Stolpersteine zum Gedenken an die Loewenthals

Borbecker Platz 2, 45355 Essen | 51.473718, 6.949758‎ | +51° 28′ 25.38″, +6° 56′ 59.13″

(the Loewenthal’s sad story is also available in English)

Das Schicksal der Familie Loewenthal steht exemplarisch für das Leiden der jüdischen Bevölkerung im Nazi-Regime (1933-1945). Ernestine Loewenthal (Geburtsname Heymann) wurde am 17. März 1888 geboren. Ihre Familie betrieb ein Herrenkonfektionsgeschäft in Borbeck. Am 27. Oktober 1941 wurde sie von den Nazis nach Łodz deportiert. Heute erinnern Stolpersteine an den Leidensweg der Familie. Pate der Steine ist der Kultur-Historische Verein Borbeck. Die Stolpersteine wurden am 15. November 2005 verlegt. Sie finden sich im Herzen des Stadtteils, auf dem Borbecker Platz; hier lebte die Familie Loewenthal bis zu ihrer Deportation.

Loewenthal 3 Steine

Wer die Stolpersteine betrachtet, steht unmittelbar vor dem ehemaligen Wohnsitz der Familie Loewenthal.

Auch andere Mitglieder der Familie wurden von den Faschisten verschleppt. Ernestine Loewenthals Ehemann Sally (*18. Dezember 1883) und ihr gemeinsamer Sohn Manfred (*7. Februar 1922) wurden ebenfalls inhaftiert. Sally und Manfred Loewenthal kamen ins Konzentrationslager Dachau. Nachdem Manfred aus diesem KZ entlassen worden war, kehrte er nach Belgien zurück, wo er zuvor eine Mechanikerlehre gemacht hatte. Von dort wurde Manfred ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurde er getötet, am 14. September 1942.

Bereits in der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) war das Geschäft der Familie von den Nazis verwüstet worden. In dieser Nacht wurden in allen größeren Städten Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte zerstört und zahlreiche Juden und Jüdinnen ermordet.

Sally Loewenthal war der Geschäftsführer des Herrenkonfektionsgeschäfts. Eine Borbeckerin, die dort angestellt war, erinnerte sich nach der Pogromnacht an den Anblick des Ladens, nachdem dieser von den Faschisten zerstört worden war:

„Als ich morgens zur Arbeit kam, sah ich von weitem, was geschehen war. In und vor dem Goldblumgeschäft ein einziges Chaos. Bis zur Dionysiuskirche hatte man Gegenstände, die zur Ladeneinrichtung gehörten, verstreut oder an Laternenmasten aufgehängt. Auf einer Schaufensterbüste erkannte ich meine Mütze, die ich am Tage zuvor vergessen hatte. Im Geschäft lag alles durcheinander. Die Fensterscheiben waren eingeschlagen, die Ladeneinrichtung völlig demoliert und Anzüge mit Farbe bespritzt. Ich traf nur Frau Loewenthal. Sie weinte bitterlich. Ihren Mann hatte man mitgenommen.“

Die hier wiedergegebenen Informationen stammen aus Ernst Schmidts Aufsatz „Es läuft da eine gewisse Aktion. Die jüdischen Schüler.“ Der Text ist in „Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend“ erschienen, einem Buch von Klaus Lindemann. Zudem wurde der Bericht „Schaufensterpuppen an den Straßenlaternen. Neue Berichte über die Nacht des Schreckens im November 1938“ herangezogen. Dieser Artikel – ebenfalls von Ernst Schmidt – ist in den Borbecker Nachrichten vom 28. Oktober 1983 veröffentlicht worden. Zusätzlich wurde auf die Reihe „Lichter in der Finsternis. Gegner und Verfolgte des Nationalsozialismus in Essen“ (Ernst Schmidt) als Quelle zurückgegriffen. Hier haben wir generelle Informationen über die Situation der Jüdinnen und Juden im “Dritten Reich” zusammengestellt.

Zeitungsartikel-Aus-dem-Leben-jüdischer-Familien-in-Borbeck-Walter-Rohr-1988

Dies ist ein Zeitungsartikel aus den Borbecker Nachrichten, der das Leben der Borbecker Jüdinnen und Juden zu Zeiten des Hitler-Regimes beschreibt (Quelle: Ernst-Schmidt-Archiv).

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Lest euch die Infos auf dieser Seite gut durch, insbesondere das längere Zitat einer Borbeckerin, die über die Zerstörung des Geschäfts berichtet. Denkt die Geschichte weiter: die ehemalige Angestellte des Loewenthal’schen Geschäfts, von der das Zitat stammt, möchte die Frau von Sally Loewenthal trösten. Zwei Wochen nach der Pogromnacht treffen sich die beiden. Wie könnte ihr Gespräch aussehen? Wie verarbeiten sie es, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen in Flammen aufgegangen sind? Bietet die Borbeckerin, die selbst keine Jüdin ist, Unterstützung an oder geht sie während des Gesprächs auf Distanz? Fallen den Frauen Auswege ein oder nehmen sie die Situation lediglich klagend hin? Wo findet das Gespräch statt? Direkt in der Öffentlichkeit – beispielsweise auf dem Borbecker Marktplatz – oder doch eher hinter zugezogenen Gardinen?

2) (++ / anspruchsvoll) Auf den Stolpersteinen sind nur wenige Informationen zu finden. Entwickelt – auf der Grundlage dieser Seite – das Konzept einer Gedenktafel, die neben den Stolpersteinen platziert werden könnte. Was müsste / könnte / sollte auf dieser Tafel stehen? Werden die Entführer Sally Loewenthals beim Namen genannt? Gibt es einen Leitspruch, beispielsweise aus dem Alten Testament? Enthält die Tafel ein religiöses Symbol oder eine Illustration? Aus welchem Material könnte sie sein? Stellt sie einen Bezug zur Judenverfolgung im Allgemeinen her oder beschränkt sie sich auf das Schicksal der Borbecker Familie Loewenthal?

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