Icon Ort Gaststätte „Panoptikum“

Gerlingplatz 4, 45127 Essen | 51.460973, 7.018393‎ | +51° 27′ 39.50″, +7° 1′ 6.21″

(the facts given here are also available in English. So are the exercises which you find at the bottom of the following text)

Da wo heute die Gaststätte „Panoptikum“ ist, befand sich vor gut 80 Jahren das „Eldorado“. Das „Eldorado“ war ein beliebter Treffpunkt Essener Homosexueller. Hier wurden Kostümfeste („Blütenträume“) und andere Feierlichkeiten veranstaltet. Am 2. Mai 1933 wurde den Betreibern des „Eldorado“ die Konzession entzogen – das beliebte Lokal musste geschlossen werden. Eine Gedenktafel erinnert an die Ausgrenzung der Essener Homosexuellen durch das Nazi-Regime. Aus der Sammlung Horst Zimmers stammt dieser Artikel von 1999, der sich mit der Verfolgung homosexueller Menschen zu Zeiten des NS-Regimes auseinandersetzt.

Panoptikum I

Der Eingangsbereich des „Panoptikum“

Eldorado und Bücherverbrennung

Eine Menschenmenge versammelte sich am 21. Juli 1933 direkt vor dem damaligen „Eldorado“, um der von den Nazis inszenierten Bücherverbrennung beizuwohnen (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv).

Historischer Hintergrund

Für die Anhänger Hitlers war Homosexualität „widernatürliche Unzucht“, weshalb sie gegen schwule und lesbische Menschen vorgingen. Diese wurden willkürlich verhaftet, in Konzentrationslagern interniert, verfolgt und oftmals getötet. Die Nazi-Ideologie besagte, dass Lesben und Schwulen auch deshalb auszugrenzen seien, da sie nicht zur Vermehrung der „Herrenrasse“ beitragen konnten. Dennoch waren einige führende Nazis schwul, etwa Ernst Röhm, zu Beginn der Nazi-Zeit Stabschef der SA (Sturmabteilung, eine paramilitärische Schlägertruppe der Nazis zu Zeiten der Weimarer Republik). Hitler behauptete, bis 1934 nichts von der Homosexualität seines Partei-Freundes gewusst zu haben. Wahrscheinlicher ist, dass Hitler die sexuelle Orientierung Röhms solange akzeptierte, wie dieser ihm nutzte. Als Röhm 1934 mutmaßlich eigene Machtansprüche stellte und Reformen forderte, ließ Hitler ihn in der sogenannten „Nacht der langen Messer“ (30. Juni-1. Juli 1934) ermorden. Andere führende SA-Funktionäre teilten Röhms Schicksal. Die SA war in Hitlers Augen unnötig geworden, um ihm die Macht zu sichern. Dementsprechend konnte der Diktator die Macht und den enormen Einfluss Röhms auf dessen zahlenmäßig starke SA nicht länger akzeptieren.

Die Verfolgung von homosexuellen Menschen wurden in den Folgejahren immer weiter verschärft. In der Nazi-Presse wurden Röhms politisch ungewollte Ideen gezielt mit seiner Homosexualität in Verbindung gebracht. Ziel der Berichterstattung war es, Schwule und Lesben als gesellschaftliche Gruppe unbeliebter zu machen und als politische Gefahr hinzustellen.

Panoptikum II

Eine Speisekarte im heutigen „Panoptikum“

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die Gedenktafel, die sich rechts neben dem Eingang befindet. Sucht euch ein Datum aus, welches auf der Tafel zu finden ist. Schreibt einen kurzen Bericht im Stile von „Heute vor 100 Jahren“, in dem ihr auf die Geschehnisse eingeht, von denen die Tafel berichtet.

2) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Betretet das Panoptikum und fragt das Personal, was es von der Vergangenheit der Gaststätte weiß. Fragt, ob das Lokal noch heute ein Treffpunkt homosexueller Menschen ist und ob es auch heute noch gesellschaftliche Gruppen gibt, die dies kritisch sehen. Gab es schon Übergriffe oder Pöbeleien gegenüber Gästen? Wenn ja, von wem?

3) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Veröffentlicht das Bild mit der Tafel in dem Blog auf dieser Website. Eure Artikel könnt ihr – wenn ihr wollt – ebenfalls posten, genauso die Ergebnisse des Gesprächs mit dem Personal.

Ein Gedanke zu „Gaststätte „Panoptikum“

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