenzprojekte zur eigenen Weltanschauung sahen.
Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Betretet das Gemeindehaus und befragt die Mitarbeitenden zu den bekennenden Christen, die sich in Opposition zum Hitler-Regime bildeten. Erörtert, inwieweit die Geschichte des christlichen Widerstands Thema in der Kirchengemeinde war und ist. Gibt es Broschüren dazu, vielleicht eine Gedenktafel? Versucht, einen Interviewpartner oder eine Interviewpartnerin zu finden. Falls ihr jemanden findet, bittet sie / ihn darum, das Gespräch aufzeichnen zu dürfen. So könnt ihr auch später auf das Gesagte zurückgreifen und die Informationen in euren Blog-Beitrag hier auf der Geocaching-Seite einfließen lassen.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Wie ihr gelesen habt, wurden im Arndt-Haus Flugblätter gegen das Nazi-Regime gedruckt. Versucht, ein Flugblatt zu formulieren, welches sich gegen das Hitler-Regime richtet. Probiert, das Flugblatt in die Ideen des Christentums zu kleiden (Gleichheit der Menschen vor Gott, Gott als Schöpfer aller Menschen, „Du sollst nicht lügen“). Bietet das fertige Flugblatt (oder die Flugblätter, falls ihr eine große Gruppe seid) der Kirchengemeinde an. Vielleicht gibt es einen Schaukasten, in dem eurer Text ausgestellt werden kann. Möglicherweise gibt es eine Konfirmandengruppe, die derzeit zum Thema arbeitet.

 

Ein Gedanke zu „Ernst-Moritz-Arndt-Haus

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