Icon Ort Stolperstein zum Gedenken an Anton Deuter

Bocholder Straße 296, 45356 Essen | 51.475783, 6.974705‎ | +51° 28′ 32.82″, +6° 58′ 28.94″

Anton Deuter wurde am 28. August 1882 geboren. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Die Nazis steckten ihn aufgrund seines politischen Engagements ins Zuchthaus Herford. Dort traf Deuter auf den Essener Sozialdemokraten Otto Meister. Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten. Während dem „Tütenkleben“ diskutierten die Männer über politische Themen. Meister sagte später über Deuter:

„Im Tütensaal saßen wir uns gegenüber. Alle politischen Probleme wurden während der Arbeitszeit durchgesprochen, auch manch hitzige Debatte geführt. Es ließ sich auch mit ihm debattieren, da er in der Arbeiterjugend groß geworden war und ein überdurchschnittliches Wissen besaß.“

Anton Deuter

Vor Deuters ehemaligem Wohnhaus findet sich der Stolperstein, der ihm zu Ehren verlegt wurde.

Am 4. Oktober 1938 starb Anton Deuter im Konzentrationslager Buchenwald. Diese Informationen stammen aus „Lichter in der Finsternis“, einem Buch von Ernst Schmidt. Das Werk berichtet über das Leben und Wirken der Essener Gegner*innen des Nazi-Regimes.

Anton Deuter

Porträtfoto von Anton Deuter (Quelle: Haus der Geschichte Essen / Archiv Ernst Schmidt)

Warum hatten es die Nazis auf Anton Deuter abgesehen?

Kommunisten und Kommunistinnen zählten zu den Hauptfeinden der Nazis. Sie galten letzteren als „Vaterlandsverräter“, ihnen wurde eine Mitschuld an der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg gegeben, da sie mit kommunistischer Propaganda die „Moral“ der Bevölkerung gebrochen hätten. Gemäß des geflügelten Wortes aus dem Kommunistischen Manifest (1848 veröffentlicht, „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“) ist die kommunistische Perspektive internationalistisch. Die Nazis demgegenüber waren nationalistisch ausgerichtet.

Auch Funktionär*innen und Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wurden – insbesondere nach der Machtergreifung der Nazis – massiv verfolgt und bedroht. So auch Otto Meister, dem Deuter in Ostwestfalen begegnete. Die Nazis verschleppten ihre politischen Gegner*innen in Zuchthäuser und Konzentrationslager. Auf diese Weise schüchterten sie die Bevölkerung ein, so dass es nur noch wenige wagten, offen oder im Geheimen gegen den Faschismus aktiv zu werden. Auf diese Weise gelang es den Nazis, die Öffentlichkeit in ihrem Sinne gleichzuschalten.

Während der Weimarer Republik (1918-1933) gab es jedoch auch zwischen KPD und SPD erhebliche Differenzen, die – z. B. im Mai 1929 – auch in Gewalt umschlugen. Während die meisten Mitglieder der KPD einen gewaltsamen Umsturz forderten, wünschte eine Mehrheit in der SPD, den Sozialismus mittels Reformen herbeizuführen. Das Gros der SPD-Abgeordneten identifizierte sich stark mit der Weimarer Republik, die trotz aller Schwächen die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland war. Die kommunistische Bewegung trachtete danach, „Weimar“ so schnell wie möglich abzuschaffen, um es durch eine „Diktatur des Proletariats“ nach dem Vorbild der Sowjetunion zu ersetzen.

Hier findet ihr zusätzliche Informationen zu den Konflikten, die es in der Weimarer Republik zwischen den verschiedenen politischen Lagern gab.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Lest euch diese Seite durch. Wenn Passanten und Passantinnen vorbei kommen, deutet auf den Stolperstein und fragt: „Wissen Sie, was das ist?“ Kommt mit den Menschen ins Gespräch und erläutert die Idee der Stolpersteine.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Deuter starb im KZ Buchenwald. Der sogenannte „Schwur von Buchenwald“ – formuliert von den Häftlingen des KZs – lautet: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig.“ Was haltet ihr von diesem Schwur? Wie lässt sich die „Vernichtung des Nazismus“ ohne Gewaltanwendung vorantreiben? Einfacher ausgedrückt: was kann man gegen Rechtsextreme unternehmen? Schreibt eure Gedanken auf. Überlegt euch, ob der Schwur – bezogen auf das Hier und Jetzt – umgeschrieben oder verbessert werden könnte. Formuliert gegebenenfalls einen eigenen Schwur.

3) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Hört euch das Buchenwald-Lied an. Diskutiert in der Gruppe: was sagt das Lied aus? Was für einen Eindruck hinterlässt es bei euch?

4) (+++ / sehr anspruchsvoll) Begebt euch in Gedanken ins Zuchthaus Herford, zum „Tütenkleben“. Verfasst einen Dialog, wie er eurer Meinung nach zwischen Otto Meister (SPD) und Anton Deuter (KPD) stattgefunden haben könnte. Wie sahen die beiden – womöglich – die Chancen, auf legalem Wege die Lage der Arbeitenden zu verbessern? Was dachten sie über die Revolution? Wie begründeten sie ihren Widerstand gegen das Nazi-Regime?

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