Icon Ort Stolperstein zum Gedenken an Anton Cretnik

Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle

Anton Cretnik wurde am 16. Januar 1891 geboren und gehörte den Zeugen Jehovas – einer religiösen Gruppierung – an. Die Nazis warfen ihm vor, in seiner Wohnung verschwörerische Treffen mit seinen Glaubensbrüdern zu veranstalten. Cretnik wurde zur Last gelegt, die Zeitschrift „Wachturm“ in seiner Wohnung zu lesen. Zudem behaupteten die Nazis, er bewahre die nötigen Utensilien, um die Zeitschrift herzustellen, in seiner Wohnung auf. Der „Wachturm“ war eine der bekanntesten Zeitschriften, welche die Zeugen Jehovas regelmäßig herausbrachten.

Anton Cretnik

Anton Cretnik in der Kriminalpolizeistelle. Die Bilder wurden vom Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt zur Verfügung gestellt.

Cretnik wurde am 7. April 1943 gefangen genommen, verhört und gefoltert. Die Nazis verurteilten ihn zu fünf Jahren Zuchthaus; Anton Cretnik saß daraufhin in verschiedenen Strafanstalten ein. Am 24. April wurde er – mutmaßlich – in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort jedoch ist er nie angekommen. Sein Tod wird auf den April 1945 datiert. Höchstwahrscheinlich überlebte er die Strapazen der Deportation nicht. Denkbar ist auch die Ermordung Cretniks durch die Nazis auf dem Weg nach Dachau.

Historischer Hintergrund

Die Nazis duldeten grundsätzlich keine andere Weltanschauung neben sich; lediglich in der Anfangszeit des Regimes gab es Kooperationen mit den großen christlichen Kirchen. Die so genannten „Deutschen Christen“ – eine Strömung innerhalb der evangelischen Kirche – sympathisierten offen mit der Herrschaft Hitlers. Als Gegenbewegung entstand die „Bekennende Kirche“, die sich vom Faschismus abgrenzte. Als sich die Nazi-Bewegung in den späten 30er-Jahren fest etabliert hatte, hielt Hitler es längst nicht mehr für nötig, sich den Kirchen anzubiedern. Er erklärte, „Nationalsozialismus und Kirche können nicht auf Dauer nebeneinander bestehen“. Das Nazi-Regime war durch und durch totalitär, das heißt es versuchte, in jede noch so private Nische des Lebens einzudringen. So konnte es auch vor dem Glauben der Menschen nicht halt machen. Der deutsche Faschismus hatte den Anspruch, selbst einen religiösen Stellenwert im Leben seiner Anhänger*innen zu erlangen. Organisationen, die andere Vorstellungen als jene der Nazis vertraten, begegneten die Hitler-Anhänger feindlich.

Nicht nur die Mitgliedschaft in nichtnazistischen Organisationen, auch die Teilnahme an religiösen oder spirituellen Aktivitäten wurde rigide verfolgt. Die Unterdrückung verschärfte sich, nachdem Nazi-Deutschland den zweiten Weltkrieg entfesselt hatte. Die Zeugen Jehovas waren insbesondere wegen ihrer Verweigerung des Hitler-Grußes wie auch aufgrund der Ablehnung des Militärdienstes den Nazis ein Dorn im Auge. Zudem war ihr Glaube mit relativ konkreten Zukunftsvisionen angereichert, die sich von denen der Nazis unterschieden. Zu den zentralen Prophezeiungen zählte die Erwartung eines 1000-jährigen Reiches, in welchem Gott das Leben der Menschen unmittelbar regieren und alle „Bösen“ – das heißt: Satan anheim Gefallenen – „vernichten“ würde. Die Nazis träumten ebenfalls von einem 1000-jährigen Reich, welches jedoch in ihrer Herrschaft bestanden hätte.

Hier findet ihr weiterführende Informationen zum Verhältnis zwischen Kirchen und Hitler-Faschismus. Interessante Fakten zu dem Projekt der Stolpersteine haben wir ebenfalls für euch aufbereitet. Hier findet ihr ein Dokument, welches den Tod eines weiteren Essener Zeugen Jehovas belegt. Über die Todesursache wird keine nähere Auskunft gegeben. Es ist zu befürchten, dass Theodor Hölter ermordet wurde.

Dokument-1944-Tod-eines-Essener-Zeugen-Jehovas-im-KZ

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fällt euch bei der Betrachtung der Stolpersteine irgendetwas auf? Wenn euch nichts ungewöhnlich erscheint, fragt die Falken-Mitarbeitenden, damit sie euch Tipps geben können.

2) (++ / anspruchsvoll) Macht euch Gedanken über eure Entdeckung aus Aufgabe 1). Versucht, den Grund für die Auffälligkeit bei diesen Stolpersteinen zu benennen.

3) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die Steine und überlegt euch Stichpunkte für einen Blog-Eintrag, den ihr im Falkenhaus oder zu Hause zu eurem Ausflug verfasst.

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