Icon Ort Nordfriedhof Altenessen

Hauerstraße 27, 45329 Essen | 51.501116, 7.015711‎ | +51° 30′ 4.02″, +7° 0′ 56.56″

Auf dem Altenessener Nordfriedhof sind 21 Menschen begraben, die bei einem Angriff der putschenden Reichswehr auf die Arbeitersiedlungen nahe des Rhein-Herne-Kanals 1920 getötet wurden. Es existiert keine Tafel, die auf die Umstände des gewaltsamen Todes hinweist. Die Nazis verfügten nach ihrer Machtübernahme, dass die Gräber nicht von den Angestellten des Friedhofs zu pflegen seien, da es sich bei den Toten angeblich um Kämpfer der Roten Ruhrarmee gehandelt habe. Auf diese Weise versuchten die Hitler-Anhänger, das Gedenken an den antifaschistischen Widerstand – den es bereits zu Zeiten der Weimarer Republik (1918-1933) gegeben hatte – zu ersticken. Aus Sicht der Nazis durften Menschen, die sich gegen das faschistische und rassistische Weltbild eingesetzt hatten, nicht zu Heldinnen oder Märtyrern erklärt werden.

Trauerhalle I

Die Trauerhalle auf dem Nordfriedhof mutet etwas spartanisch an

Historischer Hintergrund

Doch was genau war passiert? Am 13. März 1920 erschütterte ein Militärputsch die junge Weimarer Republik. Große Teile der Reichswehr um Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz versuchten, gewaltsam die Macht an sich zu reißen. Sie zwangen die Regierung in Berlin zur Flucht. Die meisten Putschisten waren Reichswehrangehörige oder ehemalige Soldaten der Armee des Kaiserreichs. Viele Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) waren in den Putschversuch involviert.

Landesweit schlossen sich rechtsextreme Freikorpsverbände zusammen, um den Aufstand zu unterstützen. Die Soldaten der Reichswehr, die sich dem Putschversuch verweigerten, lehnten es mehrheitlich ab, den Aufstand niederzuschlagen. Ihre Begründung: “Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr”.

Um die Errichtung einer rechtsextremen Diktatur zu verhindern, schlossen sich im Ruhrgebiet rund 50.000 Arbeiter und Arbeiterinnen zur Roten Ruhrarmee zusammen. Sie schlug das Freikorps „Lichtschlag“ vernichtend. Ein Generalstreik am 17. März 1920 machte dem Putschversuch der militanten Rechten schließlich den Gar aus. Drei Jahre später versuchte die extreme Rechte erneut, nach der Macht zu greifen. Hitlers Marsch auf Berlin konnte jedoch rechtzeitig gestoppt werden. Auch sein Versuch, in München die Regierungsgewalt zu übernehmen, scheiterte (Hitler-Putsch, 9. November 1923).

Nach dem Sieg über die Freikorps-Soldaten machte die Rote Ruhrarmee gleich weiter: nach dem Vorbild der jungen Sowjetunion versuchte sie, im Ruhrgebiet eine kommunistische Räterepublik zu errichten. Sie eroberte Stadt um Stadt – unter anderem Dortmund – und konnte erst durch Freikorps und Reichswehr im Verein gestoppt werden. Der sogenannte Ruhrkampf endete mit standesrechtlichen Erschießungen, bei denen zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen getötet wurden.

Kriegsopfer II

Auch auf dem Nordfriedhof finden sich Gräber von im Zweiten Weltkrieg Gestorbenen

13 Jahre später wurde den Nazis die Macht übertragen, die Weimarer Republik war Geschichte. Die putschenden Rechtsradikalen von 1920 können als Vorboten des Hitler-Faschismus betrachtet werden. Als Ausdruck ihrer teils völkischen Gesinnung hatten sie bereits das Hakenkreuz verwendet.

Die Epoche der Weimarer Republik (1918-1933) war geprägt von Kämpfen zwischen den verschiedenen politischen Lagern.

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Es gibt noch keine Gedenktafel, die auf den Mord an den Arbeitern hinweist. Überlegt, wie eine mögliche Gedenkstätte zu Ehren der Widerstandskämpfer und -kämpferinnen aussehen könnte. Macht euch Gedanken zum Design des Denkmals. Könnte es sich einer Symbolsprache bedienen? Welches Konzept kommt in Frage? Was würde auf einem Relief stehen, welches in das Denkmal eingelassen ist? Entwerft kleinere Texte, die euch passend erscheinen. Reflektiert darüber, inwieweit sich euer Denkmal auf alle antifaschistischen Menschen beziehen könnte, die seinerzeit ihr Leben im Kampf gegen die rechtsradikalen Freikorps gaben. Überlegt, wo sich eure Gedenkstätte befinden könnte.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Fortsetzung der ersten Aufgabe: fertigt eine Illustration des Denkmals an und formuliert einen Antrag an die Stadt, die das Denkmal in Auftrag geben soll. Oder sucht selbst eine Künstlerin / einen Künstler, der eure Idee Wirklichkeit werden lässt.

Figur

Ein Denkmal ohne Tafel oder längere Aufschrift, welches sich in unmittelbarer Nähe zu den Kriegsgräbern befindet

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