Icon Ort Terrassenfriedhof in Schönebeck

Kaldenhoverbaum 55, 45359 Essen

Hier gibt es zwei große Gräberfelder, in denen Opfer des Bombenkrieges, Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter des Nazi-Regimes ruhen. Auch das Grab des Widerstandskämpfers Karl Lomberg befindet sich auf diesem Friedhof. Lomberg gehörte einer kommunistischen Widerstandsgruppe an und wurde mit 26 seiner Kameradinnen und Kameraden vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Dies geschah am 20. Oktober 1944.

Terrassenfriedhof Totenhalle

Dies ist die Fassade der Trauerhalle auf dem Terrassenfriedhof.

Der „Volksgerichtshof“ (VGH) wurde 1934 als Sondergericht gegründet – sein Ziel: die Verurteilung unliebsamer Personen wegen „Hoch- und Landesverrats“ gegen das Nazi-Regime. Die Gründung geht auf einen Beschluss Hitlers zurück, der politischen Widerstand der unabhängigen Justiz entziehen und rigoroser ahnden wollte. Am 18. April 1936 wurde der VGH in ein so genanntes ordentliches Gericht umgewandelt. Ihm kam nun eine „volkshygienische Aufgabe“ zu. Der VGH sollte die „Seuchengefahr“, die angeblich von politischen Angeklagten ausging, bekämpfen. Die Nazis sahen – gemäß ihrer rassistischen Weltanschauung – die Bevölkerung als Körper, der vor allem „Schädlichen“ geschützt werden müsse. Als schädlich im Sinne der Nazis galten bereits politische Meinungen, die von der offiziellen rassistischen Lehre abwichen.

Terrassenfriedhof Gräber

Die Gräber der Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen auf dem Terrassenfriedhof.

Der VGH fällte regelmäßig Todesurteile, deren Zahl mit Kriegsbeginn 1939 rapide anstieg. 1936 wurden elf Menschen auf Geheiß des VGH ermordet – 1943 waren es bereits 1662. Bis 1945 wurden schätzungsweise 5200 Todesurteile vollstreckt. In den Fokus des VGH konnte schon geraten, wer beispielsweise Nachrichten ausländischer Radiosender hörte oder kritische Urteile über Hitler fällte. Auch Zweifel am angeblich bevorstehenden „Endsieg“ der Nazis konnten zu einem (kurzen) Prozess führen.

Am 3. Februar 1945 wurde das Gebäude des VGH in Berlin durch einen Bombenangriff zerstört; hierbei kam der als besonders brutal geltende VGH-Präsident Roland Freisler ums Leben. Der VGH verhängte insbesondere gegen die Mitglieder von (antifaschistischen) Widerstandsgruppen Todesurteile. Zu den betroffenen Gruppierungen zählten die Rote Kapelle, die Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, die Weiße Rose, die Edelweißpiraten, der Kreisauer Kreis und die Attentäter des 20. Juli 1944 um Graf Stauffenberg.

Terrassenfriedhof Tafel

Auf dem Friedhof in Essen-Schönebeck erinnert eine Tafel an die Geschichte der hier Begrabenen.

Zeitungsartikel 1989 - Behandlung russischer Zwangsarbeiter in Essen

Ein Zeitungsartikel, der die Situation der Zwangsarbeiter in Essen thematisiert (Quelle: Horst Zimmer).

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Der Maler Otto Dix erlebte als Soldat den 1. Weltkrieg und hat seine Erlebnisse später in schockierende Bilder gebannt. Gebt den Namen des Malers bei der google-Bildersuche ein. Betrachtet seine Werke. Wählt ein Gemälde aus und versucht, es zu beschreiben. Was ist vordergründig zu sehen? Welche Atmosphäre wird vermittelt? Sucht euch einige Bilder aus und überlegt, welches am besten zum Schicksal der auf dem Schönebecker Friedhof Begrabenen passt. Begründet eure Entscheidung.

2) (++ / anspruchsvoll) Überlegt, ob ihr auch jemanden in eurer Gruppe habt, der / die gut zeichnen kann. Entwerft ein eigenes Motiv, welches auf die Geschichte der hier beerdigten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter anspielt.

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