Icon Ort Rathaus / Schwarze Poth

Schützenbahn, 45127 Essen | 51.456922, 7.014295‎ | +51° 27′ 24.92″, +7° 0′ 51.46″

(a description of the role Essen’s town hall played in 1933 is also available in English)

Rathaus Essen

Im Essener Rathaus fand am 12. März 1933 die einzige und letzte Stadtverordnetenwahl nach Hitlers Machtantritt statt. Die NSDAP – Partei Hitlers – und die Deutschnationalen erreichten hierbei 37 Sitze. Die weiteren Sitze verteilten sich wie folgt: Zentrum 32 Sitze, Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 12, Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 9, christlicher sozialer Volksdienst 1 Sitz. Am 26. Mai 1933 wurden die SPD-Ratsherren durch die so genannte „Sturmabteilung“ der Nazis (SA) mit Gewalt aus dem Rathaus vertrieben. Die KPD-Ratsherren waren zu diesem Zeitpunkt bereits inhaftiert. Danach hatten NSDAP und Deutschnationale die Mehrheit inne. Im Herbst 1933 legt eine neue Gemeindeordnung fest, dass Ratsherren nunmehr ernannt werden sollten.

Nach ihrer Machtübernahme 1933 verstärkten die Nazis den Druck auf alle anderen Parteien und politischen Verbände. Am 1. Februar 1933 wurde der Reichstag aufgelöst, am 4. Februar Presse- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Am selben Tag veranlassen die Nazis die Zerschlagung sämtlicher Gemeindevertretungen Preußens und setzen Neuwahlen für den 12. März an. Räte und Bürgermeister, die nicht im Sinne der Nazis sind, werden nun rechtswidrig inhaftiert. Am 27. Februar wird der Reichstagsbrand von den Nazis dazu genutzt, politische Gegner zu verfolgen, in so genannte „Schutzhaft“ zu nehmen. Im Zuge des Brandes werden weitere Grundrechte von den Nazis für nichtig erklärt. Am 5. März gibt es Neuwahlen; NSDAP und Konservative erreichen hier eine knappe Mehrheit. Die anderen Parteien werden von den Nazis massiv behindert, etwa durch Einschüchterungen oder das Aberkennen von Mandaten. Auf diese Art gelingt es den Nazis, eine Zwei-Drittel-Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz zu bekommen. Dieses Gesetz legt die legislative (Gesetze machende) Gewalt in die Hände der Reichsregierung. Zur Abstimmung waren KPD-Abgeordnete nicht mehr zugelassen, auch einige SPD-Funktionäre wurden im Vorfeld inhaftiert. Im Juni/Juli 1933 werden SPD, Zentrumspartei und Deutschnationale Volkspartei (DNVP) aufgelöst bzw. verboten. Am 14. Juli 1933 erlässt die Reichsregierung ein Gesetz gegen die Neugründung von Parteien. Am 2. Mai 1933 waren bereits die Gewerkschaften von den Nazis zerschlagen worden.

 

Verwaltung des Buchenwald-Außenlagers „Schwarze Poth 13“

429px-Gedenktafel_KZ-Außenlager_Essen,_Schwarze_Poth

Unterhalb der Rathaus-Passage befand sich zu Zeiten des Hitler-Regimes die Verwaltung eines Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald. In der heutigen Innenstadt schufteten rund 150 Zwangsarbeiter, die Trümmerteile beseitigen mussten. Auftraggeber waren die „Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH“. Die Insassen des Lagers stammten mehrheitlich aus Russland (90) und Polen (40), sowie aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Luxemburg. Es handelte sich ausschließlich um Männer. Die Zwangsarbeiter waren angewiesen worden, verwertbares Material – wie etwa Ziegelsteine – aus den Trümmern des zerstörten Stadtzentrums zu bergen. Laut einer Inspektion der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes am 10 . Juli 1944, befand sich das Arbeitslager auf einer Fläche von 350×100 Metern. Da das Gelände für die Nazis schwer zu überblicken war, mussten relativ viele Wachposten eingesetzt werden, die die Zwangsarbeit der Inhaftierten überwachten. Die Inhaftierten wurden auch für die Entschärfung von Blindgängern missbraucht. Blindgänger sind Bomben, die bei ihrem Aufprall auf die Erdoberfläche nicht explodiert sind. Blindgänger unschädlich zu machen, gehört somit zu den gefährlichsten Arbeiten überhaupt.

Untersuchungen, die zwei Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg stattfanden, kamen zu dem Schluss, dass die Versorgung der Zwangsarbeiter mit Nahrung und Arbeitsmaterialien unzureichend gewesen ist. Aufgrund von Kräfteverfall fanden mehrere Inhaftierte den Tod. Das Lager wurde 1945 aufgelöst, noch bevor die Alliierten Essen einnahmen. Die Häftlinge wurden ins KZ Buchenwald deportiert.

Stadtwunde

2002 schufen Werner Ruhnau und Astrid Bartels die Erinnerungsstätte „Stadtwunde“. Auch eine Gedenktafel gibt es hier zu entdecken (siehe oben). Die hier aufgeführten Informationen stammen aus Ernst Schmidts Büchern „Lichter in der Finsternis“. Die Bände des bekannten Essener Historikers beleuchten die Geschichte der NS-Herrschaft wie auch den Widerstand gegen selbige.

Schwarze Poth

Eine Abbildung der KZ-Außenlager-Verwaltung „Schwarze Poth 13“ aus der Sammlung Horst Zimmers. In der Essener Humboldtstraße gab es zur Hitler-Zeit ein weiteres KZ-Außenlager.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulkassen

1) (+ / für Einsteiger und Einsteigerinnen geeignet) Die „Stadtwunde“ erinnert an die Opfer des Faschismus. Warum könnten Ruhnau und Bartels diesen Namen ausgewählt haben? Inwieweit ist dieser Ort eine Wunde? Findet ihr den Namen geeignet, fallen euch alternative Bezeichnungen ein? Schreibt einen kleinen Text, in dessen Verlauf ihr die Fragen beantwortet.

2) (++ / anspruchsvoll) Der „Schwur von Buchenwald“ wird oft überschrieben mit den Worten „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.“ Recherchiert im Internet, worum es sich bei diesem Schwur handelt. Als nächstes überlegt: wie sieht euer Rezept gegen Faschismus auf? Was können Menschen und Gesellschaften tun, um faschistische Ideen kleinzuhalten und nicht zur Bewegung werden zu lassen? Haltet eure Gedanken schriftlich fest.

3) (+ / für Einsteiger und Einsteigerinnen geeignet) Im Buchenwaldlied heißt es „Wenn der Tag erwacht, eh die Sonne lacht, die Kolonnen zieh’n zu des Tages Müh’n“. Was denkt ihr über das Lied? Worum geht es dem Sänger? Fallen euch ähnliche Lieder ein?

Ein Gedanke zu „Rathaus / Schwarze Poth

  1. Pingback: Projektwoche an der Gesamtschule Holsterhausen | Schlauer statt Rechts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.