Icon Ort Zwangsarbeiterlager an der Hamburger Straße

Hamburger Straße 4, 45145 Essen | 51.448016, 6.958033‎ | +51° 26′ 52.86″, +6° 57′ 28.92″

(we have also compiled facts concerning the Hamburger Straße in English)

Die Krupp-Dynastie beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, welche von den Nazis aus den besetzten Gebieten nach Deutschland deportiert worden waren. Im September 1943 gab es insgesamt 13.000 (!) Kriegsgefangene, die in größtenteils menschenunwürdigen Bedingungen hausten und tagtäglich für die Friedrich Krupp Gußstahlfabrik schufteten. Sie waren in provisorischen Lagern untergebracht, umgeben von Stacheldraht. Lager dieser Art gab es über das gesamte Essener Stadtgebiet verstreut. Die Arbeiterinnen und Arbeiter litten unter Mangelernährung. Trotz der nicht ausreichenden Versorgung, mussten sie in den Kruppschen Betrieben Schwerstarbeit leisten.

hamburger straße

In diesem Zeitungsartikel über Dr. Ernst Schmidt sind sowjetische Kriegsgefangene zu sehen, die in der Essener Raumertstraße untergebracht waren. In einem weiteren Artikel Schmidts aus dem Jahre 1995 geht es um Bäume in Essen-Frintrop, in die italienische Zwangsarbeitende 1945 Botschaften geritzt hatten. Ohne Rücksicht und trotz vehementer Proteste wurden diese Bäume vom örtlichen Forstamt gefällt. Der Artikel stammt aus der Sammlung Horst Zimmers.

Eines der Lager für Zwangsarbeitende wurde auf den städtischen Sportplätzen an der Hamburger Straße aufgebaut. Dieses Lager war ab Januar 1943 in Betrieb. In neun Wohnbaracken lebten mehr als 600 Frauen und deren Kinder. Das Lager an der Hamburger Straße wurde bei einem Bombenangriff im April 1944 zerstört. Danach wurde es nicht wieder aufgebaut. Heute steht dort die Elisabethschule (siehe unten).

Elisabethschule I

Elisabethschule Graffiti

Graffiti-Artwork auf dem Schulhof der Elisabethschule

Historischer Hintergrund

Während des Zweiten Weltkriegs zwangen die Nazis mehrere Millionen Menschen, in Deutschland Zwangsarbeit zu verrichten. Die meisten Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen kamen aus Russland und der Ukraine. Die Nazis machten auch vor der Verschleppung von Kindern und Jugendlichen nicht Halt. Häufig entrissen sie die Kinder ihren Familien. Zwangsarbeiter wurden in der Rüstungsproduktion, der Landwirtschaft, aber auch in öffentlichen Einrichtungen eingesetzt. Die Schwerindustrie – in Essen beispielsweise die Krupp-Betriebe – griff ebenfalls verstärkt auf Zwangsarbeiter zurück. Meistens wurden sie demütigend behandelt, bekamen nicht ausreichend zu Essen und zu Trinken. Oft wurden sie für ihre Arbeit nicht bezahlt.

In Osteuropa führten die Nazis in den von ihnen besetzten Gebieten Razzien durch. Sie drangen also in Privatwohnungen ein und verschleppten willkürlich Personen, von denen sie annahmen, sie wären den harten Arbeitsbedingungen in Deutschland gewachsen. Um die zahlreichen verschleppten Menschen unterzubringen, richteten die Nazis Zwangsarbeiterlager ein. In menschenunwürdigen Verhältnissen wurden die Menschen hier zusammen getrieben, um tagein, tagaus für das faschistische Regime Hitlers zu schuften. Für Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen galt kein Arbeitsschutz. Bei Bombenalarm durften sie keine Schutzräume aufsuchen. Wer rebellierte, lief Gefahr, in ein so genanntes Arbeitserziehungslager geschickt zu werden. Hier herrschten Zustände, die den Verhältnissen in den Konzentrationslagern stark ähnelten. Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen wurden regelmäßig von ihren Bewachern misshandelt. Bekamen zwangsarbeitende Frauen Kinder, wurden sie in „Ausländerkinder-Pflegestätten gebracht. Dort ließen die Nazis die Kinder verhungern.

Die rassistische Ideologie der Nazis floss auch in die Organisation der Zwangsarbeiterlager ein. Häftlinge aus Westeuropa wurden gegenüber „slawischen“ Menschen bevorzugt behandelt.

Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Tafel Hamburger Str. II

Die Gedenktafel in der Hamburger Straße

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Auf dem Schulhof der Elisabethschule befinden sich bunte Graffiti. Gleichzeitig war genau diese Schule ein Lager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa. Wie könnte ein Graffiti aussehen, welches den Zwangsarbeitenden gedenkt und an ihr Schicksal erinnert? Welche Motive kommen in Frage? Könnte es einen Schriftzug geben, der in das Graffiti eingebettet ist oder reicht die „Sprache der Bilder“ aus? Diskutiert diese Fragen in der Gruppe und fertigt anschließend eine Skizze eures Graffitis an. Guckt euch das Schulgelände genau an: ist noch irgendwo Platz für ein Wandbild?

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Stellt euch vor, das von euch entworfene Graffiti wurde von einem Kunst schaffenden Menschen in die Tat umgesetzt. Ihr seid in der Rolle eines Journalisten und verfasst einen kurzen Artikel über das Graffiti, welches sich nun ebenfalls im Hof der Elisabethschule befindet. So könnt ihr beginnen: „Auf dem Schulhof der Elisabethschule befindet sich seit Anfang des Monats ein Graffiti. Dieses zeigt…“ Gegen Ende des Artikels erläutert ihr Sinn und Zweck des Bilds: „Dem Künstler war folgende Botschaft wichtig:…“

3) (+++ / sehr anspruchsvoll) Ihr befindet euch in der Reflexionsrunde im Ground Zero. Sprecht über die Graffiti-Idee und überlegt, ob ein Gespräch mit der Schule darüber Sinn macht. Vielleicht ist die Schule bereit, ein weiteres Bild zuzulassen und in Auftrag zu geben. Überlegt euch eine Argumentation, die eure Idee stützt.

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