Icon Ort Gerlingstraße

Gerlingstraße, 45127 Essen | 51.461334, 7.018715‎, +51° 27′ 40.80″, +7° 1′ 7.37″

(the facts given here are also available in English)

Das Gelände, auf dem sich heute die Gerlingstraße befindet, hieß im Volksmund Gerlingswiese und war während der Weimarer Republik Schauplatz von (politischen) Großveranstaltungen. Auch die Essener Sozialdemokratie sowie die Gewerkschaften riefen hier oftmals zu Kundgebungen auf, um auf die drohende faschistische Gefahr hinzuweisen. Am 5. März 1933 wurde eine von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) organisierte Kundgebung unter den Augen der Polizei von SS- und SA-Schlägertrupps gestürmt. SA („Sturmabteilung“, gegründet 1922) und SS („Schutzstaffel“, seit 1925/26) waren paramilitärische Verbände, mit denen die Nazis ihre Gegner einschüchterten. Das Beamtentum der Weimarer Republik – wie leider auch dieses Beispiel beweist – war leider allzu oft „auf dem rechten Auge blind“: immer wieder wurden Täter aus den Reihen von SA und SS nur geringfügig bestraft. Klare antifaschistische Signale von Seiten der wechselnden Regierungen waren in der Weimarer Zeit eine Seltenheit. Vor allem im Bürgertum, welches um seine Vorteile fürchtete, galt eine kommunistische Revolution als Hauptgefahr. Der Terror von rechts wurde entweder unterschätzt oder – hinter vorgehaltener Hand – gutgeheißen. Das antisemitische Weltbild der Nazis wurde von zahlreichen Menschen geteilt. Auch andere Feindseligkeiten, die von den Hitler-Faschisten verbreitet wurden, fanden Gehör: so etwa die Abneigung gegenüber Homosexualität.

Gerlingsplatz Zirkus Hagenbeck

Eine Aufnahme vom Gerlingplatz, um 1930 (Bildquelle: Horst Zimmer).

Nur wenige Meter entfernt von der Gerlingstraße befand sich das Eldorado, ein Lokal, welches heute Panoptikum heißt. Dieses war ein bekannter Treffpunkt für homosexuelle Menschen. Nur kurze Zeit nach dem „Sturm auf die Gerlingswiese“ machten die Nazis in dem Lokal die Lichter aus: den Betreibern des Eldorados wurde die Konzession entzogen, die Kneipe musste schließen. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe verläuft die Viehofer Straße, welche nach der Machtübernahme der Nazis nach Hitler benannt wurde. Auf dem Gerlingplatz inszenierten die Nazis am 21. Juli 1933 ihre Essener Bücherverbrennung. Wie in vielen anderen Städten wurden hier die Werke von Autoren und Autorinnen verbrannt, deren Denken und Schreiben den Faschisten ein Dorn im Auge waren. Die Bücherverbrennungen wurden von den Nazis zu einem symbolischen Akt verklärt, der den Anbruch eines „neuen deutschen Geistes“ ankündigen sollte.

Bücherverbrennung

Bücherverbrennung auf dem Gerlingplatz (Quelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv)

Historischer Hintergrund

Hier erfahrt ihr mehr über die Konflikte verschiedener politischer Strömungen in der Weimarer Republik. Diese Konflikte wurden zum Teil mittels politischer Kampfbünde ausgetragen. Als Reaktion auf die Bedrohung von rechts – verkörpert durch SA und SS – bildeten sich 1924 der kommunistische Rote Frontkämpferbund (RFB) und das sozialdemokratisch geprägte Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, welches sich mit der Weimarer Republik und der bürgerlichen Revolution von 1848 identifizierte. Da die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) – welche beträchtlichen Einfluss auf den RFB ausübte – die Weimarer Republik ebenfalls ablehnte und durch eine Räterepublik sowjetischen Stils ersetzen wollte, kam es auch zwischen dem Reichsbanner und dem Rotfrontkämpferbund zu Auseinandersetzungen.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Überlegt euch interessante Methoden, um  Passantinnen und Passanten auf die ehemalige Gerlingswiese aufmerksam zu machen. Ihr könnt beispielsweise eine Präsentation erstellen, welche die wichtigsten Fakten und einige Bilder enthält. Sucht euch einen Ort, an dem ihr eure Präsentation nach Einbruch der Dunkelheit an eine Wand projizieren könnt. Wenn euch vorbeikommende Leute fragen, was ihr macht, könnt ihr mithilfe dieser Seite antworten und die Geschichte des Ortes erläutern. Ihr könnt eure Aktion auch als Mahnwache für die von der SA und der SS terrorisierten Menschen initiieren.

2) (++ / anspruchsvoll) Beobachtet die Reaktionen der Menschen. Verfasst einen Blog-Eintrag, in dem ihr über eure Aktion berichtet. Der Blog-Beitrag kann auf dieser Website veröffentlicht werden.

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