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Projektwoche an der Gesamtschule Holsterhausen

Vom 15. bis zum 17. Oktober 2013 fand an der Gesamtschule Essen-Holsterhausen eine Projektwoche zu den Themen Rassismus & Rechtsextremismus statt. Ausgangspunkt war die vom Landesjugendring NRW ins Leben gerufene Initiative umdenken, jungdenken, die es Jugendlichen ermöglicht, ihre Forderungen mittels Jugendforen in den nordrhein-westfälischen Landtag hineinzutragen. An der Gesamtschule boten wir Falken insgesamt vier Workshops an. Einer dieser Workshops war rund um das antifaschistische Geocaching-Spiel aufgebaut. Drei Tage lang besuchten die Teilnehmenden des Workshops Essener Orte, die einen Bezug zum Hitler-Faschismus haben. Vor Ort lösten sie jeweils die Aufgaben, die sie im Cach fanden. Hier haben wir einige Antworten aufbereitet.

Am ersten Tag besuchte die Gruppe den Burgplatz, der in der dunklen Zeit nach Hitler benannt war. Die Teilnehmenden versetzten sich ins Jahr 1945 und dachten sich alternative Bezeichnungen aus. Zudem machten sie sich Gedanken zu einem kurzen Info-Text, der unterhalb des fiktiven Straßenschildes auftauchen könnte. Hier die Ergebnisse:

Platz der Weißen Rose

[Die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verteilte unter Lebensgefahr Flugblätter gegen das NS-Regime. Die Gruppe wurde im Juni 1942 von den Geschwistern Scholl gegründet. Im Februar 1943 brach die Gruppe zusammen]

Geschwister-Scholl-Platz

[Die Geschwister Scholl, Johann Georg Elser und Ludwig Assner waren gegen Hitler]

2013-10-15 Burgplatz

Nachdem die Gruppe den Cach auf dem Burgplatz gefunden hatte, wurden im Foyer der Volkshochschule Essen die Aufgaben gelöst.

Am zweiten Tag des Workshops wurde der Südwestfriedhof besucht, auf dem unter anderem die Opfer des Kapp-Putsches ruhen. Auch die Leichen ermordeter sowjetischer Kriegsgefangener wurden hier beigesetzt. Bei einem Gräberfeld ist eine Steinplatte mit folgender Inschrift installiert: „Liebet eure Heimat, mahnen die Toten.“ Die Schülerinnen und Schüler waren aufgefordert, die Quelle des Satzes zu recherchieren und diesen anschließend zu hinterfragen. In einem zweiten Schritt sollten passendere Inschriften erarbeitet werden. Dies sind die Ergebnisse:

„Hier ruhen die Kriegsgefangenen der Nazis.“

„Vergesst nie die Taten der Nazis.“

Danach ging es dann in die Innenstadt, genauer: unter das Rathaus. Dort findet sich die sogenannte Stadtwunde, die an ein Außenlager des KZ Buchenwald erinnern soll, welches es vor 1945 in Essen gab. Die Schülerinnen und Schüler fanden auch hier den Cach sehr schnell, riefen über den QR-Code diese Website auf und lösten die Aufgaben. Ziel war es hier, über den Namen Stadtwunde nachzudenken und einzuschätzen, inwieweit der Name dem Ort gerecht wird. Hier die Ideen der Teilnehmenden:

„Sie haben diesen Namen ausgewählt, weil sie unter ‚Stadtwunde‘ sich zurück erinnern wie die NSDAP hier in Essen im Rathaus vertreten war und wie sie die anderen Parteien mit Gewalt der SA vertrieben hat. Deshalb ist dieser Ort auch eine Wunde und wegen des Konzentrationslagers Buchenwald unter der Rathaus-Passage. Ich finde diesen Namen sehr passend.“

„Der Name ist geeignet, weil er an das damalige Geschehen erinnert.“

„[Dieser Ort ist] die Wunde der Stadt Essen.“

„Wir denken, dass dieser Name (Wunde) gut zu diesem Ort passt. Da die Leute dort schwer arbeiten mussten und auch schlecht behandelt wurden. Diese Zeit hat also bei vielen Arbeitern eine tiefe Wunde hinterlassen.“

Die zweite Aufgabe bezog sich auf den Schwur von Buchenwald. Die Schülerinnen und Schüler sollten erörtern, wie ihr persönliches Rezept gegen Faschismus aussieht.

„Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus heißt für uns, dass Deutschland nie wieder einen Krieg von sich aus führen darf. Nie wieder Faschismus bedeutet für uns: gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus Widerstand zu leisten.“

„Immer seine eigene Meinung äußern und nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen.“

Burgplatz

Burgplatz, 45127 Essen | 51.455451, 7.013887‎ | +51°27’19.62″, +7°0’49.99″

(a description of the part the Burgplatz played between 1933 and 1945 is also available in English)

Im Zeitraum 1933-1945 hieß der Burgplatz Adolf-Hitler-Platz. Auch andere Orte in Essen teilten das Schicksal des Burgplatzes, waren zur Zeit des Faschismus nach Nazi-„Größen“ benannt. So hieß etwa die Rüttenscheider Straße „Hermann-Göring-Straße“, die Wilhelm-Straße wurde „Straße der SA“ getauft und der Rüttenscheider Platz trug den Namen des SA-Schlägers Horst Wessel. In verschiedenen Städten wurden selbst Schulhäuser nach bekannten Nazis benannt.

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933

Vereidigungszeremonie der SA als Hilfspolizei auf dem Burgplatz am 9. März 1933 (Quelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv).

Historischer Hintergrund

Die Umbenennung von öffentlichen Plätzen und Straßen ist typisch für Unrechtsregime. Meistens finden die Namen von bekannten Mitgliedern der jeweiligen Bewegung Verwendung. Besonders beliebt sind Personen, denen ein Märtyrer-Status beigemessen wird. Im Nazi-Jargon wurden Menschen, die sich in der Weimarer Zeit (1918-1933) besonders für den Faschismus verdient gemacht hatten, als „Blutzeugen der Bewegung“ bezeichnet, sofern sie im Zuge ihres Engagements starben. Im Rahmen der heftigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden paramilitärischen Verbünden fanden zahlreiche Menschen in den späten 1920er-Jahren den Tod. Die brutalste Gewalt ging von der faschistischen SA („Sturmabteilung“) aus. Die SA war ein zentrales Element der Nazi-Bewegung, die schließlich 1933 die Macht übernahm. Ihre Hauptaufgabe war die Einschüchterung politischer Gegner*innen. In vielen Städten machten SA-Gruppen gezielt Jagd auf sozialdemokratisch, sozialistisch und kommunistisch eingestellte Menschen. Die SA verübte zahlreiche politisch motivierte Morde.

Die Umbenennung der Straßen und öffentlichen Räume erfolgte, um eine dauerhafte Präsenz der faschistischen Ideologie im Alltag zu gewährleisten. Die Menschen sollten – auch wenn sie gänzlich unpolitischen Geschäften nachgingen – immer wieder mit den vermeintlichen „Größen“ der Nazi-Bewegung konfrontiert werden. Gleichzeitig sollten die Straßennamen die Identifikation aktiver Nazis steigern und die Bewegung nach innen stärken. Zudem – so das Kalkül der für die Namensgebung Verantwortlichen – sollten antifaschistisch engagierte Menschen demotiviert werden.

Heutige Situation

Auch heute gibt es noch Straßen in Essen, die nach Personen benannt sind, die in der Weimarer Republik oder der frühen Hitler-Zeit eine unrühmliche Rolle spielten. Beispielsweise gibt es eine Hindenburgstraße. Paul von Hindenburg war Feldmarschall der Deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, da er – wie viele Konservative seinerzeit – die Nazis und deren Ziele unterschätzte. Die Nazis täuschten bewusst eine Nähe zur Kaiserzeit – und diese wurde von Hindenburg verkörpert – vor, um auch für Konservative wählbar zu sein. Die Konservativen wiederum schätzten die Entschlossenheit (bzw. Brutalität), mit der die Nazis gegen die politische Linke vorgingen.

Auch in der Weimarer Zeit (1918-1933) waren sich die politischen Lager bereits gegenüber gestanden.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulkassen

1) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Es ist das Jahr 1945; Essen ist soeben von den Alliierten befreit worden – die Nazi-Herrschaft ist Vergangenheit. Was aber tun mit den Straßen und Plätzen, die noch zum Teil die Namen von Faschisten tragen? Euch ist klar, dass nun neue Namen her müssen. Warum keine Benennung, die klar macht: der Nazi-Spuk ist vorbei! Denkt euch Bezeichnungen für den Burgplatz aus, die einen Bezug zum Widerstandskampf gegen das Nazi-Regime oder zur noch jungen demokratischen Tradition Deutschlands aufweisen. Diese Website könnt ihr als Quelle nutzen. In der Link-Liste rechts auf dieser Seite findet ihr weitere Geocaching-Spielorte. Falls ihr Namen entdeckt, ruft die Seite auf und diskutiert, inwieweit die betreffende Person als Namenspatron geeignet ist. Natürlich könnt ihr auch eigene Recherchen im Internet anstellen. Wichtig: begründet die Namenswahl. Haltet eure Ideen in Stichpunkten schriftlich fest.

2) (++ / anspruchsvoll) Vielleicht kennt ihr Straßenschilder, unter denen kurze Erklärungen angebracht sind, die erläutern, um wen es sich beim Namenspatron der Straße handelt. Überlegt euch ein oder zwei kurze Sätze, die darauf hinweisen, wer der Namenspatron war und worin sein Verdienst bestand. Wenn ihr euch unsicher seid, kann dieses Muster zur Orientierung dienen: NAME (*18?? – +19??), war ein/-e Essener Bürger/-in, der/die während der Hitler-Zeit im Widerstand aktiv war. Er/sie verteilte Flugschriften / leitete Informationen ins Ausland / half jüdischen Mitmenschen bei der Flucht. (versucht eine Ergänzung)

Landgericht und Gefängnis in der Zweigertstraße

Zweigertstraße 52, 45130 Essen | 51.436902, 6.998802‎ | +51° 26′ 12.85″, +6° 59′ 55.69″

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Eine Postkarte, die das Essener Landgericht zeigt (Bildquelle: Haus der Essener Geschichte / Stadtarchiv)

Im Gebäude des Landgerichts wurden zur Zeit des Nazi-Regimes (1933-1945) zahlreiche politisch Verfolgte zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt. Auch ein eigens für Verstöße gegen das „Heimtückegesetz“ errichtetes „Sondergericht Essen“ hatte ihr seinen Sitz. Hinter dem Gerichtsgebäude befand sich die Untersuchungshaftanstalt, im Volksmund „Haumannshof“ genannt. Nach Abschluss der Vernehmungen durch die Gestapo wurden viele Häftlinge hierhin gebracht. In dem Dreieck Gestapohaus Kortumstraße, Polizeigefängnis und Haumannshof kamen 13 politische Häftlinge ums Leben, zwei wählten den Freitod und acht weitere wurden nach Bombenangriffen tot aus den Trümmern geborgen.

Polizeipräsidium

Dieser Text aus der Sammlung Horst Zimmers lässt erahnen, wie es den Essener Gegnerinnen und Gegnern des Nazi-Regimes erging.

Historischer Hintergrund

Das „Rechts-„System der Nazis beruhte nicht auf Verfassungsnormen und fairen Prozessen, sondern auf willkürlichen Verordnungen, die oftmals „von oben“ diktiert wurden. Zudem zog sich die rassistische Ideologie der Nazis wie ein brauner Faden durch die gesamte Justiz des „Dritten Reichs“. Politische Gegner und Gegnerinnen sowie Menschen jüdischen Glaubens waren zu Zeiten des Nazi-Regimes praktisch rechtlos. Sie wurden willkürlich verfolgt und inhaftiert. Das menschenverachtende System der Konzentrationslager tat sein Übriges: Menschen, die nicht dem Weltbild der Nazis entsprachen, waren beständig vom Tod bedroht.

Bei der Etablierung des Polizeistaats durch die Nazis spielte die Gestapo eine entscheidende RolleNach ihrer Machtübernahme schalteten die Faschisten die politische Konkurrenz mit rabiaten Mitteln aus; doch bereits in den 20er-Jahren hatten sie die Anhänger und Anhängerinnen der anderen politischen Kräfte durch Straßenterror eingeschüchtert.

In einem Band von Dr. Ernst Schmidt findet sich ein Artikel, der den Tod einer Frau durch die Gestapo beschreibt. Klickt auf den Link, um die PDF-Datei aufzurufen. Ein WAZ-Zeitungsartikel aus dem Jahre 1989 veranschaulicht, wie Stefan Heym (ein Deutscher, der in die USA ausgewandert war) als US-Soldat ins Deutsche Reich zurückkehrt. In den Nachkriegsjahren versuchte er, Licht ins Dunkel der Nazi-Verbrechen zu bringen.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklasse

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert das Gebäude. Ihr könnt das Foto im Falkenzentrum Süd nachbearbeiten und es dieser Website zur Verfügung stellen. Überlegt, welche Perspektive beim Fotografieren was vermittelt. Nehmt ihr das Gebäude beispielsweise von unten auf, wirkt es vielleicht bedrohlich oder beängstigend.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Lest euch diese und die verlinkten Seiten durch. Erstellt ein Schaubild, welches wichtige Bausteine des Nazi-Terrors beschreibt. Versucht euch der Frage zu nähern, wie so etwas wie das Nazi-Regime möglich sein konnte. Hier einige Beispiele, die ihr als Bausteine in eurer Grafik verwenden könnt: „Furcht in der Bevölkerung“, „Straßenterror durch die SA“, „Feindlichkeit gegenüber Juden und Jüdinnen“. Überlegt, wie die Bausteine miteinander verbunden sein können. Wenn es nötig ist, schreibt kleinere Erläuterungen an den Rand des Schaubilds.

Jüdische Volksschule

Sachsenstraße 33, 45128 Essen | 51.448740, 7.002952‎ | +51° 26′ 55.46″, +7° 0′ 10.63″

Seit 1927 war die jüdische Volksschule im Haus Sachsenstraße 33 untergebracht. Nach mehreren Umzügen wurde sie in das Barackenlager Holbeckshof verlegt. Hier fand auch während der Verfolgung durch die Nazis ein halbwegs geregelter Unterricht statt. 1933 entzogen die Nazis der Schule den öffentlich-rechtlichen Charakter, sie unterstand nun der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland.

Jüdische Volksschule

Ein Dokument aus dem Stadtspiel Horst Zimmers, welches sich mit der jüdischen Volksschule befasst (Bildquelle: Horst Zimmer).

Nach der Reichspogromnacht zwischen dem 9. und 10. November 1938 musste die Schule kurzzeitig geschlossen werden. In jener Nacht wurden deutschlandweit jüdische Einrichtungen angezündet und zerstört. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden von den Anhänger*innen Hitlers getötet oder in den Freitod getrieben.

Historischer Hintergrund

Am 15. November 1938 verboten die Nazis allen Jüdinnen und Juden, eine öffentliche Schule zu besuchen. Ein Erlass am 20. Juni 1942 erzwang die Schließung aller jüdischen Volksschulen. Gleichzeitig behaupteten die Nazis – gemäß ihrer rassistischen Ideologie – Juden seien als „Rasse“ minderwertig, also auch weniger intelligent – verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt. Wie bei allen rassistischen Aussagen war auch dies eine Unwahrheit, mittels derer die Nazis die weitere Ausgrenzung jüdischer Menschen aus dem öffentlichen Leben vorantreiben und rechtfertigen wollten.

Inschrift Ersatz

Dieses Relief, welches in Steele am Isinger Tor in eine Hauswand eingelassen ist, erinnert an die Steeler Synagoge, die die Nazis in der Pogromnacht 1938 schändeten und schließlich zerstörten. Die Inschrift nimmt Bezug zur jüdischen Volksschule.

Die Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen gipfelte schließlich im Holocaust, dem beispiellosen Massenmord der Nazis an den europäischen Juden. 6,3 Millionen Menschen jüdischen Glaubens starben zwischen 1939-1945 in den Konzentrations-, genauer: den Vernichtungslagern der Nazis. Die Nazis hatten ihrem rassistischen Wahn menschenverachtende Taten folgen lassen.

Ab 1939 richteten die Nazis verschiedene „Judenhäuser“ ein, um den jüdischen Teil der Bevölkerung besser überwachen zu können. Eines dieser Häuser befand sich in Frohnhausen, an der Onckenstraße.

Hier erfährt ihr mehr über das System der Konzentrationslager sowie über das Thema Antisemitismus und Holocaust.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Schaut euch vor dem Gebäude um. Entdeckt ihr eine Tafel oder einen anderen Hinweis auf die Vergangenheit dieses Ortes? Stellt euch vor, ihr gestaltet einen Guide für Touristen und die ehemalige jüdische Volksschule kommt in ihm vor. Macht Fotos von dem Ort und entwerft einen Text dazu, so dass sich Besucher und Besucherinnen Essens ein Bild von der Sachsenstraße 33 machen können.

Ludgerusschule in Essen-Werden

Kellerstraße 86, 45239 Essen | 51.388093, 7.013458‎ | +51° 23′ 17.13″, +7° 0′ 48.45″

Die Ludgerusschule in Essen-Werden wurde im Mai 1933 vom freiwilligen Arbeitsdienst – den so genannten „Werksoldaten Hitlers“ – als Kaserne genutzt. Der Adolf-Hitler-Kaserne unterstanden sechs Arbeitsdienstlager im Stadtbezirk Groß-Essen unter Leitung des Oberlagerführers Georg Fabry. Fabry billigte einen Angriff der Werksoldaten auf den Sozialdemokraten Peter Burggraf. Die Attacke ereignete sich in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1933. Burggraf erlag kurze Zeit später den Verletzungen, die er davon getragen hatte.
Schulleiter Heinz Rieck erwähnte in einer Schrift zur Schulgeschichte, dass vom Frühsommer 1943 an fast der gesamte Schulunterricht gestoppt worden sei. Die Klassen seien in der Kinderlandverschickung gewesen, die verbliebenen Kinder wurden nicht betreut.

Ludgerusschule

Bildquelle: Ernst-Schmidt-Archiv Essen

Historischer Hintergrund

Der freiwillige Arbeitsdienst war zu Zeiten der Weimarer Republik (1918-1933) eingeführt worden, um die zahlreichen Arbeitslosen zu beschäftigen. In der Frühphase des Nazi-Regimes wurde der Dienst zunehmend militärisch interpretiert. Ab 1935 hieß er Reichsarbeitsdienst.

Provokationen und körperliche Angriffe auf politische Gegner gehörten bei den Nazis zur Tagesordnung. Nach ihrer Machtergreifung 1933 verschärfte sich die Lage für alle antifaschistisch arbeitenden Menschen abermals. Als trauriger Höhepunkt des Nazi-Terrors gilt etwa die Köpenicker Blutwoche (21.-26. Juni 1933), in der die SA (ein paramilitärischer Nazi-Verbund) im Berliner Stadtteil Köpenick etwa 500 sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Personen willkürlich inhaftierte und folterte. Viele Opfer der Blutwoche erlagen den Folgen der Folterungen oder wurden direkt von den Nazis ermordet. Mit Aktionen wie dieser versuchten die Nazis, ihre politischen Gegner einzuschüchtern. Hintergrund der Köpenicker Blutwoche waren die Reichstagswahlen 1933, bei denen SPD und KPD zusammen fast 1,4 Millionen Stimmen sammeln konnten.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Kämpfen der verschiedenen politischen Lager in der Weimarer Zeit (1918-1933).

Hier haben wir Informationen über die Machtergreifung der Nazis im Jahre 1933 vorbereitet.

Ehemaliges jüdisches Jugendheim

Dreieck Ruhrallee, Saarbrückerstraße und Sedanstraße, 45138 Essen | 51.448992, 7.024101‎ | +51° 26′ 56.37″, +7° 1′ 26.76″

Hier errichtete die Synagogengemeinde Essen im Jahre 1931 ein jüdisches Jugendheim. Der Berliner Architekt Erich Mendelssohn entwarf das Gebäude. Es wurde neben der Jugendarbeit auch für Religionsschulung, Erwachsenenbildung und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jüdisches Jugendheim I

Im Juni 1933 besetzte die Hitler-Jugend das Gebäude und vertrieb die jüdische Jugend. Das Gebäude musste zwar nach 15 Monaten wieder zurückgegeben werden, allerdings behielt die Hitler-Jugend die gesamte Inneneinrichtung des Hauses. Die Schwerpunkte im Jugendheim waren nun die Aufarbeitung der Verfolgung und die Vorbereitung eines neuen Lebens in Palästina. Die Hitler-Jugend (HJ) war eine Großorganisation, mit deren Hilfe die Nazis die Gleichschaltung der Jugend erreichen wollten. In der HJ herrschten strenge Hierarchien. Alles, wofür die Nazis standen, wurde hier im kleineren Rahmen eingeübt: eine Vergötterung von Wettbewerb und Kampf, Gehorsam und Führerprinzip, gedankenlose Fahnentreue und Opferbereitschaft.

Dokument Kleiderordnung zum Geburtstag Hilters 1936

Ein Dokument aus der Sammlung von Horst Zimmer, der uns mit zahlreichen Materialien bei der Realisierung dieses Projektes unterstützte. Es handelt sich um eine Anordnung an Kinder, die in der HJ organisiert waren, zu Hitlers Geburtstag eine Uniform zu tragen.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Reichspogromnacht) wurde das jüdische Jugendheim von den Nazis endgültig gestürmt und zerstört. In jener Nacht brannten in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen, vor allem Synagogen. Mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens wurden ermordet oder in den Freitod getrieben.

Die rassistische Ideologie der Nazis betrachtete Juden und Jüdinnen als minderwertig. Von Beginn des Zweiten Weltkriegs an konnten Hitler und seine Anhängerschaft ihre rassistischen Wahnvorstellungen in die Tat umsetzen: zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nazis europaweit etwa sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

Ab 1939 entstanden mehrere sogenannte „Judenhäuser“ in Essen, beispielsweise in Frohnhausen an der Onckenstraße. Die „Judenhäuser“ hatten für die Nazis den Zweck, die Essener Jüdinnen und Juden besser überwachen zu können.

Tafel Hbf II

Eine Gedenktafel auf dem Willy-Brandt-Platz erinnert an die Deportation der Essener Jüdinnen und Juden.

Auf der hier verlinkten Seite erfahrt ihr mehr über den Holocaust und den Antisemitismus. Hier haben wir Informationen über die von den Nazis betriebenen Konzentrationslager zusammengestellt.

Stolperstein zum Gedenken an Anton Cretnik

Alte Bottroper Straße, Bushaltestelle

Anton Cretnik wurde am 16. Januar 1891 geboren und gehörte den Zeugen Jehovas – einer religiösen Gruppierung – an. Die Nazis warfen ihm vor, in seiner Wohnung verschwörerische Treffen mit seinen Glaubensbrüdern zu veranstalten. Cretnik wurde zur Last gelegt, die Zeitschrift „Wachturm“ in seiner Wohnung zu lesen. Zudem behaupteten die Nazis, er bewahre die nötigen Utensilien, um die Zeitschrift herzustellen, in seiner Wohnung auf. Der „Wachturm“ war eine der bekanntesten Zeitschriften, welche die Zeugen Jehovas regelmäßig herausbrachten.

Anton Cretnik

Anton Cretnik in der Kriminalpolizeistelle. Die Bilder wurden vom Essener Haus der Geschichte / Archiv Ernst Schmidt zur Verfügung gestellt.

Cretnik wurde am 7. April 1943 gefangen genommen, verhört und gefoltert. Die Nazis verurteilten ihn zu fünf Jahren Zuchthaus; Anton Cretnik saß daraufhin in verschiedenen Strafanstalten ein. Am 24. April wurde er – mutmaßlich – in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort jedoch ist er nie angekommen. Sein Tod wird auf den April 1945 datiert. Höchstwahrscheinlich überlebte er die Strapazen der Deportation nicht. Denkbar ist auch die Ermordung Cretniks durch die Nazis auf dem Weg nach Dachau.

Historischer Hintergrund

Die Nazis duldeten grundsätzlich keine andere Weltanschauung neben sich; lediglich in der Anfangszeit des Regimes gab es Kooperationen mit den großen christlichen Kirchen. Die so genannten „Deutschen Christen“ – eine Strömung innerhalb der evangelischen Kirche – sympathisierten offen mit der Herrschaft Hitlers. Als Gegenbewegung entstand die „Bekennende Kirche“, die sich vom Faschismus abgrenzte. Als sich die Nazi-Bewegung in den späten 30er-Jahren fest etabliert hatte, hielt Hitler es längst nicht mehr für nötig, sich den Kirchen anzubiedern. Er erklärte, „Nationalsozialismus und Kirche können nicht auf Dauer nebeneinander bestehen“. Das Nazi-Regime war durch und durch totalitär, das heißt es versuchte, in jede noch so private Nische des Lebens einzudringen. So konnte es auch vor dem Glauben der Menschen nicht halt machen. Der deutsche Faschismus hatte den Anspruch, selbst einen religiösen Stellenwert im Leben seiner Anhänger*innen zu erlangen. Organisationen, die andere Vorstellungen als jene der Nazis vertraten, begegneten die Hitler-Anhänger feindlich.

Nicht nur die Mitgliedschaft in nichtnazistischen Organisationen, auch die Teilnahme an religiösen oder spirituellen Aktivitäten wurde rigide verfolgt. Die Unterdrückung verschärfte sich, nachdem Nazi-Deutschland den zweiten Weltkrieg entfesselt hatte. Die Zeugen Jehovas waren insbesondere wegen ihrer Verweigerung des Hitler-Grußes wie auch aufgrund der Ablehnung des Militärdienstes den Nazis ein Dorn im Auge. Zudem war ihr Glaube mit relativ konkreten Zukunftsvisionen angereichert, die sich von denen der Nazis unterschieden. Zu den zentralen Prophezeiungen zählte die Erwartung eines 1000-jährigen Reiches, in welchem Gott das Leben der Menschen unmittelbar regieren und alle „Bösen“ – das heißt: Satan anheim Gefallenen – „vernichten“ würde. Die Nazis träumten ebenfalls von einem 1000-jährigen Reich, welches jedoch in ihrer Herrschaft bestanden hätte.

Hier findet ihr weiterführende Informationen zum Verhältnis zwischen Kirchen und Hitler-Faschismus. Interessante Fakten zu dem Projekt der Stolpersteine haben wir ebenfalls für euch aufbereitet. Hier findet ihr ein Dokument, welches den Tod eines weiteren Essener Zeugen Jehovas belegt. Über die Todesursache wird keine nähere Auskunft gegeben. Es ist zu befürchten, dass Theodor Hölter ermordet wurde.

Dokument-1944-Tod-eines-Essener-Zeugen-Jehovas-im-KZ

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fällt euch bei der Betrachtung der Stolpersteine irgendetwas auf? Wenn euch nichts ungewöhnlich erscheint, fragt die Falken-Mitarbeitenden, damit sie euch Tipps geben können.

2) (++ / anspruchsvoll) Macht euch Gedanken über eure Entdeckung aus Aufgabe 1). Versucht, den Grund für die Auffälligkeit bei diesen Stolpersteinen zu benennen.

3) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die Steine und überlegt euch Stichpunkte für einen Blog-Eintrag, den ihr im Falkenhaus oder zu Hause zu eurem Ausflug verfasst.

Stolperstein zum Gedenken an Emil Guttek

Aktienstraße 160, 45359 Essen | 51.453873, 6.919792‎ | +51° 27′ 13.94″, +6° 55′ 11.25″

Emil Guttek – geboren am 4. September 1904 – war angehöriger der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er arbeitete als Bergmann in Essen-Borbeck und war am Aufbau einer kommunistischen Widerstandsgruppe beteiligt. Die Gruppe wurde entdeckt; die Nazis verhafteten Guttek und steckten ihn in ein Zuchthaus. Als Angehöriger des Strafbataillons 999 fiel er am 23. Mai 1944. Die hier wieder gegebenen Informationen stammen aus „Widerstand und Verfolgung in Essen 1933-1945“, einem Buch von Hans-Josef Steinberg.

Dokument 1935 - Verordnung Schutzhaft wegen Teilname an Beerdigung

Die Nazi-Justiz nahm politische Gegner*innen in „Schutzhaft“, um deren Widerstand gegen das NS-Regime ein Ende zu setzen. Dieses Dokument bezeugt die willkürliche Verhaftung eines Essener Kommunisten, der an der Beerdigung eines Freundes teilnahm (Quelle: Horst Zimmer).

Historischer Hintergrund

In der Weimarer Republik bekämpften sich die so genannten „Bünde“ der verschiedenen politischen Lager erbittert. Nicht selten gab es Tote – etwa nach Schießereien, Saalschlachten oder Entführungen. Die Nazis buhlten auch in der Arbeiterschaft um Anerkennung und Gefolgschaft, dies allerdings erst ab 1933 mit spürbarem Erfolg. Einer der Gründe: der faschistischen Weltanschauung wurde aus dem republikanischen Lager insgesamt zu wenig entgegen gesetzt. Auch viele Funktionäre linker Organisationen zogen sich aus der Verantwortung, indem sie sich ins Ausland absetzten und ihre jeweilige Basis im Stich ließen.

Was hat es mit dem Strafbataillon auf sich, in welches Guttek eingezogen wurde? Im zweiten Weltkrieg (1939-1945) griff die Wehrmacht (die Armee der Nazis) auf Menschen zurück, die – meist als aktive Nazigegner – Zuchthausstrafen absaßen. Diese erlangten einen Teil der ihnen durch die Inhaftierung abgesprochenen Rechte zurück. Der Preis: sie wurden als Kanonenfutter des Nazi-Regimes missbraucht. Das Strafbataillon 999, in dem Guttek „diente“, wurde während des Afrika-Feldzugs der Wehrmacht – genauer: in der „Schlacht um Tunesien“ – eingesetzt. Der Division gelang es, den Alliierten (Bezeichnung für die Gegner Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg) ganze Stellungen kampflos abzutreten. Das Hitler-Regime rächte sich an, indem es 999 Soldaten erschießen ließ.

 

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Emil Guttek wurde sein Engagement gegen das Nazi-Regime zum Verhängnis. Sprecht darüber, wie eine mögliche Gedenkstätte zu Ehren der Widerstandskämpfer und -kämpferinnen aussehen könnte. Welches Design und welche Symbole kommen eurer Meinung nach in Frage? Welches Konzept ist passend? Was müsste auf der Tafel stehen, die in das Denkmal eingelassen ist? Formuliert Sätze, die euch passend erscheinen. Denkt darüber nach, inwieweit sich das Denkmal – ausgehend von Guttek – auf alle antifaschistischen Menschen beziehen könnte, die seinerzeit ihr Leben im Kampf gegen Hitler gaben. Überlegt, wo das Denkmal stehen könnte.

2) (+ / geeignet für Einsteigerinnen und Einsteiger) Fotografiert den Stolperstein und fügt ihn gemeinsam mit den Falken-Mitarbeitenden in diese Website ein.

Nordfriedhof Altenessen

Hauerstraße 27, 45329 Essen | 51.501116, 7.015711‎ | +51° 30′ 4.02″, +7° 0′ 56.56″

Auf dem Altenessener Nordfriedhof sind 21 Menschen begraben, die bei einem Angriff der putschenden Reichswehr auf die Arbeitersiedlungen nahe des Rhein-Herne-Kanals 1920 getötet wurden. Es existiert keine Tafel, die auf die Umstände des gewaltsamen Todes hinweist. Die Nazis verfügten nach ihrer Machtübernahme, dass die Gräber nicht von den Angestellten des Friedhofs zu pflegen seien, da es sich bei den Toten angeblich um Kämpfer der Roten Ruhrarmee gehandelt habe. Auf diese Weise versuchten die Hitler-Anhänger, das Gedenken an den antifaschistischen Widerstand – den es bereits zu Zeiten der Weimarer Republik (1918-1933) gegeben hatte – zu ersticken. Aus Sicht der Nazis durften Menschen, die sich gegen das faschistische und rassistische Weltbild eingesetzt hatten, nicht zu Heldinnen oder Märtyrern erklärt werden.

Trauerhalle I

Die Trauerhalle auf dem Nordfriedhof mutet etwas spartanisch an

Historischer Hintergrund

Doch was genau war passiert? Am 13. März 1920 erschütterte ein Militärputsch die junge Weimarer Republik. Große Teile der Reichswehr um Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz versuchten, gewaltsam die Macht an sich zu reißen. Sie zwangen die Regierung in Berlin zur Flucht. Die meisten Putschisten waren Reichswehrangehörige oder ehemalige Soldaten der Armee des Kaiserreichs. Viele Mitglieder der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) waren in den Putschversuch involviert.

Landesweit schlossen sich rechtsextreme Freikorpsverbände zusammen, um den Aufstand zu unterstützen. Die Soldaten der Reichswehr, die sich dem Putschversuch verweigerten, lehnten es mehrheitlich ab, den Aufstand niederzuschlagen. Ihre Begründung: “Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr”.

Um die Errichtung einer rechtsextremen Diktatur zu verhindern, schlossen sich im Ruhrgebiet rund 50.000 Arbeiter und Arbeiterinnen zur Roten Ruhrarmee zusammen. Sie schlug das Freikorps „Lichtschlag“ vernichtend. Ein Generalstreik am 17. März 1920 machte dem Putschversuch der militanten Rechten schließlich den Gar aus. Drei Jahre später versuchte die extreme Rechte erneut, nach der Macht zu greifen. Hitlers Marsch auf Berlin konnte jedoch rechtzeitig gestoppt werden. Auch sein Versuch, in München die Regierungsgewalt zu übernehmen, scheiterte (Hitler-Putsch, 9. November 1923).

Nach dem Sieg über die Freikorps-Soldaten machte die Rote Ruhrarmee gleich weiter: nach dem Vorbild der jungen Sowjetunion versuchte sie, im Ruhrgebiet eine kommunistische Räterepublik zu errichten. Sie eroberte Stadt um Stadt – unter anderem Dortmund – und konnte erst durch Freikorps und Reichswehr im Verein gestoppt werden. Der sogenannte Ruhrkampf endete mit standesrechtlichen Erschießungen, bei denen zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen getötet wurden.

Kriegsopfer II

Auch auf dem Nordfriedhof finden sich Gräber von im Zweiten Weltkrieg Gestorbenen

13 Jahre später wurde den Nazis die Macht übertragen, die Weimarer Republik war Geschichte. Die putschenden Rechtsradikalen von 1920 können als Vorboten des Hitler-Faschismus betrachtet werden. Als Ausdruck ihrer teils völkischen Gesinnung hatten sie bereits das Hakenkreuz verwendet.

Die Epoche der Weimarer Republik (1918-1933) war geprägt von Kämpfen zwischen den verschiedenen politischen Lagern.

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (+++ / sehr anspruchsvoll) Es gibt noch keine Gedenktafel, die auf den Mord an den Arbeitern hinweist. Überlegt, wie eine mögliche Gedenkstätte zu Ehren der Widerstandskämpfer und -kämpferinnen aussehen könnte. Macht euch Gedanken zum Design des Denkmals. Könnte es sich einer Symbolsprache bedienen? Welches Konzept kommt in Frage? Was würde auf einem Relief stehen, welches in das Denkmal eingelassen ist? Entwerft kleinere Texte, die euch passend erscheinen. Reflektiert darüber, inwieweit sich euer Denkmal auf alle antifaschistischen Menschen beziehen könnte, die seinerzeit ihr Leben im Kampf gegen die rechtsradikalen Freikorps gaben. Überlegt, wo sich eure Gedenkstätte befinden könnte.

2) (+++ / sehr anspruchsvoll) Fortsetzung der ersten Aufgabe: fertigt eine Illustration des Denkmals an und formuliert einen Antrag an die Stadt, die das Denkmal in Auftrag geben soll. Oder sucht selbst eine Künstlerin / einen Künstler, der eure Idee Wirklichkeit werden lässt.

Figur

Ein Denkmal ohne Tafel oder längere Aufschrift, welches sich in unmittelbarer Nähe zu den Kriegsgräbern befindet

Gaststätte „Panoptikum“

Gerlingplatz 4, 45127 Essen | 51.460973, 7.018393‎ | +51° 27′ 39.50″, +7° 1′ 6.21″

(the facts given here are also available in English. So are the exercises which you find at the bottom of the following text)

Da wo heute die Gaststätte „Panoptikum“ ist, befand sich vor gut 80 Jahren das „Eldorado“. Das „Eldorado“ war ein beliebter Treffpunkt Essener Homosexueller. Hier wurden Kostümfeste („Blütenträume“) und andere Feierlichkeiten veranstaltet. Am 2. Mai 1933 wurde den Betreibern des „Eldorado“ die Konzession entzogen – das beliebte Lokal musste geschlossen werden. Eine Gedenktafel erinnert an die Ausgrenzung der Essener Homosexuellen durch das Nazi-Regime. Aus der Sammlung Horst Zimmers stammt dieser Artikel von 1999, der sich mit der Verfolgung homosexueller Menschen zu Zeiten des NS-Regimes auseinandersetzt.

Panoptikum I

Der Eingangsbereich des „Panoptikum“

Eldorado und Bücherverbrennung

Eine Menschenmenge versammelte sich am 21. Juli 1933 direkt vor dem damaligen „Eldorado“, um der von den Nazis inszenierten Bücherverbrennung beizuwohnen (Bildquelle: Essener Haus der Geschichte / Stadtarchiv).

Historischer Hintergrund

Für die Anhänger Hitlers war Homosexualität „widernatürliche Unzucht“, weshalb sie gegen schwule und lesbische Menschen vorgingen. Diese wurden willkürlich verhaftet, in Konzentrationslagern interniert, verfolgt und oftmals getötet. Die Nazi-Ideologie besagte, dass Lesben und Schwulen auch deshalb auszugrenzen seien, da sie nicht zur Vermehrung der „Herrenrasse“ beitragen konnten. Dennoch waren einige führende Nazis schwul, etwa Ernst Röhm, zu Beginn der Nazi-Zeit Stabschef der SA (Sturmabteilung, eine paramilitärische Schlägertruppe der Nazis zu Zeiten der Weimarer Republik). Hitler behauptete, bis 1934 nichts von der Homosexualität seines Partei-Freundes gewusst zu haben. Wahrscheinlicher ist, dass Hitler die sexuelle Orientierung Röhms solange akzeptierte, wie dieser ihm nutzte. Als Röhm 1934 mutmaßlich eigene Machtansprüche stellte und Reformen forderte, ließ Hitler ihn in der sogenannten „Nacht der langen Messer“ (30. Juni-1. Juli 1934) ermorden. Andere führende SA-Funktionäre teilten Röhms Schicksal. Die SA war in Hitlers Augen unnötig geworden, um ihm die Macht zu sichern. Dementsprechend konnte der Diktator die Macht und den enormen Einfluss Röhms auf dessen zahlenmäßig starke SA nicht länger akzeptieren.

Die Verfolgung von homosexuellen Menschen wurden in den Folgejahren immer weiter verschärft. In der Nazi-Presse wurden Röhms politisch ungewollte Ideen gezielt mit seiner Homosexualität in Verbindung gebracht. Ziel der Berichterstattung war es, Schwule und Lesben als gesellschaftliche Gruppe unbeliebter zu machen und als politische Gefahr hinzustellen.

Panoptikum II

Eine Speisekarte im heutigen „Panoptikum“

Aufgaben für Jugendgruppen / Schulklassen

1) (++ / anspruchsvoll) Fotografiert die Gedenktafel, die sich rechts neben dem Eingang befindet. Sucht euch ein Datum aus, welches auf der Tafel zu finden ist. Schreibt einen kurzen Bericht im Stile von „Heute vor 100 Jahren“, in dem ihr auf die Geschehnisse eingeht, von denen die Tafel berichtet.

2) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Betretet das Panoptikum und fragt das Personal, was es von der Vergangenheit der Gaststätte weiß. Fragt, ob das Lokal noch heute ein Treffpunkt homosexueller Menschen ist und ob es auch heute noch gesellschaftliche Gruppen gibt, die dies kritisch sehen. Gab es schon Übergriffe oder Pöbeleien gegenüber Gästen? Wenn ja, von wem?

3) (+ / geeignet für Einsteiger und Einsteigerinnen) Veröffentlicht das Bild mit der Tafel in dem Blog auf dieser Website. Eure Artikel könnt ihr – wenn ihr wollt – ebenfalls posten, genauso die Ergebnisse des Gesprächs mit dem Personal.