Icon Ort Parkfriedhof

Am Parkfriedhof 33, 45138 Essen | 51.452309, 7.046782‎ | +51° 27′ 8.31″, +7° 2′ 48.42″

Wie bei allen Friedhöfen, die wir in unser Geocaching-Stadtspiel aufgenommen haben, verbergen sich hier gleich mehrere Geschichten.

 

[1] Jüdische Gräber

1941 wurden knapp 36 Grabsteine des ehemaligen jüdischen Friedhofs in der Lazarettstraße zum im Südwesten des Parkfriedhofs liegenden jüdischen Friedhofs überführt. Auf den ehemaligen jüdischen Friedhof in der Lazarettstraße gibt es heute keinen Hinweis mehr. Die Abwicklung des Friedhofs hängt mit dem Versuch der Nazis zusammen, jüdische Kulturgüter aus dem Stadtbild zu verdrängen, sozusagen „vergessen zu machen“.

Parkfriedhof Eingang 1

Hier ist die Eingangshalle des Parkfriedhofs zu sehen.

 

[2] Gräberfelder von KZ-Opfern und Toten des Bombenkriegs; Gedenkstein für sowjetische Kriegsgefangene

Auf den vier Gräberfeldern des Parkfriedhofs liegen 2.045 Opfer des II. Weltkrieges. Im zweiten Feld sind 52 KZ-Opfer beerdigt, im dritten 405 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen, die aus verschiedenen Nationen stammten. Im vierten Gräberfeld sind 213 sowjetische Kriegsgefangene beigesetzt, die in den Jahren 1941-1945 von den Nazis getötet wurden.

Bilder Parkfriedhof

Ein Gedenkstein erinnert an die sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Essen ihr Leben ließen (Bildquelle: Horst Zimmer).

Parkfriedhof Gräber 3

Die hohe Zahl der Gefallenen und durch das Nazi-System ermordeten Menschen auf diesem einen Friedhof sagt mehr als tausend Worte; in der Nähe des Haupteingangs sind die Gräber von 62 Menschen, die in Konzentrationslagern in Essen und Umgebung ums Leben kamen.

 

[3] Die Geschichte des Willi Agatz

Auch einige bekannte Personen fanden auf dem Parkfriedhof ihre letzte Ruhe: Heinrich Imbusch, Repräsentant der christlichen Gewerkschaften (beigesetzt 1945), ebenso Willi Agatz, Funktionär der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO).

Agatz war am 10. Juni 1904 in Heisingen geboren worden; er stammte aus einer Bergarbeiterfamilie. Nach dem er die Schule verlassen hatte, arbeitete er in einer Holzfabrik in Werden. Weil sein Lohn zu gering war, wurde er schließlich 1919 Bergmann. Sein Arbeitgeber war die Zeche Karl Funke in Heisingen. Weil er half, einen Streik zu organisieren, wurde er entlassen. Im Folgenden malochte er auf der Zeche Ludwig in Essen-Bergerghausen. Agatz wurde in die Arbeiterbewegung seiner Zeit hineingeboren – bereits seine Eltern waren in der Sozialdemokratie beheimatet. Bereits als Kind trug Willi Agatz sozialdemokratische Zeitungen aus, übernahm zudem kleinere organisatorische Aufgaben im freien Bergarbeiterverband.

Als 16-Jähriger gründete Agatz eine Ortsgruppe der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), die als eine der Vorläufer-Organisationen der heutigen SJD-Die Falken gelten kann. Im Zuge des Konflikts zwischen den sozialdemokratisch und kommunistisch orientierten Zweigen der Arbeiterbewegung wurde Agatz Anfang der 1920er-Jahre Kommunist. Wie viele andere setzte er große Hoffnungen auf die junge Sowjetunion, die sich nach einem dreijährigen Bürgerkrieg (1917-1920) zwischen linken und reaktionären Kräften herausgebildet hatte. Von der Gewalt und der massiven Verfolgung Andersdenkender, für die der Sowjet-Kommunismus verantwortlich zeichnen sollte, ahnte der knapp 20-Jährige vermutlich noch nichts.

Während der Hitler-Zeit war Willi Agatz beständigen Schikanen durch die Faschisten ausgesetzt. Er wurde überwacht und inhaftiert, landete schließlich im Konzentrationslager Sachsenhausen sowie im Strafbataillon 999. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war er kurz in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland saß er für die Kommunistische Partei (KPD) im Bundestag, ehe er Anfang der 1950er-Jahre in die DDR auswanderte. Er starb am 28. August 1957.

Die Informationen über Willi Agatz sind größtenteils dem Buch „Lichter in der Finsternis“ des Essener Historikers Dr. Ernst Schmidt entnommen.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Der jüdische Friedhof in der Lazarettstraße wurde von den Nazis dem Erdboden gleich gemacht. Entwerft ein Gedenkplakat im Stile eines Wegweisers, der an den Friedhof erinnert. Überlegt, wie euer Wegweiser gestaltet sein könnte (hat er z. B. die Form eines Pfeiles?). Welche Inschrift trägt er? Nutzt das Internet, um herauszufinden, wo sich die Lazarettstraße befindet. Das von euch entworfene Gedenkplakat könnt ihr am 9. November (Jahrestag der Reichspogromnacht) mit auf eine Kundgebung nehmen und den dort Anwesenden erklären.

2) (++ / anspruchsvoll) Fertigt ein kleines Flugblatt an, welches über das Schicksal des jüdischen Friedhofs informiert. Werft dieses Flugblatt in die Briefkästen der Häuser, die heute in der Lazarettstraße stehen. Auf diese Weise zeigt ihr den Anwohnern, was früher an ihrem Wohnort geschah. Ihr könnt das Flugblatt auch an die Lokalredaktionen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) senden, mit der Bitte, in einem kurzen Bericht (z. B. im Lokalteil) an den jüdischen Friedhof zu erinnern. Ihr könnt eigene Fotos zur Verfügung stellen, die ihr zuvor in der Lazarettstraße geschossen habt.

3) (+++ / sehr anspruchsvoll) Zurück im Falkenhaus: kreiert einen Zeitstrahl, der das Leben von Willi Agatz wiederspiegelt. Nutzt das Internet und das Buch „Lichter in der Finsternis“, um noch mehr Jahreszahlen über das Leben des Esseners herauszufinden. Der Zeitstrahl dient zur Veranschaulichung von Agatz‘ Leben. Informiert euch dann über die Entwicklungen hin zur totalitären Diktatur, die sich in der Sowjetunion beobachten ließen. Folgende Leitfragen können euch behilflich sein: 1. Was geschah in den „Moskauer Prozessen 1936-38“? 2. Wodurch zeichnete sich die Herrschaft Josef Stalins aus? 3. Was ist ein „Gulag“? 4. Was ist mit der „Dimitroff-Formel“ gemeint?

In einem letzten Schritt versucht zu erörtern, warum Menschen wie Willi Agatz, die selbst unter staatlicher Bevormundung und Unterdrückung zu leiden hatten, trotz des diktatorischen Sowjet-Regimes dem Sowjetkommunismus die Treue hielten, anstatt sich zu distanzieren.

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