Icon Ort Südwestfriedhof

Fulerumer Straße, 45149 Essen | 51.435096, 6.966655‎ | +51° 26′ 6.35″, +6° 57′ 59.96″

(we have also compiled facts about this cemetery in English)

Der Südwestfriedhof ist ein Ort, an dem es mindestens vier für unser Spiel interessante Geschehnisse aufzuarbeiten gibt. Fragt die Falken-Mitarbeitenden, die euch begleiten, mit welchem der folgenden Abschnitte ihr euch beschäftigen solltet.

Südwestfriedhof Eingang

[1] Die Morde am Montagsloch

Auf dem Friedhof ruhen die Leichen von 34 sowjetischen Kriegsgefangenen. Sie wurden im März 1945 von der Gestapo erschossen, da diese Platz im Polizeigefängnis schaffen musste. Die Kriegsgefangenen wurden mit Telefondraht gefesselt und zum so genannten Montagsloch transportiert. Heute erinnert ein Gedenkstein im Gruga-Park an die Morde. Nach dem Erschießungskommando verscharrten die Gestapo-Beamten ihre Opfer in einem Bombentrichter. Die provisorischen Gräber wurden am 28. April 1945 von den Alliierten entdeckt. Die Leichen wurden ausgegraben und an Ort und Stelle würdig beigesetzt. Später fanden die Ermordeten ihre letzte Ruhe auf dem Südwestfriedhof.

Morde am Montagsloch Artikel

Ein Artikel aus der Neuen Ruhrzeitung vom 5. Mai 1995 zu den Morden am Montagsloch

Zum historischen Hintergrund: in den Jahren 1941-1945 gerieten mehr als fünf Millionen sowjetische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft. 3,3 Millionen von ihnen überlebten ihren erzwungenen Aufenthalt in Deutschland nicht. Die Unterbringung der Verschleppten war zumeist katastrophal. Viele Kriegsgefangene erkrankten an Epidemien, da die hygienischen Bedingungen sowie die Nahrungsmittelversorgung desaströs waren. Den Nazis ging es darum, die Arbeitskraft der Gefangenen so weit wie möglich auszubeuten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte viele zurückgekehrte ehemalige Kriegsgefangene erhebliche Probleme, sich in die sowjetische Gesellschaft einzugliedern. Die Kriegsgefangenschaft in Deutschland wurde unter Josef Stalin (Diktator in der Sowjetunion 1927-1953) vielfach als Verrat ausgelegt. Knapp 15% der ehemals in Hitler-Deutschland Inhaftierten wanderten in der Sowjetunion – als Strafe für ihren angeblichen „Verrat“ – ins Arbeitslager.

 

Aufgabe zu [1]

1) (++ / anspruchsvoll) Was sagt die Behandlung der Zwangsarbeitenden über das Hitler- bzw. über das Stalin-Regime aus? Versucht das Verhältnis dieser beiden Regime zum einzelnen Menschen und dessen Schicksal zu beschreiben. Ihr könnt zusätzliche Recherchen anstellen, um die Frage beantworten zu können.

 

[2] Letzte Ruhestätte für Zwangsarbeiter, KZ-Insassen und politische Persönlichkeiten

Auf dem Südwestfriedhof wurden zudem 321 Zwangsarbeiter des Nazi-Regimes beigesetzt. Diese Menschen kamen hauptsächlich aus der Sowjetunion und aus Polen. Auch die Urnen von 20 ehemaligen KZ-Häftlingen fanden hier ihre letzte Ruhe. Ebenso liegen bekanntere politische Personen hier begraben: etwa Heinz Renner, erster Oberbürgermeister Essens nach dem Krieg. Nach ihm ist heute das Heinz-Renner-Haus in der Severinstr. 1(Büro der Partei „Die Linke“) benannt. Auch Otto Hue – führender Funktionär des alten Bergarbeiterverbandes – hat hier seine letzte Ruhe gefunden.

Zwangsarbeiterin

Die Russin Zinaida Sterck-Walichowa war eine von zahlreichen Essener Zwangsarbeiterinnen (Bildquelle: Horst Zimmer).

Aufgabe zu [2]

1) (+ / für Einsteiger und Einsteigerinnen geeignet) Hört euch das Lied „Die Moorsoldaten“ an (Version des Liedermachers Hannes Wader). Was sagt euch dieses Lied über erzwungene Arbeit im Allgemeinen und das „Leben“ im Konzentrationslager im Besonderen? Welche Hoffnung scheint gegen Ende des Liedes durch? Was haltet ihr von dem Lied?

 

[3] Opfer des Kapp-Putsches (1920)

Desweiteren sind Opfer des rechten Kapp-Putsches (1920) hier beerdigt worden. Bei diesem Putsch versuchte eine Gruppe Rechtsradikaler unter Führung des Verwaltungsbeamten Wolfgang Kapp die noch junge Weimarer Republik zu stürzen und in eine Militärdiktatur zu verwandeln. Am Kapp-Lüttwitz-Putsch beteiligten sich viele Reichswehrangehörige, die die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht verwunden hatten und die demokratischen Kräfte Weimars dafür verantwortlich machten (Dolchstoßlegende). Die demokratische Republik von Weimar war diesen Menschen ein Dorn im Auge. Dem Kapp-Putsch stellten sich viele Tausend politisch linke Arbeiter und Arbeiterinnen entgegen. Der tätige Widerstand dieser Menschen, gepaart mit einem Generalstreik, konnten den Putsch schließlich vereiteln. Viele Anhänger Kapps trugen damals schon das Hakenkreuz am Helm.

 

Aufgaben zu [3]

1) (++ / anspruchsvoll) Was denkt ihr: warum war eine Diktatur, in der das Militär das Sagen hat, nicht im Interesse der Arbeiterinnen und Arbeiter? Denkt daran, dass kurz vor dem Kapp-Putsch der Erste Weltkrieg (1914-1918) Europa verwüstet hatte.

2) (++ / anspruchsvoll) Hört euch das Lied „Im blauen Hemd“ an. In einer anderen Variante des Songs heißt es „Nie, nie woll’n wir Waffen tragen, nie, nie wollen wir wieder Krieg. Lasst die hohen Herr’n sich selber schlagen – wir machen da nicht länger mit!“ Wer sind die „hohen Herren“ und warum sollen sie sich selber schlagen?

3) (+ / für Einsteiger und Einsteigerinnen geeignet) Findet heraus, inwieweit Wolfgang Kapp juristisch für den Putsch-Versuch bestraft worden ist. Was sagt euch das Ergebnis eurer Recherche über die junge Weimarer Republik?

 

[4] Opfer des Bombenkrieges

Angrenzend an die Fulerumer Straße befinden sich auch Gräberfelder, die an die Opfer des Bombenkrieges erinnern, auf dem Südwestfriedhof. Bei einem Bombenkrieg (andere Bezeichnung: Luftkrieg) handelt es sich um den Versuch von Streitkräften, durch flächendeckende Bombardements strategisch wichtige Orte des Gegners zu zerstören, ohne die eigenen Bodentruppen direkt in einen Kampfeinsatz – also in Gefahr – schicken zu müssen. Sehr hohe Verluste in der Zivilbevölkerung werden bei dieser Kriegstaktik in Kauf genommen; verheerende Verwüstungen sind die Folge.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Hitler-Deutschland diese Strategie zunächst auf Polen angewandt (1939). Die Nazis griffen hierbei auf Erfahrungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) zurück. Die Wehrmacht – die Armee des Nazi-Regimes – machte so mehrere polnische Orte dem Erdboden gleich und verschuldete den Tod von tausenden Menschen. Auch bei ihren Angriffen auf die Niederlande richteten die Nazis durch Luftangriffe gewaltige Schäden an. Der Versuch Hitler-Deutschlands im Jahre 1940 Großbritannien mit Luftangriffen in die Knie zwingen zu wollen, scheiterte. Im Gegenzug flogen die Briten nun Angriffe gegen deutsche Städte. Auch Essen war Ziel der englischen Streitkräfte. 1942/43 wurden die Essener Innenstadt sowie die Krupp-Werke von mehreren hundert britischen Fliegern angegriffen. Hierbei wurden mehrere tausend Gebäude zerstört und hunderte Menschen fanden den Tod. Die von den Nazis losgetretene Gewalt war einmal mehr nach Deutschland zurückgekehrt. In dem Gräberfeld, auf dem ihr euch gerade befindet, ruhen einige der Essener Getöteten des Bombenkrieges.

SW Blume

SW Platte

Zwischen den Gräbern befindet sich eine Steinplatte. Diese wurde von den Nazis 1943 installiert. Sie ist bis heute weder entfernt noch ersetzt worden.

 

Aufgaben zu [4]

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Lest euch die Inschrift der Steinplatte durch, die zwischen den Gräbern in den Boden eingelassen ist. Notiert euch in Stichpunkten, was ihr von dem Satz haltet. Was wollten die Nazis mit der Installation dieser Platte bezwecken?

2) (++ / anspruchsvoll) Lest euch den Text [4] auf dieser Seite durch und denkt über das Schicksal der hier Beerdigten nach; anschließend versucht ihr, einen alternativen Satz zu formulieren, der auf der Steinplatte stehen könnte. Besprecht in der Gruppe, was für eine Inschrift ihr bevorzugen würdet.

2 Gedanken zu „Südwestfriedhof

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