Icon Ort Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop

Im Neerfeld 6, 45359 Essen | 51° 28′ 50″ N, 6° 54′ 22″ 0

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Bei der Walter-Pleitgen-Schule handelt es sich um ein seit langem leerstehendes Gebäude, welches die Stadt Essen für die Unterbringung von Asylsuchenden nutzt. Etwa 130 Geflüchtete sind bereits in der ehemaligen Schule untergekommen. Mehrere Organisationen, die sich für das Wohlergehen von flüchtenden Menschen einsetzen (z. B. Pro Asyl), fordern die politischen Entscheidungsträger dazu auf, die Menschen nur vorübergehend in der Schule unterzubringen. Auf lange Sicht sollten die Asylsuchenden in richtigen Wohnungen leben können. Denn das Leben in der Schule bedeutet unter anderem: wenig bis gar keine Privatsphäre und schlechte sanitäre Versorgung (wenig Toiletten und Badegelegenheiten). Hinzu kommt die Gefahr rassistisch motivierter Übergriffe, obwohl die Schule derzeit rund um die Uhr bewacht wird.

Die Atmosphäre im Stadtteil war bereits vor dem Zuzug der Asylsuchenden vergiftet: rechte und neofaschistische Parteien wie „ProNRW“ und die NPD schüren Ängste vor den Flüchtenden und heizen die Stimmung auf. Die menschenverachtende Propaganda der Rechtsparteien geht Hand in Hand mit einer ausländerfeindlichen und ebenfalls rassistischen Grundhaltung in Teilen der Frintroper Bevölkerung. Im Stadtteil haben sich sogar schon Initiativen gegen die Flüchtenden gegründet. Gegen die Asylsuchenden bestehen hartnäckige Vorurteile, wie auch das folgende Plakat zeigt:

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Rassismus in Deutschland

Am 7. September 2013 demonstrierte die neofaschistische NPD in Frintrop gegen die Asylsuchenden und deren Menschenrechte. Sympathisanten und Sympathisantinnen mischten sich – unter den Augen der Polizei, die erst nach Aufforderung eingriff – unter die Gegen-Demonstration. Mit verschränkten Armen und grimmigen Gesichtern wurde von den Rechten eine Drohkulisse aufgebaut. Diese Demo zeigte einmal mehr, wie gezielt die NPD auf aktuellen Debatten aufsattelt, um sich als „Partei wie jede andere auch“ zu inszenieren.

Am 5. Oktober 2013 folgte dann „ProNRW“ in unmittelbarer Nähe zur Pleitgen-Schule mit einer Kundgebung. Auch hier gab es Gegenproteste.

Historischer Hintergrund

Auch zu Zeiten des Hitler-Regimes spielte die heutige Walter-Pleitgen-Schule eine – leider unrühmliche – Rolle. Damals noch unter dem Namen Neerfeldschule wurde sie als ein sogenanntes Arbeitserziehungslager genutzt. Als solches diente die Schule als Auffangstation für Zwangsarbeitende, die aus Sicht der Nazis Verfehlungen begangen hatten. Mit brutalen Methoden wurden die Insassen von der Gestapo – der die Lagerleitung oblag – gegängelt. Dementsprechend hießen die Lager im Volksmund „KZ der Gestapo“. In Essen gab es noch andere Arbeitserziehungslager – etwa in der damaligen Süderichschule oder auf dem Flughafengelände Essen-Mülheim. Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Wir Falken solidarisieren uns ausdrücklich mit den Flüchtenden. Die Asylsuchenden verließen ihre Herkunftsländer, weil sie dort von Armut, politischer Verfolgung und Rechtlosigkeit bedroht sind. Von der Armut in der sogenannten „Dritten Welt“ profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner der reichen Länder. So sind etwa Textilien und Elektrogeräte nur deshalb relativ günstig, weil sie in südostasiatischen Ländern für Hungerlöhne produziert bzw. zusammengesetzt werden. Zudem gehen viele Konflikte in – beispielsweise – afrikanischen Ländern auf die Kolonialgeschichte des Kontinents zurück. In mehreren Regionen der Welt eskalieren zwischenstaatliche und ethnische Konflikte, weil Unmengen von Waffen im Umlauf sind, die in den reichen Ländern hergestellt werden. So ist Deutschland etwa der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Nur die USA und Russland beliefern die Welt mit noch mehr Waffen pro Jahr. Zahlreiche Asylsuchende flüchten zudem vor Naturkatastrophen, die zu einem großen Teil auf unser Wirtschaftssystem zurückzuführen sind, welches Wachstum um jeden Preis verlangt. Unsere Konsumgesellschaft und Wirtschaftslogik tragen also maßgeblich zur Armut in dieser Welt bei.

 

Aufgaben für Schulklassen / Jugendgruppen:

1) Kommt mit den Geflüchteten ins Gespräch. Findet heraus, warum die Menschen ihre Heimatländer verlassen mussten. Fragt sie nach ihren unmittelbaren und zukünftigen Zielen.

2) Überlegt, welche gemeinsamen Aktivitäten (z. B. Straßenfeste, Runde Tische, Begegnungen) es zwischen Anwohnern und Asylsuchenden geben könnte. Haltet eure Ideen schriftlich fest. Stellt Kontakt zu Pro Asyl her, um herauszufinden, welche Berührungspunkte es bereits mit den Geflüchteten gibt.

3) Dokumentiert, was euch an der Unterbringung der Asylsuchenden stört. Schickt eure Ergebnisse dem Sozialdezernenten der Stadt Essen. Auch hier wird euch Pro Asyl sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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