Icon Ort Katholischer Friedhof in Essen-Dellwig

an der Haus-Horl-Straße, 45357 Essen | 51.491391, 6.936146‎ | +51° 29′ 29.01″, +6° 56′ 10.13″

Hier liegt der Salvatorianerpater Reinhold Unterberg begraben. Er kam am 23. Mai 1940 in KZ Sachsenhausen ums Leben. Am 3. Juni 1940 wurde seine Asche auf dem Dellwiger Friedhof beigesetzt. Nicht nur sein Grab erinnert an den Geistlichen; in Essen ist auch eine Straße nach ihm benannt. Der Reinhold-Unterberg-Weg befindet sich einige hundert Meter nördlich des Bahnhofs Essen-Gerschede.

Reinhold Unterberg

Reinhold Unterberg (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt)

Johannes Unterberg wurde am 5. Oktober 1893 in Bottrop geboren. Als Kind lebte er in Borbeck. Seine Eltern hießen Ignatz Unterberg und Maria Agnes, geborene Schäfer. 1903 zog Johannes Unterberg nach Essen-Dellwig-Vogelheim und besuchte die Volksschule. Ab 1908 übte er eine Hilfstätigkeit als Pferdejunge und Handelsgehilfe aus. 1920 trat er in die Ordenskongregation der Salvatorianer (bei Paderborn) ein, nachdem er zuvor als Bergmann und in der Industrie gearbeitet hatte. Am 2. Mai 1925 legte er die Heiligen Gelübde ab. Am 4. August 1929 wurde er zum Priester geweiht – sein Theologiestudium, welches er in Passau absolviert hatte, war nun erfolgreich abgeschlossen. Durch seine Weihung konnte er den Namen Pater Reinhold annehmen.

Reinhold Unterberg in Gruppe

Unterberg gemeinsam mit anderen Geistlichen (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt).

Fortan arbeitete er als Seelsorger im Kloster Heilandsfriede in Sennelager bei Paderborn. Gleichzeitig wirkte er als Exerzitienmeister und Superior. Exerzitien sind besonders intensive geistliche Übungen, die meistens in der Form des Gebets oder der inneren Besinnung erfolgen. Aufgabe Unterbergs war es, die ihm anvertrauten Gläubigen bei den Übungen zu begleiten. Als Superior oblag es Unterberg, über die Religionsausübung der Gläubigen zu wachen und ihnen unterstützend zur Seite zu stehen.

Wodurch aber geriet der Pater in Konflikt mit der faschistischen Staatsmacht?

Die Exerzitien-Kurse, die Unterberg bei Paderborn abhielt, erfreuten sich großer Beliebtheit; von der Gestapo hingegen wurden sie stets mit Skepsis betrachtet. Um einer Beschlagnahme durch das NS-Regime zuvorzukommen, versteckte Unterberg Stoffvorräte sowie Tisch- und Bettwäsche außerhalb der Klostermauern. Dies reichte der Gestapo als Anlass, Unterberg zu verhaften. Der Vorwurf lautete: Unterschlagung kriegswichtiger Güter und Sabotage. Unterberg missachtete zudem den mehrfach ausgesprochenen Befehl der Gestapo, die Namen der Teilnehmenden an den Exerzitien herauszugeben. Die Teilnehmendenliste forderte die Geheimpolizei an, um dem Sympathisantenkreis des Paters habhaft zu werden. Am 5. Oktober 1939 wurde Unterberg verhaftet. Er war zwischenzeitlich in Bielefeld inhaftiert. Im Dezember 1939 verschleppten ihn die Nazis ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Er kam dort am 23. 12. – einen Tag vor Heiligabend – an. Im KZ durfte Unterberg seinen Ordensnamen – Pater Reinhold – nicht tragen. Stattdessen wurde ihm die Nummer 6187 zugewiesen. Das Zuweisen der Nummern erfolgte, um den individuellen Willen der Häftlinge zu schwächen. Unterberg galt als „Schutzhäftling“. Die Nazis behaupteten also, seine Inhaftierung diente seinem eigenen Schutz. Unterberg war in Block 58 untergebracht. Selbst im Konzentrationslager versuchte er, Inhalte seines Glaubens an die anderen Gefangenen weiterzugeben. Im KZ Sachsenhausen kam er schließlich am 23. Mai 1940 ums Leben. Als offizielle Todesursache wurde „Tod durch Herzversagen nach Lungenentzündung“ angegeben.

Von Johannes Unterberg sind die Worte überliefert:

„Du siehst, ich bin bereit, dieses mein Kreuz und Leid im rechten Geiste, mit starker Seele zu tragen. Er wird auch diese Zeit für mich und meinen Beruf nicht ohne Segen sein.“

Historischer Hintergrund

Das Verhältnis zwischen dem Nazi-Regime und den christlichen Kirchen ist stark umstritten. Im Jahr der Machtergreifung der NS-Bewegung (1933) zeigte sich Hitler liberal gegenüber dem Vatikan, was jedoch strategisch motiviert gewesen sein könnte. Durch seine demonstrative Akzeptanz der katholischen Kirche konnte sich Hitler von der kommunistischen Bewegung abgrenzen und sich dem bürgerlich-konservativen Spektrum anbiedern. Die Nazi-Zeit war geprägt vom so genannten Kirchenkampf: der Versuch der Nationalsozialisten, die beiden großen Kirchen gleichzuschalten und zu „entjuden“. Der Begriff meint auch den Widerstand aktiver christlicher Menschen gegen die Vereinnahmung durch die Nazis. Zu Zeiten der Machtübernahme 1933 formierte sich zudem die Deutsche Kirche, die sich die NS-Ideologie offen auf die Fahnen schrieb. Gegen die Deutsche Kirche formierte sich Widerspruch von Seiten der Bekennenden Christen. Insgesamt lässt sich gesichert sagen: die evangelische und katholische Kirche als Großorganisationen setzten der rassistischen Ideologie der Nazis zu wenig entgegen. Dennoch gab es – gerade in den Reihen der Bekennenden Kirche – diverse Menschen, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens gegen die Nazis wandten und deren Ideologie wie auch Politik bekämpften.
Für die Nazis galt, dass sie den Kirchen gegenüber grundsätzlich feindlich eingestellt waren, weil sie in ihnen Konkurrenzprojekte zur eigenen rassistischen Weltanschauung sahen.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Was haltet ihr von den Worten Unterbergs „Es wird auch diese Zeit für mich und meinen Beruf nicht ohne Segen sein.“ Wie versteht ihr diesen Satz? Inwieweit bot selbst die Nazi-Zeit einen „Segen“ für Menschen wie Johannes Unterberg? Tauscht euch darüber aus, was ihr über die Aussage des Geistlichen denkt.

2) (++ / anspruchsvoll) Denkt über ein Symbol nach, welches den christlichen Widerstand gegen das Nazi-Regime veranschaulicht. Welche Bildelemente könnten in solch einem Symbol vorkommen? Als Inspiration dient euch das Lothringer Kreuz (siehe unten), Emblem der Résistance, des Widerstands gegen Hitler in Frankreich zur Zeit der deutschen Besatzung.

Lothringer Kreuz

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