Kategorie-Archiv: Orte

Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop

Im Neerfeld 6, 45359 Essen | 51° 28′ 50″ N, 6° 54′ 22″ 0

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Bei der Walter-Pleitgen-Schule handelt es sich um ein seit langem leerstehendes Gebäude, welches die Stadt Essen für die Unterbringung von Asylsuchenden nutzt. Etwa 130 Geflüchtete sind bereits in der ehemaligen Schule untergekommen. Mehrere Organisationen, die sich für das Wohlergehen von flüchtenden Menschen einsetzen (z. B. Pro Asyl), fordern die politischen Entscheidungsträger dazu auf, die Menschen nur vorübergehend in der Schule unterzubringen. Auf lange Sicht sollten die Asylsuchenden in richtigen Wohnungen leben können. Denn das Leben in der Schule bedeutet unter anderem: wenig bis gar keine Privatsphäre und schlechte sanitäre Versorgung (wenig Toiletten und Badegelegenheiten). Hinzu kommt die Gefahr rassistisch motivierter Übergriffe, obwohl die Schule derzeit rund um die Uhr bewacht wird.

Die Atmosphäre im Stadtteil war bereits vor dem Zuzug der Asylsuchenden vergiftet: rechte und neofaschistische Parteien wie „ProNRW“ und die NPD schüren Ängste vor den Flüchtenden und heizen die Stimmung auf. Die menschenverachtende Propaganda der Rechtsparteien geht Hand in Hand mit einer ausländerfeindlichen und ebenfalls rassistischen Grundhaltung in Teilen der Frintroper Bevölkerung. Im Stadtteil haben sich sogar schon Initiativen gegen die Flüchtenden gegründet. Gegen die Asylsuchenden bestehen hartnäckige Vorurteile, wie auch das folgende Plakat zeigt:

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Rassismus in Deutschland

Am 7. September 2013 demonstrierte die neofaschistische NPD in Frintrop gegen die Asylsuchenden und deren Menschenrechte. Sympathisanten und Sympathisantinnen mischten sich – unter den Augen der Polizei, die erst nach Aufforderung eingriff – unter die Gegen-Demonstration. Mit verschränkten Armen und grimmigen Gesichtern wurde von den Rechten eine Drohkulisse aufgebaut. Diese Demo zeigte einmal mehr, wie gezielt die NPD auf aktuellen Debatten aufsattelt, um sich als „Partei wie jede andere auch“ zu inszenieren.

Am 5. Oktober 2013 folgte dann „ProNRW“ in unmittelbarer Nähe zur Pleitgen-Schule mit einer Kundgebung. Auch hier gab es Gegenproteste.

Historischer Hintergrund

Auch zu Zeiten des Hitler-Regimes spielte die heutige Walter-Pleitgen-Schule eine – leider unrühmliche – Rolle. Damals noch unter dem Namen Neerfeldschule wurde sie als ein sogenanntes Arbeitserziehungslager genutzt. Als solches diente die Schule als Auffangstation für Zwangsarbeitende, die aus Sicht der Nazis Verfehlungen begangen hatten. Mit brutalen Methoden wurden die Insassen von der Gestapo – der die Lagerleitung oblag – gegängelt. Dementsprechend hießen die Lager im Volksmund „KZ der Gestapo“. In Essen gab es noch andere Arbeitserziehungslager – etwa in der damaligen Süderichschule oder auf dem Flughafengelände Essen-Mülheim. Der Historische Verein für Stadt und Stift Essen veröffentlichte 2001 gemeinsam mit dem Stadtarchiv Essen ein Begleitheft mit dem Titel Zwangsarbeit in Essen. Das Heft, welches auch als PDF-Datei erhältlich ist, enthält detaillierte Informationen zum Thema, dazu zahlreiche Fotos. Gerne senden wir euch die Broschüre per E-Mail als PDF zu.

Wir Falken solidarisieren uns ausdrücklich mit den Flüchtenden. Die Asylsuchenden verließen ihre Herkunftsländer, weil sie dort von Armut, politischer Verfolgung und Rechtlosigkeit bedroht sind. Von der Armut in der sogenannten „Dritten Welt“ profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner der reichen Länder. So sind etwa Textilien und Elektrogeräte nur deshalb relativ günstig, weil sie in südostasiatischen Ländern für Hungerlöhne produziert bzw. zusammengesetzt werden. Zudem gehen viele Konflikte in – beispielsweise – afrikanischen Ländern auf die Kolonialgeschichte des Kontinents zurück. In mehreren Regionen der Welt eskalieren zwischenstaatliche und ethnische Konflikte, weil Unmengen von Waffen im Umlauf sind, die in den reichen Ländern hergestellt werden. So ist Deutschland etwa der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Nur die USA und Russland beliefern die Welt mit noch mehr Waffen pro Jahr. Zahlreiche Asylsuchende flüchten zudem vor Naturkatastrophen, die zu einem großen Teil auf unser Wirtschaftssystem zurückzuführen sind, welches Wachstum um jeden Preis verlangt. Unsere Konsumgesellschaft und Wirtschaftslogik tragen also maßgeblich zur Armut in dieser Welt bei.

 

Aufgaben für Schulklassen / Jugendgruppen:

1) Kommt mit den Geflüchteten ins Gespräch. Findet heraus, warum die Menschen ihre Heimatländer verlassen mussten. Fragt sie nach ihren unmittelbaren und zukünftigen Zielen.

2) Überlegt, welche gemeinsamen Aktivitäten (z. B. Straßenfeste, Runde Tische, Begegnungen) es zwischen Anwohnern und Asylsuchenden geben könnte. Haltet eure Ideen schriftlich fest. Stellt Kontakt zu Pro Asyl her, um herauszufinden, welche Berührungspunkte es bereits mit den Geflüchteten gibt.

3) Dokumentiert, was euch an der Unterbringung der Asylsuchenden stört. Schickt eure Ergebnisse dem Sozialdezernenten der Stadt Essen. Auch hier wird euch Pro Asyl sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Steeler Synagoge

Isinger Tor, 45276 Essen | 51.449260, 7.077230‎ | +51° 26′ 57.34″, +7° 4′ 38.03″

(we have also compiled facts about the synagogue in English)

Am Rande der Steeler Innenstadt gab es vom 14. September 1883 bis zum 10. November 1938 eine Synagoge. Diese wurde regelmäßig von den in Steele wohnhaften Juden und Jüdinnen besucht. Sie war im Jahr 1883 von den damals 183 in Steele lebenden Menschen jüdischen Glaubens geweiht worden.

Foto 1938 Rauchende Ruine der Synagoge Steeler Str. Essen

Aus der Sammlung von Horst Zimmer stammt dieses Bild der brennenden Steeler Synagoge. Schaulustige Bürgerinnen und Bürger beobachten die Szenerie.

Steeler Synagoge ISteeler Synagoge II

Heute kennzeichnen Pflastersteine die ehemaligen Umrisse der Synagoge. Zudem deutet ein in die Hauswand eingelassenes Relief auf die Geschichte dieses Ortes hin.

Die rassistische Politik der Nazis machte auch vor den jüdischen Familien, die in der Nachbarschaft der Synagoge lebten, nicht halt. Im Jahre 1942 deportierten die Faschisten vier Mitglieder der Familie Isaack nach Izbica (Siegfried, Ruth, Margarete und Bruno Isaack). Die Stolpersteine am südlichen Ende der Steeler Innenstadt legen hiervon Zeugnis ab. In der Reichspogromnacht (9.-10. November 1938) verwüsteten die Faschisten das Gebäude und drangsalierten dessen regelmäßige Besucher, die im Ortsteil ansässigen Juden. In jener Nacht steckten Nazis in ganz Deutschland jüdische Geschäfte sowie religiöse Stätten in Brand. Gleichzeitig terrorisierten sie Menschen jüdischen Glaubens; viele wurden in den Freitod getrieben. Mit der Reichspogromnacht war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs, insbesondere ab 1941, verübten die Nazis einen historisch beispiellosen Massenmord an Jüdinnen und Juden, dem 6,3 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Bereits in den Jahren 1933 (Machtergreifung der Nazis) bis zu ebenjener „Kristallnacht“ waren Jüdinnen und Juden von den Faschisten immer weiter zu Menschen zweiter Klasse degradiert worden. Die Nürnberger Rassegesetze (1935), durchweg rassistische Justizurteile sowie eine täglich dröhnende Propaganda bildeten den gesellschaftlichen Hintergrund, vor dem sich schließlich der Genozid ereignete.

Stolpersteine Isaak

Mit den Stolpersteinen versucht der Künstler Gunter Demnig, den Opfern des Hitler-Faschismus ihre Namen zurückzugeben. Das Projekt möchte die Schicksale der vom Holocaust Betroffenden in den Vordergrund rücken. Hier erfährt du mehr über die Situation der Jüdinnen und Juden im “Dritten Reich”. Der ehemalige Mitarbeiter des Essener Jugendamts, Horst Zimmer, stellte uns noch mehr Material (Bilder und Zeitungsartikel) zur Verfügung, welches sich mit der Zerstörung der Steeler Synagoge beschäftigt. Dass Antisemitismus kein Relikt der Vergangenheit ist, beweist übrigens diese Reportage. Dieser Zeitungsartikel von 1988 lässt Zeitzeuginnen zu Wort kommen, welche die November-Pogrome 1938 hautnah miterlebten. Auch dieser Artikel von 1994 beschäftigt sich mit dem von den Nazis beschönigend „Reichskristallnacht“ getauften Schreckensereignis.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Lest euch die auf dieser Seite gegebenen Informationen gut durch. Fragt Passantinnen und Passanten, ob sie wissen, was an diesem Ort einmal war. Gebt ihnen gegebenenfalls Tipps. Ihr könnt die Menschen beispielsweise darauf hinweisen, dass es sich um ein Gebäude handelt, welches durch eine Gewalteinwirkung zerstört wurde. Eine andere Möglichkeit ist es, den Vorbeigehenden zu sagen, wann sich hier etwas ereignete. Bei ahnungslosen Passanten müsst ihr auf Rückfragen gefasst sein, die ihr mit Hilfe dieser Seite beantworten könnt.

2) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert das Relief, welches in die Hauswand eingelassen ist. Ihr könnt es in eurem Blogeintrag verwenden oder dieser Website zur Verfügung stellen.

3) (+++ / sehr anspruchsvoll) Stellt euch vor, die Synagoge stünde noch und es wäre das Jahr 1932. Ihr seid mit einer jüdischen Großfamilie befreundet, die soeben das Gebäude verlassen hat, um nach Hause zu gehen. Die Machtergreifung der Nazis steht nur noch ein Jahr zuvor, es herrschen unsichere Zustände in Deutschland. Überlegt euch, wie ein Gespräch aussehen könnte, welches ihr als Freund / Freundin der Familie mit jener führt. Vielleicht schlagt ihr der Familie vor in ein anderes Land auszuwandern? Oder bietet ihr Unterstützung an? Haltet eure Ideen schriftlich fest. Folgt der Falken-Mitarbeiterin, denn sie weiß, wo eure Familie in Steele lebt – nur einen kurzen Fußweg von der Synagoge entfernt. Wenn ihr dort angekommen seid, endet das Rollenspiel und ihr kehrt ins Jahr 2013 zurück.

4) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Vor euch auf dem Straßenpflaster entdeckt ihr die Stolpersteine der Familie Isaack, die 1942 von den Nazis in den Tod verschleppt wurde. Haltet eine Schweigeminute ab und stellt euch vor, wie es ist, plötzlich aus der vertrauten Umgebung gerissen und in eine weit entfernte Region gebracht zu werden.

Stolpersteine zum Gedenken an die Loewenthals

Borbecker Platz 2, 45355 Essen | 51.473718, 6.949758‎ | +51° 28′ 25.38″, +6° 56′ 59.13″

(the Loewenthal’s sad story is also available in English)

Das Schicksal der Familie Loewenthal steht exemplarisch für das Leiden der jüdischen Bevölkerung im Nazi-Regime (1933-1945). Ernestine Loewenthal (Geburtsname Heymann) wurde am 17. März 1888 geboren. Ihre Familie betrieb ein Herrenkonfektionsgeschäft in Borbeck. Am 27. Oktober 1941 wurde sie von den Nazis nach Łodz deportiert. Heute erinnern Stolpersteine an den Leidensweg der Familie. Pate der Steine ist der Kultur-Historische Verein Borbeck. Die Stolpersteine wurden am 15. November 2005 verlegt. Sie finden sich im Herzen des Stadtteils, auf dem Borbecker Platz; hier lebte die Familie Loewenthal bis zu ihrer Deportation.

Loewenthal 3 Steine

Wer die Stolpersteine betrachtet, steht unmittelbar vor dem ehemaligen Wohnsitz der Familie Loewenthal.

Auch andere Mitglieder der Familie wurden von den Faschisten verschleppt. Ernestine Loewenthals Ehemann Sally (*18. Dezember 1883) und ihr gemeinsamer Sohn Manfred (*7. Februar 1922) wurden ebenfalls inhaftiert. Sally und Manfred Loewenthal kamen ins Konzentrationslager Dachau. Nachdem Manfred aus diesem KZ entlassen worden war, kehrte er nach Belgien zurück, wo er zuvor eine Mechanikerlehre gemacht hatte. Von dort wurde Manfred ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurde er getötet, am 14. September 1942.

Bereits in der Reichspogromnacht (9./10. November 1938) war das Geschäft der Familie von den Nazis verwüstet worden. In dieser Nacht wurden in allen größeren Städten Synagogen angezündet, jüdische Geschäfte zerstört und zahlreiche Juden und Jüdinnen ermordet.

Sally Loewenthal war der Geschäftsführer des Herrenkonfektionsgeschäfts. Eine Borbeckerin, die dort angestellt war, erinnerte sich nach der Pogromnacht an den Anblick des Ladens, nachdem dieser von den Faschisten zerstört worden war:

„Als ich morgens zur Arbeit kam, sah ich von weitem, was geschehen war. In und vor dem Goldblumgeschäft ein einziges Chaos. Bis zur Dionysiuskirche hatte man Gegenstände, die zur Ladeneinrichtung gehörten, verstreut oder an Laternenmasten aufgehängt. Auf einer Schaufensterbüste erkannte ich meine Mütze, die ich am Tage zuvor vergessen hatte. Im Geschäft lag alles durcheinander. Die Fensterscheiben waren eingeschlagen, die Ladeneinrichtung völlig demoliert und Anzüge mit Farbe bespritzt. Ich traf nur Frau Loewenthal. Sie weinte bitterlich. Ihren Mann hatte man mitgenommen.“

Die hier wiedergegebenen Informationen stammen aus Ernst Schmidts Aufsatz „Es läuft da eine gewisse Aktion. Die jüdischen Schüler.“ Der Text ist in „Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend“ erschienen, einem Buch von Klaus Lindemann. Zudem wurde der Bericht „Schaufensterpuppen an den Straßenlaternen. Neue Berichte über die Nacht des Schreckens im November 1938“ herangezogen. Dieser Artikel – ebenfalls von Ernst Schmidt – ist in den Borbecker Nachrichten vom 28. Oktober 1983 veröffentlicht worden. Zusätzlich wurde auf die Reihe „Lichter in der Finsternis. Gegner und Verfolgte des Nationalsozialismus in Essen“ (Ernst Schmidt) als Quelle zurückgegriffen. Hier haben wir generelle Informationen über die Situation der Jüdinnen und Juden im “Dritten Reich” zusammengestellt.

Zeitungsartikel-Aus-dem-Leben-jüdischer-Familien-in-Borbeck-Walter-Rohr-1988

Dies ist ein Zeitungsartikel aus den Borbecker Nachrichten, der das Leben der Borbecker Jüdinnen und Juden zu Zeiten des Hitler-Regimes beschreibt (Quelle: Ernst-Schmidt-Archiv).

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Lest euch die Infos auf dieser Seite gut durch, insbesondere das längere Zitat einer Borbeckerin, die über die Zerstörung des Geschäfts berichtet. Denkt die Geschichte weiter: die ehemalige Angestellte des Loewenthal’schen Geschäfts, von der das Zitat stammt, möchte die Frau von Sally Loewenthal trösten. Zwei Wochen nach der Pogromnacht treffen sich die beiden. Wie könnte ihr Gespräch aussehen? Wie verarbeiten sie es, dass in der Nacht vom 9. auf den 10. November in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen in Flammen aufgegangen sind? Bietet die Borbeckerin, die selbst keine Jüdin ist, Unterstützung an oder geht sie während des Gesprächs auf Distanz? Fallen den Frauen Auswege ein oder nehmen sie die Situation lediglich klagend hin? Wo findet das Gespräch statt? Direkt in der Öffentlichkeit – beispielsweise auf dem Borbecker Marktplatz – oder doch eher hinter zugezogenen Gardinen?

2) (++ / anspruchsvoll) Auf den Stolpersteinen sind nur wenige Informationen zu finden. Entwickelt – auf der Grundlage dieser Seite – das Konzept einer Gedenktafel, die neben den Stolpersteinen platziert werden könnte. Was müsste / könnte / sollte auf dieser Tafel stehen? Werden die Entführer Sally Loewenthals beim Namen genannt? Gibt es einen Leitspruch, beispielsweise aus dem Alten Testament? Enthält die Tafel ein religiöses Symbol oder eine Illustration? Aus welchem Material könnte sie sein? Stellt sie einen Bezug zur Judenverfolgung im Allgemeinen her oder beschränkt sie sich auf das Schicksal der Borbecker Familie Loewenthal?

Burgplatz

Burgplatz, 45127 Essen | 51.455451, 7.013887‎ | +51°27’19.62″, +7°0’49.99″

(a description of the part the Burgplatz played between 1933 and 1945 is also available in English)

Im Zeitraum 1933-1945 hieß der Burgplatz Adolf-Hitler-Platz. Auch andere Orte in Essen teilten das Schicksal des Burgplatzes, waren zur Zeit des Faschismus nach Nazi-„Größen“ benannt. So hieß etwa die Rüttenscheider Straße „Hermann-Göring-Straße“, die Wilhelm-Straße wurde „Straße der SA“ getauft und der Rüttenscheider Platz trug den Namen des SA-Schlägers Horst Wessel. In verschiedenen Städten wurden selbst Schulhäuser nach bekannten Nazis benannt.

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933 (Quelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv).

Historischer Hintergrund

Die Umbenennung von öffentlichen Plätzen und Straßen ist typisch für Unrechtsregime. Meistens finden die Namen von bekannten Mitgliedern der jeweiligen Bewegung Verwendung. Besonders beliebt sind Personen, denen ein Märtyrer-Status beigemessen wird. Im Nazi-Jargon wurden Menschen, die sich in der Weimarer Zeit (1918-1933) besonders für den Faschismus verdient gemacht hatten, als „Blutzeugen der Bewegung“ bezeichnet, sofern sie im Zuge ihres Engagements starben. Im Rahmen der heftigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden paramilitärischen Verbünden fanden zahlreiche Menschen in den späten 1920er-Jahren den Tod. Die brutalste Gewalt ging von der faschistischen SA („Sturmabteilung“) aus. Die SA war ein zentrales Element der Nazi-Bewegung, die schließlich 1933 die Macht übernahm. Ihre Hauptaufgabe war die Einschüchterung politischer Gegner*innen. In vielen Städten machten SA-Gruppen gezielt Jagd auf sozialdemokratisch, sozialistisch und kommunistisch eingestellte Menschen. Die SA verübte zahlreiche politisch motivierte Morde.

Die Umbenennung der Straßen und öffentlichen Räume erfolgte, um eine dauerhafte Präsenz der faschistischen Ideologie im Alltag zu gewährleisten. Die Menschen sollten – auch wenn sie gänzlich unpolitischen Geschäften nachgingen – immer wieder mit den vermeintlichen „Größen“ der Nazi-Bewegung konfrontiert werden. Gleichzeitig sollten die Straßennamen die Identifikation aktiver Nazis steigern und die Bewegung nach innen stärken. Zudem – so das Kalkül der für die Namensgebung Verantwortlichen – sollten antifaschistisch engagierte Menschen demotiviert werden.

Heutige Situation

Auch heute gibt es noch Straßen in Essen, die nach Personen benannt sind, die in der Weimarer Republik oder der frühen Hitler-Zeit eine unrühmliche Rolle spielten. Beispielsweise gibt es eine Hindenburgstraße. Paul von Hindenburg war Feldmarschall der Deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, da er – wie viele Konservative seinerzeit – die Nazis und deren Ziele unterschätzte. Die Nazis täuschten bewusst eine Nähe zur Kaiserzeit – und diese wurde von Hindenburg verkörpert – vor, um auch für Konservative wählbar zu sein. Die Konservativen wiederum schätzten die Entschlossenheit (bzw. Brutalität), mit der die Nazis gegen die politische Linke vorgingen.

Auch in der Weimarer Zeit (1918-1933) waren sich die politischen Lager bereits gegenüber gestanden.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulkassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Es ist das Jahr 1945; Essen ist soeben von den Alliierten befreit worden – die Nazi-Herrschaft ist Vergangenheit. Was aber tun mit den Straßen und Plätzen, die noch zum Teil die Namen von Faschisten tragen? Euch ist klar, dass nun neue Namen her müssen. Warum keine Benennung, die klar macht: der Nazi-Spuk ist vorbei! Denkt euch Bezeichnungen für den Burgplatz aus, die einen Bezug zum Widerstandskampf gegen das Nazi-Regime oder zur noch jungen demokratischen Tradition Deutschlands aufweisen. Diese Website könnt ihr als Quelle nutzen. In der Link-Liste rechts auf dieser Seite findet ihr weitere Geocaching-Spielorte. Falls ihr Namen entdeckt, ruft die Seite auf und diskutiert, inwieweit die betreffende Person als Namenspatron geeignet ist. Natürlich könnt ihr auch eigene Recherchen im Internet anstellen. Wichtig: begründet die Namenswahl. Haltet eure Ideen in Stichpunkten schriftlich fest.

2) (++ / anspruchsvoll) Vielleicht kennt ihr Straßenschilder, unter denen kurze Erklärungen angebracht sind, die erläutern, um wen es sich beim Namenspatron der Straße handelt. Überlegt euch ein oder zwei kurze Sätze, die darauf hinweisen, wer der Namenspatron war und worin sein Verdienst bestand. Wenn ihr euch unsicher seid, kann dieses Muster zur Orientierung dienen: NAME (*18?? – +19??), war ein/-e Essener Bürger/-in, der/die während der Hitler-Zeit im Widerstand aktiv war. Er/sie verteilte Flugschriften / leitete Informationen ins Ausland / half jüdischen Mitmenschen bei der Flucht. (versucht eine Ergänzung)

Landgericht und Gefängnis in der Zweigertstraße

Zweigertstraße 52, 45130 Essen | 51.436902, 6.998802‎ | +51° 26′ 12.85″, +6° 59′ 55.69″

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Eine Postkarte, die das Essener Landgericht zeigt (Bildquelle: Haus der Essener Geschichte / Stadtarchiv)

Im Gebäude des Landgerichts wurden zur Zeit des Nazi-Regimes (1933-1945) zahlreiche politisch Verfolgte zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt. Auch ein eigens für Verstöße gegen das „Heimtückegesetz“ errichtetes „Sondergericht Essen“ hatte ihr seinen Sitz. Hinter dem Gerichtsgebäude befand sich die Untersuchungshaftanstalt, im Volksmund „Haumannshof“ genannt. Nach Abschluss der Vernehmungen durch die Gestapo wurden viele Häftlinge hierhin gebracht. In dem Dreieck Gestapohaus Kortumstraße, Polizeigefängnis und Haumannshof kamen 13 politische Häftlinge ums Leben, zwei wählten den Freitod und acht weitere wurden nach Bombenangriffen tot aus den Trümmern geborgen.

Polizeipräsidium

Dieser Text aus der Sammlung Horst Zimmers lässt erahnen, wie es den Essener Gegnerinnen und Gegnern des Nazi-Regimes erging.

Historischer Hintergrund

Das „Rechts-„System der Nazis beruhte nicht auf Verfassungsnormen und fairen Prozessen, sondern auf willkürlichen Verordnungen, die oftmals „von oben“ diktiert wurden. Zudem zog sich die rassistische Ideologie der Nazis wie ein brauner Faden durch die gesamte Justiz des „Dritten Reichs“. Politische Gegner und Gegnerinnen sowie Menschen jüdischen Glaubens waren zu Zeiten des Nazi-Regimes praktisch rechtlos. Sie wurden willkürlich verfolgt und inhaftiert. Das menschenverachtende System der Konzentrationslager tat sein Übriges: Menschen, die nicht dem Weltbild der Nazis entsprachen, waren beständig vom Tod bedroht.

Bei der Etablierung des Polizeistaats durch die Nazis spielte die Gestapo eine entscheidende RolleNach ihrer Machtübernahme schalteten die Faschisten die politische Konkurrenz mit rabiaten Mitteln aus; doch bereits in den 20er-Jahren hatten sie die Anhänger und Anhängerinnen der anderen politischen Kräfte durch Straßenterror eingeschüchtert.

In einem Band von Dr. Ernst Schmidt findet sich ein Artikel, der den Tod einer Frau durch die Gestapo beschreibt. Klickt auf den Link, um die PDF-Datei aufzurufen. Ein WAZ-Zeitungsartikel aus dem Jahre 1989 veranschaulicht, wie Stefan Heym (ein Deutscher, der in die USA ausgewandert war) als US-Soldat ins Deutsche Reich zurückkehrt. In den Nachkriegsjahren versuchte er, Licht ins Dunkel der Nazi-Verbrechen zu bringen.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklasse

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert das Gebäude. Ihr könnt das Foto im Falkenzentrum Süd nachbearbeiten und es dieser Website zur Verfügung stellen. Überlegt, welche Perspektive beim Fotografieren was vermittelt. Nehmt ihr das Gebäude beispielsweise von unten auf, wirkt es vielleicht bedrohlich oder beängstigend.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Lest euch diese und die verlinkten Seiten durch. Erstellt ein Schaubild, welches wichtige Bausteine des Nazi-Terrors beschreibt. Versucht euch der Frage zu nähern, wie so etwas wie das Nazi-Regime möglich sein konnte. Hier einige Beispiele, die ihr als Bausteine in eurer Grafik verwenden könnt: „Furcht in der Bevölkerung“, „Straßenterror durch die SA“, „Feindlichkeit gegenüber Juden und Jüdinnen“. Überlegt, wie die Bausteine miteinander verbunden sein können. Wenn es nötig ist, schreibt kleinere Erläuterungen an den Rand des Schaubilds.

Jüdische Volksschule

Sachsenstraße 33, 45128 Essen | 51.448740, 7.002952‎ | +51° 26′ 55.46″, +7° 0′ 10.63″

Seit 1927 war die jüdische Volksschule im Haus Sachsenstraße 33 untergebracht. Nach mehreren Umzügen wurde sie in das Barackenlager Holbeckshof verlegt. Hier fand auch während der Verfolgung durch die Nazis ein halbwegs geregelter Unterricht statt. 1933 entzogen die Nazis der Schule den öffentlich-rechtlichen Charakter, sie unterstand nun der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

Jüdische Volksschule

Ein Dokument aus dem Stadtspiel Horst Zimmers, welches sich mit der jüdischen Volksschule befasst (Bildquelle: Horst Zimmer).

Nach der Reichspogromnacht zwischen dem 9. und 10. November 1938 musste die Schule kurzzeitig geschlossen werden. In jener Nacht wurden deutschlandweit jüdische Einrichtungen angezündet und zerstört. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden von den Anhänger*innen Hitlers getötet oder in den Freitod getrieben.

Historischer Hintergrund

Am 15. November 1938 verboten die Nazis allen Jüdinnen und Juden, eine öffentliche Schule zu besuchen. Ein Erlass am 20. Juni 1942 erzwang die Schließung aller jüdischen Volksschulen. Gleichzeitig behaupteten die Nazis – gemäß ihrer rassistischen Ideologie – Juden seien als „Rasse“ minderwertig, also auch weniger intelligent – verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt. Wie bei allen rassistischen Aussagen war auch dies eine Unwahrheit, mittels derer die Nazis die weitere Ausgrenzung jüdischer Menschen aus dem öffentlichen Leben vorantreiben und rechtfertigen wollten.

Inschrift Ersatz

Dieses Relief, welches in Steele am Isinger Tor in eine Hauswand eingelassen ist, erinnert an die Steeler Synagoge, die die Nazis in der Pogromnacht 1938 schändeten und schließlich zerstörten. Die Inschrift nimmt Bezug zur jüdischen Volksschule.

Die Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen gipfelte schließlich im Holocaust, dem beispiellosen Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. 6,3 Millionen Menschen jüdischen Glaubens starben zwischen 1939-1945 in den Konzentrations-, genauer: den Vernichtungslagern der Nazis. Die Nazis hatten ihrem rassistischen Wahn menschenverachtende Taten folgen lassen.

Ab 1939 richteten die Nazis verschiedene „Judenhäuser“ ein, um den jüdischen Teil der Bevölkerung besser überwachen zu können. Eines dieser Häuser befand sich in Frohnhausen, an der Onckenstraße.

Hier erfährt ihr mehr über das System der Konzentrationslager sowie über das Thema Antisemitismus und Holocaust.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Schaut euch vor dem Gebäude um. Entdeckt ihr eine Tafel oder einen anderen Hinweis auf die Vergangenheit dieses Ortes? Stellt euch vor, ihr gestaltet einen Guide für Touristen und die ehemalige jüdische Volksschule kommt in ihm vor. Macht Fotos von dem Ort und entwerft einen Text dazu, so dass sich Besucher und Besucherinnen Essens ein Bild von der Sachsenstraße 33 machen können.

Ludgerusschule in Essen-Werden

Kellerstraße 86, 45239 Essen | 51.388093, 7.013458‎ | +51° 23′ 17.13″, +7° 0′ 48.45″

Die Ludgerusschule in Essen-Werden wurde im Mai 1933 vom freiwilligen Arbeitsdienst – den so genannten „Werksoldaten Hitlers“ – als Kaserne genutzt. Der Adolf-Hitler-Kaserne unterstanden sechs Arbeitsdienstlager im Stadtbezirk Groß-Essen unter Leitung des Oberlagerführers Georg Fabry. Fabry billigte einen Angriff der Werksoldaten auf den Sozialdemokraten Peter Burggraf. Die Attacke ereignete sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1933. Burggraf erlag kurze Zeit später den Verletzungen, die er davon getragen hatte.
Schulleiter Heinz Rieck erwähnte in einer Schrift zur Schulgeschichte, dass vom Frühsommer 1943 an fast der gesamte Schulunterricht gestoppt worden sei. Die Klassen seien in der Kinderlandverschickung gewesen, die verbliebenen Kinder wurden nicht betreut.

Ludgerusschule

Bildquelle: Ernst-Schmidt-Archiv Essen

Historischer Hintergrund

Der freiwillige Arbeitsdienst war zu Zeiten der Weimarer Republik (1918-1933) eingeführt worden, um die zahlreichen Arbeitslosen zu beschäftigen. In der Frühphase des Nazi-Regimes wurde der Dienst zunehmend militärisch interpretiert. Ab 1935 hieß er Reichsarbeitsdienst.

Provokationen und körperliche Angriffe auf politische Gegner gehörten bei den Nazis zur Tagesordnung. Nach ihrer Machtergreifung 1933 verschärfte sich die Lage für alle antifaschistisch arbeitenden Menschen abermals. Als trauriger Höhepunkt des Nazi-Terrors gilt etwa die Köpenicker Blutwoche (21.-26. Juni 1933), in der die SA (ein paramilitärischer Nazi-Verbund) im Berliner Stadtteil Köpenick etwa 500 sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Personen willkürlich inhaftierte und folterte. Viele Opfer der Blutwoche erlagen den Folgen der Folterungen oder wurden direkt von den Nazis ermordet. Mit Aktionen wie dieser versuchten die Nazis, ihre politischen Gegner einzuschüchtern. Hintergrund der Köpenicker Blutwoche waren die Reichstagswahlen 1933, bei denen SPD und KPD zusammen fast 1,4 Millionen Stimmen sammeln konnten.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Kämpfen der verschiedenen politischen Lager in der Weimarer Zeit (1918-1933).

Hier haben wir Informationen über die Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933 vorbereitet.

Ehemaliges jüdisches Jugendheim

Dreieck Ruhrallee, Saarbrückerstraße und Sedanstraße, 45138 Essen | 51.448992, 7.024101‎ | +51° 26′ 56.37″, +7° 1′ 26.76″

Hier errichtete die Synagogengemeinde Essen im Jahre 1931 ein jüdisches Jugendheim. Der Berliner Architekt Erich Mendelssohn entwarf das Gebäude. Es wurde neben der Jugendarbeit auch für Religionsschulung, Erwachsenenbildung und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jüdisches Jugendheim I

Im Juni 1933 besetzte die Hitler-Jugend das Gebäude und vertrieb die jüdische Jugend. Das Gebäude musste zwar nach 15 Monaten wieder zurückgegeben werden, allerdings behielt die Hitler-Jugend die gesamte Inneneinrichtung des Hauses. Die Schwerpunkte im Jugendheim waren nun die Aufarbeitung der Verfolgung und die Vorbereitung eines neuen Lebens in Palästina. Die Hitler-Jugend (HJ) war eine Großorganisation, mit deren Hilfe die Nazis die Gleichschaltung der Jugend erreichen wollten. In der HJ herrschten strenge Hierarchien. Alles, wofür die Nazis standen, wurde hier im kleineren Rahmen eingeübt: eine Vergötterung von Wettbewerb und Kampf, Gehorsam und Führerprinzip, gedankenlose Fahnentreue und Opferbereitschaft.

Dokument Kleiderordnung zum Geburtstag Hilters 1936

Ein Dokument aus der Sammlung von Horst Zimmer, der uns mit zahlreichen Materialien bei der Realisierung dieses Projektes unterstützte. Es handelt sich um eine Anordnung an Kinder, die in der HJ organisiert waren, zu Hitlers Geburtstag eine Uniform zu tragen.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Reichspogromnacht) wurde das jüdische Jugendheim von den Nazis endgültig gestürmt und zerstört. In jener Nacht brannten in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen, vor allem Synagogen. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden ermordet oder in den Freitod getrieben.

Die rassistische Ideologie der Nazis betrachtete Juden und Jüdinnen als minderwertig. Von Beginn des Zweiten Weltkriegs an konnten Hitler und seine Anhängerschaft ihre rassistischen Wahnvorstellungen in die Tat umsetzen: zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nazis europaweit etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Ab 1939 entstanden mehrere sogenannte „Judenhäuser“ in Essen, beispielsweise in Frohnhausen an der Onckenstraße. Die „Judenhäuser“ hatten für die Nazis den Zweck, die Essener Jüdinnen und Juden besser überwachen zu können.

Tafel Hbf II

Eine Gedenktafel auf dem Willy-Brandt-Platz erinnert an die Deportation der Essener Jüdinnen und Juden.

Auf der hier verlinkten Seite erfahrt ihr mehr über den Holocaust und den Antisemitismus. Hier haben wir Informationen über die von den Nazis betriebenen Konzentrationslager zusammengestellt.

Stolperstein zum Gedenken an Anton Cretnik

Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle

Anton Cretnik wurde am 16. Januar 1891 geboren und gehörte den Zeugen Jehovas – einer religiösen Gruppierung – an. Die Nazis warfen ihm vor, in seiner Wohnung verschwörerische Treffen mit seinen Glaubensbrüdern zu veranstalten. Cretnik wurde zur Last gelegt, die Zeitschrift „Wachturm“ in seiner Wohnung zu lesen. Zudem behaupteten die Nazis, er bewahre die nötigen Utensilien, um die Zeitschrift herzustellen, in seiner Wohnung auf. Der „Wachturm“ war eine der bekanntesten Zeitschriften, welche die Zeugen Jehovas regelmäßig herausbrachten.

Anton Cretnik

Anton Cretnik in der Kriminalpolizeistelle. Die Bilder wurden vom Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt zur Verfügung gestellt.

Cretnik wurde am 7. April 1943 gefangen genommen, verhört und gefoltert. Die Nazis verurteilten ihn zu fünf Jahren Zuchthaus; Anton Cretnik saß daraufhin in verschiedenen Strafanstalten ein. Am 24. April wurde er – mutmaßlich – in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort jedoch ist er nie angekommen. Sein Tod wird auf den April 1945 datiert. Höchstwahrscheinlich überlebte er die Strapazen der Deportation nicht. Denkbar ist auch die Ermordung Cretniks durch die Nazis auf dem Weg nach Dachau.

Historischer Hintergrund

Die Nazis duldeten grundsätzlich keine andere Weltanschauung neben sich; lediglich in der Anfangszeit des Regimes gab es Kooperationen mit den großen christlichen Kirchen. Die so genannten „Deutschen Christen“ – eine Strömung innerhalb der evangelischen Kirche – sympathisierten offen mit der Herrschaft Hitlers. Als Gegenbewegung entstand die „Bekennende Kirche“, die sich vom Faschismus abgrenzte. Als sich die Nazi-Bewegung in den späten 30er-Jahren fest etabliert hatte, hielt Hitler es längst nicht mehr für nötig, sich den Kirchen anzubiedern. Er erklärte, „Nationalsozialismus und Kirche können nicht auf Dauer nebeneinander bestehen“. Das Nazi-Regime war durch und durch totalitär, das heißt es versuchte, in jede noch so private Nische des Lebens einzudringen. So konnte es auch vor dem Glauben der Menschen nicht halt machen. Der deutsche Faschismus hatte den Anspruch, selbst einen religiösen Stellenwert im Leben seiner Anhänger*innen zu erlangen. Organisationen, die andere Vorstellungen als jene der Nazis vertraten, begegneten die Hitler-Anhänger feindlich.

Nicht nur die Mitgliedschaft in nichtnazistischen Organisationen, auch die Teilnahme an religiösen oder spirituellen Aktivitäten wurde rigide verfolgt. Die Unterdrückung verschärfte sich, nachdem Nazi-Deutschland den zweiten Weltkrieg entfesselt hatte. Die Zeugen Jehovas waren insbesondere wegen ihrer Verweigerung des Hitler-Grußes wie auch aufgrund der Ablehnung des Militärdienstes den Nazis ein Dorn im Auge. Zudem war ihr Glaube mit relativ konkreten Zukunftsvisionen angereichert, die sich von denen der Nazis unterschieden. Zu den zentralen Prophezeiungen zählte die Erwartung eines 1000-jährigen Reiches, in welchem Gott das Leben der Menschen unmittelbar regieren und alle „Bösen“ – das heißt: Satan anheim Gefallenen – „vernichten“ würde. Die Nazis träumten ebenfalls von einem 1000-jährigen Reich, welches jedoch in ihrer Herrschaft bestanden hätte.

Hier findet ihr weiterführende Informationen zum Verhältnis zwischen Kirchen und Hitler-Faschismus. Interessante Fakten zu dem Projekt der Stolpersteine haben wir ebenfalls für euch aufbereitet. Hier findet ihr ein Dokument, welches den Tod eines weiteren Essener Zeugen Jehovas belegt. Über die Todesursache wird keine nähere Auskunft gegeben. Es ist zu befürchten, dass Theodor Hölter ermordet wurde.

Dokument-1944-Tod-eines-Essener-Zeugen-Jehovas-im-KZ

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fällt euch bei der Betrachtung der Stolpersteine irgendetwas auf? Wenn euch nichts ungewöhnlich erscheint, fragt die Falken-Mitarbeitenden, damit sie euch Tipps geben können.

2) (++ / anspruchsvoll) Macht euch Gedanken über eure Entdeckung aus Aufgabe 1). Versucht, den Grund für die Auffälligkeit bei diesen Stolpersteinen zu benennen.

3) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die Steine und überlegt euch Stichpunkte für einen Blog-Eintrag, den ihr im Falkenhaus oder zu Hause zu eurem Ausflug verfasst.

Stolperstein zum Gedenken an Emil Guttek

Aktienstraße 160, 45359 Essen | 51.453873, 6.919792‎ | +51° 27′ 13.94″, +6° 55′ 11.25″

Emil Guttek – geboren am 4. September 1904 – war angehöriger der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er arbeitete als Bergmann in Essen-Borbeck und war am Aufbau einer kommunistischen Widerstandsgruppe beteiligt. Die Gruppe wurde entdeckt; die Nazis verhafteten Guttek und steckten ihn in ein Zuchthaus. Als Angehöriger des Strafbataillons 999 fiel er am 23. Mai 1944. Die hier wieder gegebenen Informationen stammen aus „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“, einem Buch von Hans-Josef Steinberg.

Dokument 1935 - Verordnung Schutzhaft wegen Teilname an Beerdigung

Die Nazi-Justiz nahm politische Gegner*innen in „Schutzhaft“, um deren Widerstand gegen das NS-Regime ein Ende zu setzen. Dieses Dokument bezeugt die willkürliche Verhaftung eines Essener Kommunisten, der an der Beerdigung eines Freundes teilnahm (Quelle: Horst Zimmer).

Historischer Hintergrund

In der Weimarer Republik bekämpften sich die so genannten „Bünde“ der verschiedenen politischen Lager erbittert. Nicht selten gab es Tote – etwa nach Schießereien, Saalschlachten oder Entführungen. Die Nazis buhlten auch in der Arbeiterschaft um Anerkennung und Gefolgschaft, dies allerdings erst ab 1933 mit spürbarem Erfolg. Einer der Gründe: der faschistischen Weltanschauung wurde aus dem republikanischen Lager insgesamt zu wenig entgegen gesetzt. Auch viele Funktionäre linker Organisationen zogen sich aus der Verantwortung, indem sie sich ins Ausland absetzten und ihre jeweilige Basis im Stich ließen.

Was hat es mit dem Strafbataillon auf sich, in welches Guttek eingezogen wurde? Im zweiten Weltkrieg (1939-1945) griff die Wehrmacht (die Armee der Nazis) auf Menschen zurück, die – meist als aktive Nazigegner – Zuchthausstrafen absaßen. Diese erlangten einen Teil der ihnen durch die Inhaftierung abgesprochenen Rechte zurück. Der Preis: sie wurden als Kanonenfutter des Nazi-Regimes missbraucht. Das Strafbataillon 999, in dem Guttek „diente“, wurde während des Afrika-Feldzugs der Wehrmacht – genauer: in der „Schlacht um Tunesien“ – eingesetzt. Der Division gelang es, den Alliierten (Bezeichnung für die Gegner Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg) ganze Stellungen kampflos abzutreten. Das Hitler-Regime rächte sich an, indem es 999 Soldaten erschießen ließ.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Emil Guttek wurde sein Engagement gegen das Nazi-Regime zum Verhängnis. Sprecht darüber, wie eine mögliche Gedenkstätte zu Ehren der Widerstandskämpfer und -kämpferinnen aussehen könnte. Welches Design und welche Symbole kommen eurer Meinung nach in Frage? Welches Konzept ist passend? Was müsste auf der Tafel stehen, die in das Denkmal eingelassen ist? Formuliert Sätze, die euch passend erscheinen. Denkt darüber nach, inwieweit sich das Denkmal – ausgehend von Guttek – auf alle antifaschistischen Menschen beziehen könnte, die seinerzeit ihr Leben im Kampf gegen Hitler gaben. Überlegt, wo das Denkmal stehen könnte.

2) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert den Stolperstein und fügt ihn gemeinsam mit den Falken-Mitarbeitenden in diese Website ein.